Technip könnte zu den großen Gewinnern zählen, sollte sich die Lage wieder normalisieren – also die Angriffe und Zerstörungen auf beiden Seiten enden.

In diesem Fall dürfte eine Welle von Wiederaufbauprojekten einsetzen. Die besondere Expertise des Konzerns im Bereich LNG-Infrastruktur wäre dann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, zusätzlich gestützt durch die vergleichsweise geschickte geopolitische Positionierung Frankreichs im Nahen Osten seit der Eskalation des Konflikts.

Doch das umgekehrte Szenario ist ebenso plausibel. Sollten sich iranische Angriffe auf Energieinfrastruktur in den Emiraten intensivieren, droht kein Nachfrageboom, sondern ein Einfrieren neuer Aufträge – mit entsprechend negativen Folgen für die Liquidität des Konzerns.

Bemerkenswert ist, dass Technip Energies – einst ein Favorit von MarketScreener, als die Bewertung noch im einstelligen Gewinnmultiple lag – bislang vergleichsweise robust durch schwierige Marktphasen navigiert ist.

Historisch stark in Russland engagiert, musste das Unternehmen nach dem Angriff auf die Ukraine und der internationalen Isolation des Regimes um Wladimir Putin einen erheblichen Einschnitt verkraften. Der strategische Schwenk in Richtung Katar und Naher Osten gelang jedoch bemerkenswert gut. Umso ironischer erscheint es, dass die Geopolitik das Unternehmen nun erneut einholt.

Der Markt scheint sich derzeit noch auf die Seite der Optimisten zu schlagen. Bereits der erfolgreiche strategische Pivot wurde großzügig honoriert, was sich in der Marktkapitalisierung widerspiegelt: Das Gewinnmultiple hat sich zwischen 2022 und 2025 nahezu verdoppelt.

Auffällig ist jedoch, dass das operative Ergebnis im gleichen Zeitraum rückläufig war. Der Anstieg des Vorsteuergewinns ist vielmehr auf das gestiegene Zinsniveau zurückzuführen – und damit auf die Verzinsung der umfangreichen Liquiditätsbestände des Unternehmens, von denen ein erheblicher Teil in laufenden Projekten gebunden ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Situation mehr denn je als Wette mit offenem Ausgang – ein klassisches Alles-oder-nichts-Szenario für den französischen Konzern.