Wien, 02. Mrz (Reuters) - Verbund-Chef Michael Strugl sieht in einer massiven Ausweitung der heimischen Stromerzeugung den zentralen Hebel für dauerhaft niedrigere Preise.
"Wenn wir das Angebot erhöhen, wenn mehr Angebot im Markt ist, dann dämpft das die Preise", sagte der Chef von Österreichs größtem und mehrheitlich staatlichem Energiekonzern am Montagabend in Wien. Bei einer Veranstaltung des Branchenverbands Oesterreichs Energie verwies Strugl auf die USA: Dort sorge ein riesiges Angebot an heimischem Gas für niedrige Energiekosten. "Das müssen wir mit Strom auch machen", forderte der Manager. Europa müsse diesen Mengeneffekt durch die eigene Produktion aus Wasser, Wind und Sonne erreichen.
Als Beleg für diesen Mechanismus nannte Strugl das Jahr 2024, in dem eine hohe Erzeugung aus Wasserkraft in Österreich zeitweise zu Großhandelspreisen unter dem deutschen Niveau geführt habe. Das Grundproblem bleibe jedoch die Volatilität: Obwohl erneuerbare Energien bilanziell einen Großteil des Bedarfs deckten, sei dies tatsächlich nur in rund einem Fünftel der 8760 Jahresstunden der Fall. In den übrigen Zeiten bestimmten teurere Kraftwerke den Marktpreis. Ziel müsse es sein, dass günstige erneuerbare Energien fossile Erzeuger in der sogenannten Merit-Order zunehmend verdrängen.
Dieses umstrittene Preissystem an den Strombörsen verteidigte Strugl zugleich gegen politische Kritik. "Wenn eine Mangellage hohe Preise bringt, dann heißt das nicht, dass ein Markt versagt", betonte er. Das Preissignal zeige lediglich die Knappheit an. Das Thema bleibt jedoch auf der politischen Agenda: Auf Drängen Österreichs will die EU-Kommission beim Gipfel im März erneut Optionen für die Marktgestaltung vorlegen, wie Karina Knaus von der EU-Agentur ACER sagte.
Neben dem Preisargument warnte der Verbund-Chef eindringlich vor der hohen Importabhängigkeit. "Wir sind heute (...) zu großen Teilen noch immer abhängig von Energieimporten, die zum großen Teil aus Drittländern kommen", sagte Strugl mit Blick auf Erdgas und Öl. Angesichts geopolitischer Schocks, die außerhalb der eigenen Einflusssphäre lägen, sei der Ausbau der heimischen Erzeugung die einzige Antwort, um die Resilienz des Standorts zu sichern. Dafür brauche es aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen wie gut ausgebaute Netze und Speicher.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















