Ein Kursrutsch als Quittung
Am Montag fiel die Tesla-Aktie um fast 8 %, nachdem Elon Musk die Gründung einer neuen politischen Partei in den USA bekannt gegeben hatte – der „America Party“. Die Entscheidung folgt auf einen öffentlichen Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump und wirft erneut Fragen zu Musks Prioritäten auf – gerade in einer Phase, in der Tesla unter rückläufigen Verkaufszahlen leidet.
Best Friends… Not Forever
Der Unternehmer, der mit Tesla und SpaceX zum reichsten Mann der Welt aufstieg, hatte zuvor mehrere hundert Millionen Dollar in Trumps Wiederwahlkampagne gesteckt. Im Frühjahr war er sogar Teil der Regierung als Leiter der neu geschaffenen Behörde für „staatliche Effizienz“, die Bundesausgaben kürzen sollte.
Doch das Bündnis zerbrach Anfang Juni, als Musk drohte, republikanische Kongressabgeordnete mit Gegenkandidaten zu konfrontieren, sollten sie dem von Trump forcierten Haushaltsgesetz zustimmen – ein Projekt, das Musk als „widerwärtige Abscheulichkeit“ bezeichnete.
Es folgte ein heftiger öffentlicher Streit: Musk unterstützte offen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, woraufhin dieser seinerseits mit dem Entzug staatlicher Fördermittel für Musks Unternehmen drohte.
Der Konflikt flammte letzte Woche erneut auf. Kurz vor der Abstimmung über das neue Steuergesetz kritisierte Musk erneut scharf Trumps Vorhaben. Trump schlug daraufhin vor, das Department of Government Efficiency („DOGE“) solle die Fördergelder an Musks Unternehmen prüfen: „Vielleicht sollten wir das DOGE auf Elon ansetzen… DOGE ist das Monster, das Elon auffressen könnte. Wäre das nicht furchtbar?“
Musk wiederum konterte mit einem Aufruf zur Gründung eines neuen politischen Lagers: „Wir leben in einem Einparteienstaat – dem SCHWEINEPARTEIENSTAAT!!“
Kein Platz für einen Dritten
Am Wochenende machte Musk seine Drohung wahr: „Heute gründen wir die America Party, um euch eure Freiheit zurückzugeben“, schrieb er auf X, dem von ihm kontrollierten sozialen Netzwerk – nur einen Tag nach einer Nutzerumfrage zur Gründung einer neuen Partei.
Trump reagierte prompt: „Es ist lächerlich, eine dritte Partei ins Leben zu rufen“, erklärte er am Sonntag gegenüber Journalisten vor dem Abflug mit der Air Force One. „Das bringt nur Verwirrung. Er kann gern damit herumspielen, aber es ist lächerlich.“
In der US-Politik ist die Idee einer dritten Partei ein altbekanntes Phänomen, das bisher stets scheiterte. Auch Trump versuchte es im Jahr 2000 mit der Reform Party – ebenfalls mit dem Argument, das System zu stören. Nach vier Monaten beendete er seine Kampagne.
Auch für Musks „America Party“ dürfte es schwer werden, echte Durchschlagskraft zu entwickeln. Doch als potenzieller Störfaktor für die Republikaner könnte sie sehr wohl Wirkung entfalten – etwa bei den Midterm-Wahlen 2026, wenn einzelne Kandidaten der neuen Partei republikanische Mandate kosten und so die Mehrheiten in Senat oder Repräsentantenhaus verschieben könnten.
CEO oder Polit-Aktivist?
Klar ist: Die Aktionäre sind wenig begeistert von Musks politischem Ausflug. Der Kurs von Tesla fiel am Montag an der Wall Street um 7 %.
Um die aktuelle Lage einzuordnen, lohnt ein Blick zurück: Im Sommer 2024 stellte sich Musk offen an die Seite von Donald Trump. Die Aussicht auf regulatorische Vorteile für autonomes Fahren – ein zentrales Narrativ von Tesla – beflügelte den Kurs.
Doch Musks zunehmend kontroverse Äußerungen und politische Eskapaden schadeten dem Image der Marke, insbesondere in Europa, wo die Verkaufszahlen eingebrochen sind. Seit dem Rekordhoch im Dezember hat Tesla rund ein Drittel seines Börsenwerts eingebüßt.
Dan Ives, Analyst bei Wedbush, bringt es auf den Punkt: „Dass Musk sich immer stärker in der Politik engagiert, ist genau das Gegenteil von dem, was sich Anleger von ihm wünschen.“ Die Erwartungen sind eindeutig: Musk soll sich auf die Sanierung seines Unternehmens konzentrieren – nicht auf Machtspiele in Washington.
China im Blick – oder nicht mehr?
Hinzu kommt: Auch in China kämpft Tesla mit schärferem Wettbewerb. Der Bruch mit Trump könnte Musks Position in Peking zusätzlich schwächen.
Wie das Wall Street Journal berichtet, galt Musk für chinesische Regierungsvertreter bislang als strategischer Joker – gerade wegen seiner Nähe zum US-Präsidenten. Im Januar hatte Vizepräsident Han Zheng Musk in Washington sogar darum gebeten, eine „konstruktive Rolle“ in den sino-amerikanischen Beziehungen zu spielen.
Diese Rolle dürfte nun passé sein. Musk ist kein Vermittler mehr – sondern selbst ein Akteur in der politischen Arena.
Und das könnte Tesla teuer zu stehen kommen. Denn während Musk zuletzt mit einer Kettensäge posierte, um seinen Willen zur Kürzung der Staatsausgaben à la Javier Milei zu demonstrieren, ist die einzige sichtbare „Kürzung“ bislang die seines eigenen Börsenwerts.

Zeichnung: Amandine Victor




















