Der Kern-PCE-Index stieg im Januar um 0,4 % gegenüber dem Vormonat und um 3,1 % im Jahresvergleich – beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen. Gleichzeitig wurde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal auf eine annualisierte Rate von 0,7 % nach unten revidiert, nachdem zuvor 1,4 % erwartet worden waren. Das ist eine weitere Erinnerung daran, dass die Konjunktur an Schwung verliert.

Eine mögliche Erklärung für den Anstieg der Futures ist, dass sich die Märkte an Hinweise klammern, wonach das schlimmste Szenario für den Ölpreis zumindest bislang noch nicht vollständig eingetreten ist. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte heute Morgen, die iranische Führung sei geschwächt, es gebe keine klaren Hinweise darauf, dass die Straße von Hormus tatsächlich vermint worden sei, und Washington bleibe grundsätzlich offen für Gespräche.

Die kommende Woche erhöht den Druck zusätzlich. Die Federal Reserve tritt bald zusammen. Dasselbe gilt für die Europäische Zentralbank und die Bank of England. Bleibt der Ölpreis hoch, werden Zinssenkungen schwerer zu rechtfertigen. Schwächt sich gleichzeitig das Wachstum ab, werden die geldpolitischen Entscheidungen noch unangenehmer. Anhaltend hohe Ölpreise würden sowohl die Inflation anheizen als auch das Wachstum belasten – genau jene Kombination, die Zentralbanken am meisten fürchten.

Das erklärt, warum Händler ihre Erwartungen zuletzt deutlich angepasst haben. Noch vor Kurzem rechneten die Märkte mit mehreren Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr. Inzwischen hat sich der Ausblick auf möglicherweise nur eine Senkung verschoben – oder vielleicht gar keine.

Washington reagiert mit einer Mischung aus Maßnahmen: Notfallmaßnahmen zur Sicherung der Versorgung, diplomatischen Signalen der Beruhigung und sogar einer vorübergehenden Lockerung, die es Ländern erlaubt, bereits auf See festsitzendes, sanktioniertes russisches Öl zu kaufen. Gerade dieser letzte Schritt ist aufschlussreich. Wenn eine Regierung beginnt, eine geopolitische Doktrin zu beugen, um die Folgen einer anderen zu reparieren, ist das meist ein Zeichen dafür, dass sich die Ereignisse schneller entwickeln als die Strategie.

Der Iran wiederum scheint genau zu verstehen, wo sein Hebel liegt. Das Land kann mit der militärischen Macht seiner Gegner nicht mithalten. Doch das muss es auch nicht. Es kann wirtschaftlichen Schaden verursachen, Unsicherheit schüren und seine Gegner zwingen, die Kosten einer anhaltenden Störung zu tragen.

Die gestrige Sitzung zeigte, was passiert, wenn die Märkte beginnen, diese Möglichkeit ernst zu nehmen. Die Wall Street fiel deutlich, wobei die großen Indizes mehr als 1,5 % verloren. Der S&P 500, der Dow Jones und der Nasdaq 100 liegen nun allesamt seit Jahresbeginn im Minus. Auch Nebenwerte, die besonders sensibel auf den Zinsausblick reagieren, gerieten ins Straucheln und gaben einen Großteil ihres zuvor aufgebauten Momentums wieder ab. Auch Europa tendiert schwächer. Bloomberg berichtete Anfang der Woche, dass US-Aktienfutures wegen des Ölpreissprungs und der Inflationssorgen gefallen waren; die heutige Erholung wirkt daher weniger wie eine klare Stimmungswende als vielmehr wie eine vorsichtige Gegenbewegung nach schweren Verlusten.

An den Anleihemärkten herrscht ebenfalls Nervosität, was den Dollar stützt. Gold, das theoretisch von Angst profitieren sollte, steht hingegen unter Druck – belastet durch den stärkeren Dollar und die Aussicht auf länger hoch bleibende Zinsen.

Es gibt noch eine weitere Quelle der Sorge, die mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie gewöhnlich erhält: Private Credit. In Boomzeiten wurde Private Credit als eine der klügsten Innovationen der modernen Finanzwelt verkauft – als eine diskretere und effizientere Maschine zur Renditeerzeugung. Nun setzen einige der größten Namen der Branche Rücknahmen aus oder begrenzen sie, während Banken bei der Kreditvergabe an dieses System vorsichtiger werden. So beginnt finanzieller Stress häufig: nicht mit einem spektakulären Kollaps, sondern mit einer Reihe von Türen, die plötzlich schwerer zu öffnen sind.

