Pinterest, eine Plattform für visuelle Suche und Inspiration, erlaubt es Nutzerinnen und Nutzern, Ideen in Form von Bildern und Videos zu entdecken, zu speichern und zu organisieren. Seit dem Börsengang im Jahr 2019 ist das Unternehmen stark gewachsen: Der Umsatz hat sich innerhalb von sieben Jahren fast verfünffacht, im vergangenen Jahr wurde ein Gewinn erzielt. Auf den ersten Blick schien also alles in Ordnung.

Doch inzwischen wächst die Konkurrenz. Die großen Player im Onlinewerbegeschäft – allen voran Meta, Amazon, Alphabet, TikTok und Reddit – gewinnen weiter an Marktanteilen. Pinterest kann mit deren Wachstumstempo kaum Schritt halten. Gleichzeitig reduzieren viele Unternehmen angesichts steigender Kosten und Zollbelastungen ihre Werbebudgets. Investitionen fließen bevorzugt zu den Plattformen mit der größten Reichweite und den leistungsfähigsten KI-Tools. Pinterest bleibt dabei ein Nischenanbieter mit gerade einmal rund 1 % Marktanteil am US-Digitalwerbemarkt. Die Werbekundenbasis ist begrenzt; zudem hemmt die starke Abhängigkeit von chinesischen und US-amerikanischen Marken aus dem Bereich Inneneinrichtung das internationale Wachstum. Besonders problematisch: Große chinesische Einzelhändler wie Temu und Shein verlieren ihre sogenannte „de minimis“-Ausnahme, die bislang Zollfreiheit bei Kleinsendungen gewährte.

Zwar konnte Pinterest im dritten Quartal den Umsatz um 17 % auf 1,05 Milliarden US-Dollar steigern – ein weiterhin solides Wachstum, das auch in den kommenden Quartalen im zweistelligen Bereich bleiben dürfte. Auch die Zahl der monatlich aktiven Nutzer steigt weiter und übertraf zuletzt die Marke von 600 Millionen. Doch Analysten bezweifeln zunehmend, dass neue Nutzer sich ebenso gut monetarisieren lassen wie bestehende. Insbesondere der wachsende Anteil KI-generierter Inhalte und die zunehmende Relevanz großer Sprachmodelle könnten das Nutzerengagement negativ beeinflussen. Anders als Meta gelingt es Pinterest bislang nicht, durch KI die Werbepreise signifikant zu verbessern.

Ein geplanter Sprachassistent könnte künftig für Differenzierung sorgen – möglicherweise als Alternative zu OpenAI. Doch dieses Projekt erfordert hohe Investitionen und dürfte sich erst mittel- bis langfristig auszahlen. Kurzfristig bleibt die Bewertung der Aktie ambitioniert. Der Kurssturz vom Dienstag zeigt, dass der Markt auf diesem Niveau keine Enttäuschung verzeiht.