(Im 3. Absatz Jahresangabe 2014 gestrichen)

BERLIN (dpa-AFX) - In deutsche Supermärkte soll mehr Fleisch aus besserer Tierhaltung kommen - und für die Kunden auch klarer zu erkennen sein. Die "Initiative Tierwohl" von Landwirtschaft und Handel, die höhere Standards im Stall aus einem Branchenfonds honoriert, weitet ihre Aktivitäten aus. Der geschäftsführende Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) warb am Donnerstag vor Beginn der Grünen Woche in Berlin für Tempo bei der Einführung eines "Tierwohl-Labels" in einer neuen Regierung. Die Behörden verstärken die Vorsorge angesichts einer möglichen Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest.

Schmidt kündigte an, "in Kürze" eine Verschärfung der Schweinepest-Verordnung vorzulegen. Sie solle mit Bund und Ländern abgestimmte "Desinfektionsmaßnahmen in größerem Rahmen" vorsehen, zudem solle es um die Ausweitung der Jagd auf Wildschweine gehen. Wichtig sei auch eine konsequente Abschottung zu Nutztierbeständen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied mahnte weitere Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des in Osteuropa auftretenden Erregers an. Er mahnte unter anderem, keine Lebensmittelreste wegzuwerfen und Wildschweine als mögliche Überträger zu schießen. Sollte die für Menschen ungefährliche Tierseuche auch nur bei einem Wildschwein auftreten, drohe sofort ein Exportstopp für Schweine. Der Bauernverband brachte ins Gespräch, diese Schwelle für Exportstopps auf ein Auftreten des Erregers bei Hausschweinen zu beschränken.

An der "Initiative Tierwohl" für bessere Haltungsbedingungen nehmen jetzt mehr als 6000 Betriebe teil, wie Geschäftsführer Alexander Hinrichs sagte. Die Zahl der Tiere stieg damit auf 518 Millionen Schweine, Hähnchen und Puten. Neben einer regulären Kontrolle gebe es nun auch mindestens einmal im Jahr eine unangekündigte Überprüfung.

Bei der 2015 gestarteten Initiative zahlen Handelsketten in einen Fonds ein, aus dem freiwillig teilnehmende Bauern Mehraufwendungen vergütet bekommen, die über die gesetzlichen Standards hinaus gehen. Für 2018 bis 2020 gibt der Handel nun 6,25 Cent nach bisher 4 Cent pro verkauftem Kilogramm Geflügel und Schweinefleisch sowie Wurst.

Schmidt sagte mit Blick auf das von Union und SPD in den Sondierungen vereinbarte Tierwohl-Label: "Wir müssen jetzt zum Zuge kommen und auf den Platz gehen." Es solle im Fall einer neuen Koalition gleich nach Vereidigung der Regierung angegangen werden. Der Minister hatte schon vor einem Jahr Pläne für ein Logo vorgestellt, sie bis zur Bundestagswahl aber nicht umgesetzt. Für bessere Bedingungen in Ställen seien Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe zu erwarten, sagte Schmidt. Höfe sollten dabei unterstützt werden.

Aus Sicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gibt es in einigen Regionen zu viele Tiere, was den Export in die Höhe treibe. "Es ist keine tragfähige Strategie, jeden chinesischen Kühlschrank mit Schweinefleisch aus Deutschland zu versorgen", sagte die SPD-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherorganisationen bemängelten im "Kritischen Agrarbericht", das Streben nach Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten bedeute für deutsche Bauern ruinöse Preise.

Der Bauernverband wies die Kritik von Hendricks als "pure Ideologie" zurück. Nur fünf Prozent der Produktion würden jenseits der EU exportiert, darunter Ohren und Pfoten vom Schwein, für die es in Europa keinen Absatzmarkt gebe. Die deutschen Agrarexporte erreichten 2017 einen Rekord. Nach vorläufiger Berechnung wurden Agrarprodukte, Lebensmittel und Landtechnik im Wert von 78,3 Milliarden Euro ausgeführt, wie die Export-Förderorganisation Gefa mitteilte.

Die Internationale Grüne Woche sollte am Donnerstagabend (18.00 Uhr) eröffnet werden, für Besucher öffnet sie an diesem Freitag. An den zehn Messetagen präsentieren 1660 Aussteller aus 66 Ländern ihre Produkte aus Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Partnerland ist diesmal Bulgarien. Erwartet werden 400 000 Fach- und Privatbesucher.

## Berichtigung

- Im 3. Absatz, 1. Satz, wurde die Jahresangabe gestrichen, dass der

Erreger "seit 2014" in Osteuropa auftrete. Zuvor gab es bereits

Nachweise in der Ukraine, Weißrussland und Russland./sam/brd/ted/eks/DP/she