Ulta Beauty dominiert seinen Heimatmarkt mit einer Positionierung zwischen erschwinglicher Massenkosmetik und Prestigeprodukten. Doch noch vor wenigen Monaten stand die Aktie massiv unter Druck: Sorgen über mögliche Zollbelastungen ließen Anleger zu Unternehmen mit klareren Perspektiven greifen, die Beendigung der Partnerschaft mit Tesco wurde als Schwächung der Reichweite gedeutet, und die Konkurrenz verschärfte sich. So hat etwa Walmart sein Beauty-Sortiment deutlich ausgebaut und allein im letzten Quartal mehr als 60 neue Marken ins Angebot aufgenommen.
Seit dem Tief im April hat sich das Blatt jedoch gewendet – die Aktie legte seither um 65 % zu. Dafür sprechen mehrere Gründe:
Erstens ist Ulta Beauty nur minimal von US-Zöllen betroffen, da das Unternehmen den Großteil seiner Waren über inländische Großhändler, Distributoren oder Produzenten bezieht. Der direkte Importanteil liegt bei unter 1 %, womit dieses Risiko faktisch vernachlässigbar ist.
Zweitens treibt Ulta Beauty die geografische Expansion voran. Mit der Übernahme des britischen Kosmetikhändlers Space NK, der mit rund 80 Geschäften und einem starken Online-Auftritt 200 Mio. Pfund Umsatz erwirtschaftete, erschließt sich der Konzern den Markt in Großbritannien und Irland. Darüber hinaus erfolgt ein Markteintritt in Mexiko, und noch im laufenden Jahr soll eine Expansion in den Nahen Osten folgen.
Drittens stärkt der Konzern seine Angebotsbreite. Die Zahl der Produkteinführungen steigt, und die Promotionsstrategie wurde gestrafft – Parfüm und Prestigeprodukte, die die Hauptwachstumstreiber bleiben, sind von Rabattaktionen ausgenommen.
Viertens gilt die Kosmetikbranche als widerstandsfähig in konjunkturell schwächeren Zeiten. Das bekannte „Lippenstift-Phänomen“ beschreibt, dass Konsumenten in Krisen eher kleine Luxusgüter wie hochwertige Kosmetik kaufen, statt in teure Lederwaren oder Mode zu investieren. Angesichts anhaltender Sorgen über Kaufkraft, Arbeitsmarkt und geopolitische Spannungen spielt dieser Effekt Ulta in die Karten.
Auch die Zahlen des zweiten Quartals, die letzte Woche veröffentlicht wurden, lieferten Rückenwind: Ulta Beauty übertraf die Erwartungen und hob seine Jahresprognose an – wenn auch mit vorsichtigem Ausblick für das zweite Halbjahr. Die Aktie verlor am Folgetag 7 %, doch die Bewertung liegt nun wieder auf „normalem“ Niveau bei etwa dem 20-Fachen des erwarteten Gewinns, in Linie mit dem Fünfjahresdurchschnitt.
Alles in allem ist Ulta Beauty heute besser gerüstet als noch im Frühjahr – und scheint die richtigen Schlüssel in der Hand zu halten, um den Motor wieder anzuwerfen.


