Auch aus der amerikanischen Unternehmenswelt kommen schlechte Nachrichten. Die Aktie von Adobe brach ein, nachdem bekannt wurde, dass der langjährige CEO zurücktreten wird. Damit kehren Zweifel an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens zurück, während künstliche Intelligenz die Softwarebranche grundlegend verändert. Die Marktreaktion fiel deshalb so heftig aus, weil Anleger zunehmend vermuten, dass KI nicht nur ein weiteres Funktions-Upgrade ist. Sie könnte sich als Abrissbirne für Teile der bisherigen Softwareordnung erweisen.

Die heutigen Konjunkturdaten könnten zusätzliche Details liefern – mehr Klarheit werden sie jedoch kaum bringen. Tatsächlich haben sie bereits beides zugleich geliefert: Die Revision des BIP deutet auf eine schwächere Wirtschaft hin, während der Kern-PCE keine wirkliche Entlastung bei der Inflation brachte, sondern lediglich eine Bestätigung. Das mag für eine kurzfristige Erholung der Futures reichen, aber nicht, um die tieferliegende Spannung über den Märkten zu beseitigen.

Freitag, der 13., mag Pech bringen – oder auch nicht. Die Märkte sind nicht verflucht. Sie sehen sich schlicht erneut mit der Realität konfrontiert, auch wenn sie heute versuchen, kurz darüber hinwegzusehen.

Dax dreht nach Ölpreisrückgang ins Plus – Rüstungswerte und Zalando gefragt

Fast zwei Wochen nach Kriegsausbruch im Iran hat der Dax am Freitag seine frühen Verluste abgeschüttelt und ins Plus gedreht. Für etwas Entlastung sorgte, dass der Preis für ein Fass Brent-Öl zuletzt wieder unter 100 US-Dollar fiel. Vor dem Wochenende blieb die Risikobereitschaft der Anleger dennoch begrenzt, nachdem der Krieg im Iran an den vergangenen beiden Montagen jeweils deutliche Rückschläge ausgelöst hatte. Am Morgen hatte der Dax noch mehr als ein Prozent verloren, am Nachmittag lag er dann 0,6 Prozent höher bei 23.738 Punkten. Auf Wochensicht zeichnet sich damit trotz des schwachen Wochenstarts ein ähnliches Plus ab. Am Montag war der Leitindex mit 22.927 Punkten auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen. Der EuroStoxx 50 gewann am Freitag 0,7 Prozent, während der MDax leicht um 0,1 Prozent auf 29.216 Zähler nachgab.

Besonders stark unter den jüngsten Stagflationssorgen hatten Bankaktien gelitten. Am Freitag drehten die Titel der Deutsche Bank mit dem Gesamtmarkt allerdings ins Plus, die Commerzbank grenzte ihr Minus auf 0,1 Prozent ein. Wieder stärker gefragt waren zudem Rüstungswerte: Rheinmetall legten um vier Prozent zu und setzten damit ihre Erholung vom Jahrestief fort. Auch K+S blieben als möglicher Krisengewinner gesucht und bauten ihre Rally mit einem Plus von vier Prozent aus. Am Markt wird auf steigende Düngerpreise spekuliert, weil im Nahen Osten Kapazitäten wegfallen könnten.

Unter den Dax-Werten hoben sich vor allem Zalando und Qiagen nach Analystenhochstufungen ab. Zalando sprangen um sieben Prozent nach oben und knüpften damit an ihre Vortagsrally an, nachdem Bernstein die Aktie auf „Market-Perform“ angehoben hatte. Das Analysehaus verwies auf ein nun ausgewogeneres Chance-Risiko-Verhältnis, nachdem der Kurs im vergangenen Jahr deutlich gefallen und auch die Gewinnerwartungen realistischer geworden seien. Qiagen gewannen drei Prozent, nachdem Deutsche Bank Research den Diagnostikspezialisten nach dem jüngsten Kursrutsch zum Kauf empfohlen hatte. Dagegen sackten 1&1 um 7,4 Prozent ab und belasteten auch United Internet. Auslöser war ein Bericht, wonach Telefonica eine mögliche Übernahme von 1&1 wegen der Probleme beim Netzausbau in Deutschland vorerst auf Eis gelegt habe. Für Aufsehen sorgten auch BE Semiconductor Industries (BESI) in Amsterdam: Die Aktien des Chipausrüsters schossen um bis zu 14,4 Prozent hoch, nachdem Insider über Interesse von US-Konkurrenten wie Lam Research und Applied Materials berichtet hatten.