US-Präsident Donald Trump hat eine präsidentielle Anordnung unterzeichnet, die die Lockerung der bundesstaatlichen Vorschriften für Marihuana empfiehlt, um es als weniger gefährliche Droge neu zu klassifizieren.

Trumps Anordnung weist seinen Justizminister an, die Neuklassifizierung von Marihuana rasch voranzutreiben, wie hochrangige Regierungsbeamte mitteilten. Dieser Prozess konnte dazu führen, dass die psychoaktive Pflanze künftig gemeinsam mit gängigen Schmerzmitteln, Ketamin und Testosteron als weniger gefährliche Droge aufgeführt wird.

Eine Neuklassifizierung, moglicherweise der großte politische Wandel in der Marihuana-Regulierung seit 1970, dürfte die Cannabis-Branche grundlegend verändern: Steuerlasten konnten sinken, die Finanzierung für Unternehmen würde erleichtert und die klinische Forschung beschleunigt.

Von dieser Entwicklung konnten insbesondere Unternehmen wie Canopy Growth, Organigram Global, SNDL, Aurora Cannabis, Trulieve Cannabis und Tilray Brands profitieren.

Was konnte dieser Schritt für Unternehmen bedeuten?

WAS BEDEUTET EINE NEUKLASSIFIZIERUNG?

Nach dem US Controlled Substances Act ist Marihuana derzeit als Substanz der Liste I eingestuft – wie Heroin –, was bedeutet, dass ein hohes Missbrauchspotenzial und kein anerkannter medizinischer Nutzen angenommen werden.

Im vergangenen Jahr beauftragte die Biden-Regierung das Gesundheitsministerium, die Einstufung von Marihuana zu überprüfen. Die Behorde empfahl, es in die Liste III zu verschieben – eine Kategorie für Substanzen mit moderatem bis geringem Risiko für korperliche oder psychische Abhängigkeit, wie etwa Steroide.

Die Drogenvollzugsbehorde DEA muss diese Empfehlung prüfen und über die Neuklassifizierung entscheiden. 

WELCHE STEUERLICHEN AUSWIRKUNGEN HÄTTE DAS?

Einer der großten Vorteile einer Neuklassifizierung wäre, dass Cannabis-Unternehmen nicht mehr unter Abschnitt 280E des US-Steuergesetzes fallen würden.

Diese Vorschrift verhindert, dass Unternehmen, die mit Substanzen der Listen I und II handeln, Steuervergünstigungen und Abzüge für Betriebsausgaben geltend machen konnen.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE BRANCHE?

Eine Einstufung in Klasse III konnte den Zugang zu Bankdienstleistungen für Cannabis-Produzenten ermoglichen, institutionelle Investoren anziehen, Steuern senken und Fusionen sowie Übernahmen vorantreiben.

Die Beschaffung von Kapital ist weiterhin eine der großten Herausforderungen für Cannabis-Produzenten, da bundesstaatliche Restriktionen die meisten Banken und institutionellen Investoren vom Sektor fernhalten und Cannabis-Unternehmen so auf teure Kredite oder alternative Geldgeber angewiesen sind.

"Es nimmt das Stigma und die regulatorische Bürokratie weg ... die unsere Forschung komplett behindert haben ... dieses Stigma hat auch verhindert, dass die großen Pharmaunternehmen uns als legitimes Pharmaunternehmen betrachtet haben", sagt Ram Mukunda, CEO von IGC Pharma, das cannabinoidbasierte Behandlungen, unter anderem gegen Alzheimer, entwickelt.

"Es hat auch Investoren, insbesondere institutionelle Investoren, davon abgehalten, uns als legitimes Biotech-Unternehmen zu sehen ... die Neuklassifizierung bringt uns aus diesem Bereich eingeschränkter Forschung in den pharmazeutischen Mainstream", fügte Mukunda hinzu.

Auch im Kongress wird seit einiger Zeit über weitere Schritte diskutiert. Der 2023 eingebrachte Secure and Fair Enforcement Regulation Banking Act (SAFER) würde sicherstellen, dass alle Unternehmen, einschließlich staatlich zugelassener Cannabis-Betriebe, Zugang zu Einlagenkonten, Versicherungen und weiteren Finanzdienstleistungen erhalten.

WIE GEHT ES WEITER?

Entscheidend für den langfristigen Ausblick von Cannabis-Aktien seien Fragen wie die Große des adressierbaren Marktes, die Zahl der Marktteilnehmer, wissenschaftliche Bestätigung, regulatorische Auswirkungen und die Nachhaltigkeit der Gewinne, so Art Hogan, Chefmarktstratege bei B. Riley Wealth.

Hogan sieht die Anordnung als Schritt in Richtung bundesweite Legalisierung und Öffnung des Bankenzugangs sowie als Beitrag zur Klärung einiger dieser Fragen.

Die präsidentielle Anordnung "offnet die Tür für schrittweise Veränderungen, um Bankdienstleistungen und Borsennotierungen zu ermoglichen. Wir sehen die Neuklassifizierung als ersten bedeutenden Dominoeffekt im Rahmen der bundesstaatlichen Cannabis-Reform – mit künftigen Schritten wie einem Memo des Justizministers und moglicher SAFER-Bankenregelung", so Aaron Grey, Analyst bei Alliance Global Partners.