Das britische Pfund geriet am Freitag unter Druck und notierte nahe einem mehr als zweiwöchigen Tiefstand, nachdem Daten zeigten, dass die britische Wirtschaft im zweiten Monat in Folge geschrumpft ist. Dies verstärkte die Erwartungen, dass die Bank of England (BoE) bereits im kommenden Monat die Kreditkosten senken könnte.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte laut Angaben des Office for National Statistics um 0,1 Prozent, nachdem es im April bereits um 0,3 Prozent zurückgegangen war. Hauptverantwortlich für den Rückgang waren schwache Zahlen aus der Industrie und dem Baugewerbe.
„Auch wenn man aus den BIP-Daten allein nicht schließen sollte, dass die Wirtschaft unter stärkeren Druck gerät, gibt es ernsthafte Fragen aus dem Arbeitsmarkt, ob dieser nicht doch schneller ins Wanken gerät,“ sagte James Smith,
Volkswirt bei ING.
„Für die Bank of England könnte dies ein Umdenken beim Tempo der Zinssenkungen erzwingen. Bisher zeigten sich die Verantwortlichen sehr zurückhaltend, das bisherige, allmähliche Tempo von einer Senkung pro Quartal zu überschreiten.“
Das Pfund schwächte sich um 0,26 Prozent auf 1,354 US-Dollar ab und verlor gegenüber dem Euro 0,2 Prozent auf 86,35 Pence.
Die Renditen kurzfristiger britischer Staatsanleihen, die oft die Zinserwartungen widerspiegeln, verharrten stabil, nachdem sie im Tagesverlauf um etwa zwei Basispunkte gesunken waren.
Händler preisen nun laut von LSEG erhobenen Daten eine Wahrscheinlichkeit von 78,3 Prozent ein, dass die BoE im August eine Zinssenkung um 25 Basispunkte vornimmt, verglichen mit einer Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent vor zwei Wochen.
Die Zahlen vom Freitag verstärken die Sorgen von Finanzministerin Rachel Reeves. Ökonomen gehen davon aus, dass sie im kommenden Herbsthaushalt erneut die Steuern erhöhen muss, da die Regierung versucht, die öffentlichen Finanzen ins Gleichgewicht zu bringen.
Die britischen Märkte erlitten in der vergangenen Woche Verluste, nachdem die Labour-Regierung gezwungen war, ein umstrittenes Sozialgesetz zu verabschieden, das kaum zu den erhofften Ausgabenkürzungen führte und die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen verstärkte.
Weltweit sorgte US-Präsident Donald Trump für Unruhe an den Märkten, nachdem er eine weitere Eskalation der Zölle ankündigte: Ab dem kommenden Monat sollen kanadische Importe mit 35 Prozent belegt werden, während andere Handelspartner voraussichtlich pauschale Zölle von 15 oder 20 Prozent erwartet.
Das Pfund legte gegenüber dem kanadischen Dollar um 0,5 Prozent zu und notierte zuletzt bei 1,855 kanadischen Dollar.
Analysten betonten, dass das Abkommen Großbritanniens mit den USA das Land weniger anfällig für Unsicherheiten im Handel mache. Dies spiegele sich auch in dem bisherigen Anstieg des Pfunds um 8 Prozent gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr wider.

















