Wie der römische Gott Janus zeigt auch der Sommer mitunter zwei Gesichter. In manchen Jahren passiert schlichtweg nichts – und es ist klug, sich unter der Sonne zu erholen, ohne den Märkten große Beachtung zu schenken. In anderen Jahren ist das Gegenteil der Fall: In einem engen Marktumfeld können sich die Ausschläge bei ereignisreicher Nachrichtenlage deutlich verstärken – man erinnere sich an den Rückgang von fast 10 Prozent innerhalb weniger Wochen im vergangenen Jahr. Angesichts von Zollstreitigkeiten und diversen geopolitischen Konflikten drohte 2025 ein heißes Börsenjahr zu werden. Bislang jedoch zeigen die Anleger bemerkliche Gelassenheit – oder, wie manche sagen würden, eine gewisse Blindheit. Einer der Hauptgründe: die Erwartung einer weiteren geldpolitischen Lockerung bereits im September. Warum? Weil der Arbeitsmarkt nicht so robust ist, wie es zunächst den Anschein hatte, was die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf rund 90 Prozent steigen ließ. Damit dies Realität wird, müsste die am 12. August anstehende Inflationsveröffentlichung allerdings keine deutlichen Aufwärtstendenzen zeigen. In diesem Zusammenhang sorgten Inflationssorgen auch innerhalb der BoE für heftige Diskussionen – doch letztlich überwog die Schwäche der britischen Wirtschaft und lieferte die Argumente für eine weitere Zinssenkung.

Unterdessen schwanken die Anleiherenditen weiterhin in engen Spannen – selbst nach jüngsten Auktionen, die als enttäuschend bewertet wurden. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen bleibt unter Druck und unterhalb des markanten Widerstands bei 4,07 Prozent, mit einer ersten Hürde bei 3,855 Prozent. In Europa herrscht ebenfalls Zurückhaltung: Die britische 10-jährige Rendite bewegt sich seit Monaten zwischen 4,51 Prozent und 4,86 Prozent, ohne bislang aus dieser Spanne auszubrechen. Der deutsche Bund rentiert nahe der oberen Range-Grenze bei 2,73 Prozent, mit einer ersten Unterstützung bei 2,60 Prozent, deren Bruch den Weg zum unteren Bereich bei 2,44 Prozent freimachen würde.