Frankfurt (Reuters) - Nach Volkswagen-Chef Oliver Blume hat sich auch Mercedes-Boss Ola Källenius gegen eine Vier-Tage-Woche als Vollzeitbeschäftigung ausgesprochen.

"Wir können und müssen vielleicht nicht alle immer mehr arbeiten. Die Produktivität darf aber nicht sinken", sagte Källenius in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem "Manager Magazin". Das gelte insbesondere, wenn Wettbewerber wie chinesische Hersteller grundsätzlich anders unterwegs seien. "Wir gefährden unsere hart erarbeitete Position, unsere Wettbewerbsfähigkeit, wenn wir in der Produktivität zurückfallen."

Kürzlich hatte auch VW-Chef Blume in der "Bild"-Zeitung einer Vier-Tage-Woche bei vollen bisherigen Bezügen eine Absage erteilt: "Der Wettbewerb wird schärfer und da spielen auch Arbeitszeiten und Kosten eine Rolle."

Die Gewerkschaft IG Metall fordert die verkürzte Arbeitswoche mit dem Argument, eine bessere Balance von Arbeits- und Freizeit sei notwendig, damit Industrie und Handwerk für junge Fachkräfte attraktiv blieben. Konkret in Tarifverhandlungen brachte die IG Metall das vorerst nur für die Stahlindustrie auf den Tisch, verfolgt das Thema nach Worten des scheidenden Gewerkschaftschefs Jörg Hofmann aber als langfristiges Ziel. Auf längere Sicht müsse dieses Arbeitszeitmodell allen Beschäftigten ermöglicht werden, sagte er am Wochenende der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Sie stehen nicht heute oder morgen auf der Tagesordnung, aber sie sind unser Ziel." Bei der im kommenden Jahr anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gehe es voraussichtlich aber nicht um die Arbeitszeit, sondern mit Blick auf die Inflation in erster Linie um mehr Geld.

(Bericht von Ilona Wissenbach; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)