Shanghai/Peking/Berlin (Reuters) - Trotz der Corona-Lockerungen für Reisende in China wird es dort wohl keinen sofortigen Urlaubsboom geben.

Einschätzungen aus der Bevölkerung, von Onlineplattformen und Reisebüros signalisieren, dass die Erholung des milliardenschweren Reisegeschäfts noch ein bisschen dauern dürfte. Chinas Nationale Gesundheitskommission hatte am Montag angekündigt, dass einreisende Urlauber ab dem 8. Januar nicht mehr unter Quarantäne gestellt würden. Offiziell gibt es keine Beschränkungen für Chinesen, die ins Ausland reisen, aber die neue Regel dürfte ihnen die Rückkehr in ihre Heimat erheblich erleichtern. Die Einwanderungsbehörde erklärte am Dienstag, China stelle ab dem 8. Januar wieder Visa für Einwohner von Festland-China aus, die ins Ausland reisen.

"Es ist großartig, dass sie es angekündigt haben, sodass ich ernsthaft meine Pläne machen kann", sagte stellvertretend für viele der Pekinger Exporteur Tom Guo, 43. Aber er betonte auch, er werde wahrscheinlich bis zum späten Frühjahr oder sogar bis zum Sommer mit einer Reise ins Ausland warten. Allerdings meldeten Online-Portale bereits deutlich anziehende Nachfrage. Daten der Reiseplattform Ctrip zeigten, dass innerhalb einer halben Stunde nach der Ankündigung die Suchanfragen nach beliebten grenzüberschreitenden Reisezielen um das Zehnfache kletterten. Die Plattform Qunar meldete einen siebenfachen Anstieg der Suchanfragen nach internationalen Flügen binnen 15 Minuten. Japan, Thailand und Südkorea gehörten zu den am häufigsten gesuchten Zielen auf beiden Plattformen.

Bevor die Virus-Pandemie den globalen Reiseverkehr weitgehend lahmlegte, war China der größte sogenannte Ausreisemarkt im Tourismus weltweit. Menschen aus China gaben 2019 im Ausland 127,5 Milliarden Dollar für Reisen aus. Der weltgrößte Reise-Einzelhändler, der Schweizer Duty-Free-Shop-Betreiber Dufry,begrüßte die Erleichterungen. "An den Flughäfen, die Chinesen nutzen und wo wir vertreten sind, rechnen wir mit einem positiven Effekt." Wenn die Chinesen wieder verstärkt ins Ausland reisten, dürften sie in einer ersten Phase vor allem Destinationen in Südostasien ansteuern, sagte ein Dufry-Sprecher.

Die Öffnungen und neuen Perspektiven rufen auch Airlines und Reisekonzerne auf den Plan. Sie loten aus, ob und wie stark sie ihr China-Geschäft ausweiten. Die Lufthansa begrüßte die Entscheidung der chinesischen Behörden zur Lockerung der Einreisebeschränkungen. "Dies wird dazu beitragen, dass sich der internationale Luftverkehr zwischen Festland-China in Europa erholt", sagte eine Konzernsprecherin. Die Lufthansa-Gruppe prüfe nun, in welchem Umfang oder Zeitraum sie ihren Flugplan von und nach Festland-China anpassen könne. Beim weltgrößten Reisekonzern TUI hieß es, auf das gegenwärtig beschränkte Angebot an Flügen nach China sollten sich die angekündigten Reiseerleichterungen positiv auswirken. "Dadurch werden Städte- und Studienreisen für Urlauber interessanter und preislich attraktiver", sagte ein TUI-Sprecher. Für das erste Quartal 2023 habe die "Mein-Schiff"-Flotte von TUI Cruises bereits wieder mit Hongkong geplant - "hier sollte ein positives Umfeld förderlich sein".

Branchenexperten zufolge suchen Pauschalreisende allerdings eher Strand und Sonne. Daher seien in Asien etwa Thailand, Malediven und Bali beliebter. Das Volumen des Reisemarktes China sei verhältnismäßig gering. Eine größere Rolle spielten eher Städte- und Studienreisen sowie Gruppenreisen.

(Bericht von Sophie Yu, Joe Cash, Chen Li, Casey Hall, Josh Horwitz, Hyunsu Yim, Joyce Lee, Oliver Hirt und Klaus Lauer; - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)