- von Christoph Steitz und Emma-Victoria Farr und Tom Käckenhoff

Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) - Der US-Investor Carlyle und die deutsche Staatsbank KfW haben Insidern zufolge ihre Bemühungen verstärkt, gemeinsam die Mehrheit an dem Rüstungsunternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) zu übernehmen.

Die drei Akteure führten Gespräche über ein Modell, nach dem Carlyle die Mehrheit erwerben würde, die KfW eine Sperrminorität und Thyssenkrupp eine Minderheitsbeteiligung, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die KfW habe eine erste Prüfung abgeschlossen und gehe in einem zweiten Schritt jetzt in die Details. Die Thyssenkrupp-Tochter könne mit 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro bewertet werden.

Carlyle und die KfW lehnten eine Stellungnahme ab. Thyssenkrupp wollte sich ebenfalls nicht zu den Vorgängen äußern und verwies auf die laufenden Gespräche mit Carlyle und der Bundesregierung.

Thyssenkrupp sucht seit Jahren eine Lösung für die Tochter, die unter anderem U-Boote und Fregatten herstellt. Überlegungen für einen Zusammenschluss mit der Bremer Lürssen-Werft oder Konkurrenten in Frankreich blieben ohne Ergebnis. TKMS mit Standorten unter anderem in Kiel, Hamburg und Bremen beschäftigt rund 7880 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 703 Millionen Euro.

KONZERNCHEF - WIR SIND SO WEIT WIE NOCH NIE

Carlyle habe die Bücher von TKMS geprüft und sein Interesse im vergangenen Monat in einem Brief an den Aufsichtsrat untermauert, sagten die Insider. Darin habe der Investor gebeten, in den kommenden Monaten tiefer in die Verhandlungen einzusteigen. Delegationen sowohl von Carlyle als auch von der KfW hätten kürzlich Standorte von Marine Systems in Deutschland für Verhandlungsgespräche besucht, sagte einer der Eingeweihten. Im Fall einer Einigung aller Parteien könne bereits im September ein Deal perfekt gemacht werden. Am 30. September endet das Geschäftsjahr 2023/24 von Thyssenkrupp.

Die IG Metall und Betriebsräte führen seit ein paar Monaten Gespräche mit Carlyle über Details wie den Fortbestand von Tarifverträgen, Standortgarantien und Jobzusagen. Die Gewerkschaft hat Carlyle Zustimmung signalisiert, wenn der Staat einsteigt oder Thyssenkrupp mit einer Sperrminorität von mindestens 25,1 Prozent beteiligt bleibe. Der Chef der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, geht davon aus, dass dies ein Zwischenschritt für eine größere Konsolidierung der Branche in Europa sein würde. Seit dem Krieg in der Ukraine haben solche Gedankenspiele an Schwung gewonnen. Im vergangenen Jahr hatte sich der Chef der italienischen Werftengruppe Fincantieri, Pierroberto Folgiero, für einen Zusammenschluss ausgesprochen. Die Italiener arbeiten bereits mit TKMS zusammen.

Thyssenkrupp behält sich neben einem Verkauf auch die Möglichkeit eines Spin-offs vor. Dies sei aber teurer, sagten Insider. Zudem müsse die Hauptversammlung darüber abstimmen, während eine Veräußerung schneller über die Bühne gebracht werden könne. Konzernchef Miguel Lopez sieht sich schon fast am Ziel. "Wir sind da so weit wie noch nie", sagte er am Montag vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf (WPV).

(Bericht von Christoph Steitz, Emma-Victoria Farr, Tom Käckenhoff. Mitarbeit: Andreas Rinke, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)