Düsseldorf (Reuters) - Beim Solartechnik-Zulieferer SMA Solar lahmt das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden.

Das Unternehmen aus dem hessischen Niestetal strich seine Umsatz- und Gewinnprognose für dieses Jahr deshalb drastisch zusammen und schickte die ohnehin vor dem Abstieg aus dem MDax stehende Aktie am Mittwoch auf Talfahrt: Sie brach um 28 Prozent auf 30 Euro ein - den tiefsten Stand seit vier Jahren. Der Umsatz werde 2024 nicht wie erwartet wachsen, sondern um bis zu ein Fünftel schrumpfen, das operative Ergebnis (Ebitda) sogar um bis zu drei Viertel zurückgehen, warnte der Hersteller von Wechselrichtern. Der Auftragseingang ziehe noch nicht an, weil Installateure und Händler immer noch auf vollen Lagern säßen.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgten die Wahlen in der EU und den USA, die das Investitionsklima für erneuerbare Energien belasten könnten, erklärte das Unternehmen. Nach der Europawahl befürchten Experten Gegenwind für den von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgerufenen "Green Deal", die Transformation Richtung Klimaneutralität. Für das Projektgeschäft erwartet SMA aber weiter starkes Wachstum, wie es in der Mitteilung hieß.

SMA hatte im vergangenen Jahr seine Ziele dreimal angehoben. Am Ende landete der Umsatz bei 1,9 Milliarden Euro. Das Ebitda schoss auf 311 Millionen Euro hoch. Ins Jahr 2024 war das Unternehmen schon vorsichtiger gegangen. Der Umsatz sollte auf 1,95 Milliarden bis 2,22 Milliarden Euro steigen - nun erwartet SMA 1,55 Milliarden bis 1,7 Milliarden. Für das Ebitda hatte man sich schon auf einen Rückgang auf 220 Millionen bis 290 Millionen Euro eingestellt. Nun sollen es 80 Millionen bis 130 Millionen werden. Zum Halbjahr könnten auch Abschreibungen fällig werden, warnte SMA.

Die Analysten von Jefferies zeigten sich überrascht, wie stark SMA die Prognosen eingedampft hat. Ein Analyst von Oddo BHF hält den Verweis auf die Wahlen für vorgeschoben. Der Vorstand sei wohl zu optimistisch gewesen, und der Abbau der Lagerbestände dauere länger als erwartet.

SOLARNATIVE SUCHT INVESTOR

Bei einem jungen Konkurrenten geht die Lage sogar an die Substanz. Die 2019 gegründete Solarnative GmbH aus Kriftel bei Frankfurt hat nach eigenen Angaben den kleinsten Wechselrichter der Welt entwickelt, der für Balkonkraftwerke geeignet ist. Der Vorstand sucht auf der Messe Intersolar in München nun einen Investor, damit ihm nicht das Geld ausgeht. Von 35 der 130 Mitarbeiter habe man sich getrennt. Die Firma spricht von "einem zunehmenden Preiskampf in dem von chinesischen Herstellern dominierten Segment". Die Lager seien wegen der Überproduktion im vergangenen Jahr übervoll, weshalb der Verkauf weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.

Eigentlich wollte Solarnative bis zum Sommer 8 Millionen bis 13 Millionen Euro frisches Kapital bei bestehenden und neuen Investoren einwerben - bisher kamen aber nur 1,6 Millionen Euro herein. Im April hatte die Firma bereits eine Anleihe begeben.

(Bericht von Anneli Palmen und Alexander Hübner, redigiert von Thomas Seythal. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)