DOW JONES--Mit einem verhaltenen Start in den Freitag rechnen Händler an Europas Aktienmärkten. Nach der Rekordjagd der vergangenen Tage dürfte sich der jüngste Rücksetzer noch etwas ausdehnen, so ein Marktteilnehmer, der von einem "normalen Konsolidierungstag" spricht. Hin- und hergerissen zwischen einem kräftigen Anstieg der chinesischen Börsen und dem Zollstreit mit den USA wird der DAX vorbörslich an der Marke von 24.400 Punkten errechnet, ein Minus von 0,2 Prozent zum Schlussstand vom Donnerstag.
In Hongkong geht es bis zu 1,8 Prozent höher. China sollte Stützungsmaßnahmen von bis zu 1,5 Billionen Yuan (rund 209 Milliarden Dollar) ergreifen, um die Belastung durch US-Strafzölle zu mildern, so die Empfehlung eines Expertenteams rund um Huang Yiping, der Mitglied des geldpolitischen Komitees der Zentralbank.
Dabei wird die Ruhe vor dem Beginn der Berichtssaison zum ersten Halbjahr nur aus Washington gestört. Wieder einmal hat US-Präsident Donald Trump die Welt überrascht und schon wieder mit neuen Zöllen gedroht. Während sich Analysten noch mit den Zöllen auf Kupfer und Brasilien auseinandersetzen, hat er 35 Prozent auf Kanada-Importe und 15 bis 20 Prozent für alle anderen Handelspartner angekündigt.
"Die Nachricht für die Eurozone ist klar, dass er über bis zu 20 Prozent nachdenkt, und nicht wie die Märkte zuletzt gehofft hatten, nur über pauschale 10 Prozent", so ein Händler. Dies dürfte die Börsen wieder von ihren Rekordhochs zurückbringen.
Die neuerlichen Zolldrohungen gegen Kanada würden dazu unterstreichen, wie erratisch die US-Politik ist. Auf künftige Verträge mit den USA dürfe man sich nicht verlassen. Die Beziehung mit Kanada dürfte indes gestört bleiben, "eine zollfreie US-Kanada-Beziehung ist künftig unwahrscheinlich", sagt Handelsanwältin Julia Webster von Baker McKenzie.
Marktanalyst Maximilian Wienke vom Brokerhaus eToro sagt, Trump fordere zwar Zinssenkungen, sorge aber gleichzeitig mit seiner Zollpolitik für Unsicherheit. Seine widersprüchlichen Signale trieben die US-Notenbank in die Enge und legten weitere Zinssenkungen auf Eis.
Die Verlängerung der Zollpause für die EU verschaffe immerhin mehr Zeit für Verhandlungen, und trotz des Handelsstreits zeigten sich Konjunktur und Arbeitsmarkt in den USA bislang überraschend robust. "Auch deshalb verspürt die Fed derzeit keinen akuten Handlungsdruck für Zinssenkungen", betont Wienke. Die anstehende Berichtssaison für das 2. Quartal werde zeigen, wie Unternehmen mit geopolitischen Risiken und Zollthemen umgehen: "Wer mit stabilen Margen, Preissetzungsmacht und operativer Flexibilität überzeugt, könnte mit Kursgewinnen belohnt werden".
Aus deutscher Sicht sollten Anleger aber besonders wachsam gegenüber Unternehmen mit starker US-Präsenz oder hoher Exportabhängigkeit sein: Eine Verhärtung der Fronten im Handelskonflikt dürfte die Exportdynamik bremsen und die jüngste DAX-Rally ins Wanken bringen, so Wienke.
Als positive Vorlage für den Luxusgüter-Sektor werten Händler den Zwischenbericht von Brunello Cucinelli. Die italienische Modegruppe hatte am Vorabend für das erste Halbjahr ein Umsatzwachstum von 11 Prozent auf konstanter Umsatzbasis vermeldet. "Das dürfte etwas die Sorgen über US-Zölle und schwache China-Nachfrage aus dem Sektor nehmen", kommentierte ein Händler. Das Umsatzwachstum sei deutlich höher als erwartet. Zum Vergleich habe LVMH im ersten Quartal noch 2 Prozent Minus verzeichnen müssen, im Mode-Bereich sogar von 5 Prozent.
Mit Interesse blicken Händler auf die Kursreaktion bei Ems-Chemie. "Der Umsatzrückgang ist etwas stärker als erwartet, aber die Profitabilität ist höher", sagt ein Händler mit Blick auf das Halbjahr. Beide Kennzahlen seien überraschend für den Markt, die Kursreaktion daher noch nicht absehbar. Da der Jahresausblick bestätigt und gleichzeitig konjunktursensible Aktien gesucht seien, rechnet er mit einer positiven Reaktion. Dazu komme, dass die Hauptbelastung von der Währungsseite gekommen sei und nichts mit operativen Problemen zu tun habe. Die EBITDA-Marge stieg auf 31,7 nach 29,4 Prozent, der Netto-Umsatz sank um 6,2 Prozent.
=== DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Vortag Do, 18:05 Uhr % YTD EUR/USD 1,1675 -0,2% 1,1703 1,1686 +13,2% EUR/JPY 171,50 +0,2% 171,16 171,13 +5,2% EUR/CHF 0,9311 -0,2% 0,9326 0,9318 -0,9% EUR/GBP 0,8620 +0,0% 0,8619 0,8613 +4,2% USD/JPY 146,89 +0,4% 146,25 146,43 -7,0% GBP/USD 1,3544 -0,3% 1,3579 1,3567 +8,6% USD/CNY 7,1418 -0,1% 7,1498 7,1511 -0,8% USD/CNH 7,1706 -0,1% 7,1787 7,1805 -2,1% AUS/USD 0,6578 -0,1% 0,6585 0,6571 +5,6% Bitcoin/USD 118.437,40 +1,7% 116.437,55 111.479,00 +17,3% ROHÖL zuletzt VT-Settlem. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 66,88 66,57 +0,5% 0,31 -7,0% Brent/ICE 67,63 67,61 +0,0% 0,02 -8,0% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 3.333,86 3.324,18 +0,3% 9,68 +26,2% Silber 32,04 31,68 +1,1% 0,36 +11,3% Platin 1.165,59 1166,8 -0,1% -1,21 +31,7% Kupfer 5,59 5,55 +0,7% 0,04 +35,4% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags (Angaben ohne Gewähr) ===
Kontakt zum Autor: maerkte.deossmann@dowjones.com
DJG/hru/ros
(END) Dow Jones Newswires
July 11, 2025 02:09 ET (06:09 GMT)



















