Smith betrachtet das Börsenjahr 2025 nicht als Ausnahme, sondern als vorläufigen Höhepunkt einer extremen Marktverengung. Die globale Aktienperformance wurde von einer äußerst kleinen Gruppe hochkapitalisierter Technologiewerte dominiert – allen voran Unternehmen mit Bezug zur Künstlichen Intelligenz. Laut Smith hat diese Konzentration historische Ausmaße erreicht, die mit den USA der 1930er-Jahre vergleichbar seien. In einem derart verzerrten Umfeld sei es nahezu unmöglich für ein breit diversifiziertes Portfolio, das auf Qualität und Bewertung setzt, mit einem Index mitzuhalten, der zunehmend einem einseitigen Sektorwetten-Portfolio gleiche. Für 2026 sieht Smith keine Anzeichen für eine baldige Normalisierung – im Gegenteil: Die Dynamik werde durch Kapitalflüsse in passive Vehikel weiter angefacht.

Passives Investieren: Ein Momentum-Mechanismus
Im Zentrum seiner Analyse steht der Siegeszug der Indexfonds. Mittlerweile entfalle mehr als die Hälfte des US-Aktienkapitals auf passive Strategien – ein Umstand, der die Marktmechanik grundlegend verändert habe. Weit davon entfernt, neutral zu agieren, wirkten diese Fonds wie ein automatisierter Momentum-Treiber: Sie verstärkten systematisch die Performance ohnehin bereits dominanter Titel – ungeachtet von deren Bewertung oder Qualität künftiger Cashflows. Smith unterstreicht einen entscheidenden Punkt für die kommenden Jahre: Solange diese Zuflüsse anhalten, könne sich die Outperformance der Indexschwergewichte weit über jedes fundamentale Maß hinaus fortsetzen. Wann sich dieser Mechanismus umkehren werde, sei aus seiner Sicht völlig unklar – sicher sei lediglich, dass er, wie alle Phasen extremer Kapitalfehlallokation, kein gutes Ende nehmen werde.

Skepsis gegenüber der Kapitaldisziplin im KI-Rausch
Terry Smith trennt in seiner Bewertung der Künstlichen Intelligenz bewusst zwischen technologischem Fortschritt und Börsenbegeisterung. Weder die Bedeutung der Technologie noch deren gesellschaftliches Potenzial werden von ihm bestritten. Kritisch sieht er jedoch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der gewaltigen Investitionen, die von den großen Plattformkonzernen – den „Hyperscalern“ – in diesem Bereich getätigt werden. Die massiv steigenden Investitionsausgaben in den Jahren 2025 und 2026 sieht Smith als Lackmustest für die Kapitaldisziplin. Der spürbare Rückgang der Free-Cashflow-Generierung bei mehreren Tech-Giganten werde bislang noch von steigenden Aktienkursen verdeckt, drohe aber in Zukunft zum Problem zu werden. Apple, das sich bewusst gegen den Aufbau eigener KI-Infrastruktur stellt, dient ihm als Beleg für seine Überzeugung, dass nachhaltige Wertschöpfung nicht zwangsläufig mit kapitalintensiven Großinvestitionen einhergeht.
Fundamentale Stärke, aber schwache Bewertung
Für 2026 rechnet Smith mit einer Fortsetzung der Bewertungsdifferenzen. Der Fundsmith-Fonds befinde sich dabei in einer paradoxen Lage: ein Portfolio mit überdurchschnittlichen Kapitalrenditen, Margen und Cashflow-Wachstum – aber bewertet mit einem Bewertungsmultiple, das mittlerweile unter dem amerikanischen Marktdurchschnitt liegt. Diese Entkopplung von wirtschaftlicher Qualität und Börsenbewertung bezeichnet er als Anomalie, die sich letztlich wieder einpendeln werde – auch wenn sich der zeitliche Verlauf kaum prognostizieren lasse. Smith bleibt überzeugt: Langfristig spiegeln Aktienkurse die Fundamentaldaten wider – und nicht umgekehrt.
Strategischer Kurs: Treue zur Methode
Angesichts dieser Kräfte bleibt Smiths strategische Antwort beinahe provokant konstant. Eine Anpassung seines Prozesses – etwa durch Orientierung an Momentum-Strategien oder Indexnachbildungen – lehnt er ausdrücklich ab. Vielmehr bekräftigt er die drei Grundprinzipien seiner Anlagestrategie: Qualitätsunternehmen kaufen, keine überhöhten Preise zahlen – und vor allem: nichts Unnötiges tun. Diese Disziplin schließt jedoch keine kritische Reflexion aus: Insbesondere die Rolle des Managements rückt stärker in den Fokus, nicht zuletzt durch die enttäuschende Entwicklung bei Novo Nordisk (Beitrag von -3 % zur Fondsperformance). Künftig will Smith höhere Anforderungen an die operative Umsetzungskraft von Führungsteams stellen – auch wenn dies bedeutet, sich im Zweifel schneller von einem Investment zu trennen.
Geduld in einer verzerrten Welt
Zwischen den Zeilen zeichnet Terry Smith das Bild eines Investors, der den aktuellen Markt für tiefgreifend aus dem Gleichgewicht geraten hält – und dennoch beharrlich bleibt. Er rechnet weder mit einem baldigen Crash noch mit einer raschen Rückkehr zur Normalität. Vielmehr erwartet er eine Fortsetzung des aktuellen Regimes, das von Indexinvestments und KI-Narrativen getragen wird. Seine zentrale Überzeugung bleibt: Diese Phase – so lang und spektakulär sie auch dauern mag – wird für jene Anleger böse enden, die technologische Innovation mit nachhaltiger Wertschöpfung gleichsetzen. Wer hingegen fundamentaler Disziplin treu bleibt, auch wenn sie kurzfristig bestraft wird, wird am Ende belohnt – sobald sich der Zyklus dreht.



















