Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz wird voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres seine erste Reise nach China antreten, begleitet von einer Delegation führender Wirtschaftsvertreter. Das erfuhr Reuters von einer Person mit direkter Kenntnis der Angelegenheit.

Der Besuch des Chefs der größten europäischen Volkswirtschaft und eines der wichtigsten Handelspartner Chinas hätte eine hohe symbolische Bedeutung für die Beziehungen beider Länder - insbesondere angesichts der aktuellen Spannungen mit den Vereinigten Staaten wegen Handelszöllen.

Chinesische Unternehmen hoffen darauf, ihre Investitionen in Deutschland auszubauen. Der Besuch von Merz könnte dazu beitragen, die Beziehungen nach früheren Spannungen mit Berlin zu verbessern, so die mit den Vorbereitungen vertraute Person weiter.

Die Reise, die bereits im Oktober stattfinden könnte, ist noch nicht endgültig terminiert; Details könnten sich noch ändern.

Ein Sprecher des deutschen Bundeskanzleramts lehnte eine Stellungnahme ab.

,,Derzeit entwickelt sich die umfassende strategische Partnerschaft zwischen China und Deutschland sehr gut. Seit der Bildung der neuen deutschen Regierung pflegen beide Seiten einen häufigen und engen Austausch", erklärte das chinesische Außenministerium auf Anfrage von Reuters.

,,China ist bereit, enge hochrangige Kontakte mit Deutschland zu pflegen, die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit zu vertiefen und eine nachhaltige, gesunde und stabile Entwicklung der Beziehungen zwischen China und Deutschland zu fördern."

Der geplante Besuch von Merz folgt auf den Aufenthalt des chinesischen Außenministers Wang Yi in Berlin Anfang dieses Monats. Wang Yi war auf einer Europareise unterwegs, um den Boden für einen Gipfel zwischen der Europäischen Union und chinesischen Spitzenvertretern später im Monat zu bereiten.

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul erklärte, die beiden Außenminister hätten über Russlands Invasion in der Ukraine, Taiwan und die Krise im Nahen Osten gesprochen.

China und Deutschland sind eng miteinander verflochten, nicht zuletzt wegen der Abhängigkeit deutscher Automobilhersteller vom chinesischen Markt - dem größten Automarkt der Welt - sowohl beim Bau als auch beim Verkauf von Fahrzeugen.

Die Beziehungen litten unter der vorherigen deutschen Regierung, als die damalige Außenministerin Annalena Baerbock Peking wiederholt kritisierte, Präsident Xi Jinping als ,,Diktator" bezeichnete und China als Rivalen einstufte.

Konfliktpunkte bestehen weiterhin: Deutschland bestellte am Dienstag den chinesischen Botschafter ins Auswärtige Amt ein, nachdem laut Angaben Berlins das chinesische Militär ein deutsches Flugzeug über dem Roten Meer mit einem Laser ins Visier genommen hatte.

Bisher hat auch Merz in der Öffentlichkeit eine harte Haltung gegenüber China eingenommen, dabei jedoch eine offene Konfrontation vermieden.

Zu Beginn des Jahres äußerte er erneut Sorgen über Chinas Nähe zu Russland und versprach, die deutsche Abhängigkeit von der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu verringern.

Xi Jinping forderte Merz unterdessen auf, die Zusammenarbeit zu vertiefen und gemeinsam die wirtschaftliche Globalisierung voranzutreiben.