HELSINKI (awp international) - Finnlands Notenbankchef Olli Rehn geht von weiteren Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Die derzeitige Erwartung der Finanzmärkte zweier weiterer Reduzierungen in diesem Jahr bezeichnete der Notenbanker in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg als "angemessen". Ähnlich bewertete der Finne die Markterwartung zusätzlicher Zinssenkungen bis auf etwa 2,25 Prozent.

Derzeit beträgt der für die Geldpolitik massgebliche Einlagensatz der EZB 3,75 Prozent, nachdem die Währungshüter ihre Geldpolitik Anfang Juni erstmals nach der grossen Inflationswelle gelockert hatten. Folgt man den Markterwartungen und Rehns Äusserungen, würde der Leitzins nach zwei weiteren Reduzierungen in diesem Jahr noch etwa viermal um insgesamt rund einen Prozentpunkt sinken.

Der derzeit weit weniger wichtige Hauptrefinanzierungssatz der EZB beträgt aktuell 4,25 Prozent. Dies ist der Satz, zu dem sich die Kreditinstitute Geld von der EZB besorgen können. Weil die Banken aber nach wie vor sehr üppig mit Liquidität ausgestattet sind, steuern die Währungshüter das Zinsniveau vor allem über den Satz, den Banken für überschüssige Einlagen bei der Notenbank erhalten. Hintergrund des jetzigen Vorgehens sind die erheblichen Anleihekäufe der Zentralbank unter anderem während der Corona-Pandemie./bgf/stk