Wer über Windkraft spricht, kommt an Nordex kaum vorbei. Das 1985 in Dänemark gegründete Unternehmen zählte von Beginn an zu den Pionieren der Branche: Schon zwei Jahre nach dem Start installierte Nordex die damals größte Serien-Windkraftanlage der Welt. Heute hat die Gesellschaft ihren Sitz in Deutschland, weist über den Acciona-Konzern, der 47 % des Kapitals hält, aber auch spanische Wurzeln auf.
Nordex hat sich inzwischen als Hersteller von globalem Format etabliert. Bei den jüngsten Modellen beherrscht das Unternehmen den Großteil der Wertschöpfungskette selbst: Rotoren, Naben, Rotorblätter und Gondeln werden in Eigenregie gefertigt, zudem entwickelt Nordex eigene Softwarelösungen. Ausgelagert wird dagegen in der Regel die Produktion von Türmen, Getrieben und Generatoren an Spezialisten wie Flender, Eickhoff oder ZF Wind Power.
Rund 89 % des Umsatzes entfallen auf den Verkauf von Anlagen, der Rest stammt aus Wartungsdienstleistungen. Die geografische Verankerung bleibt stark von den Ursprüngen geprägt: Nahezu 80 % der Erlöse werden auf dem alten Kontinent erzielt.
Eine deutliche Neubewertung
In den vergangenen Monaten legte die Nordex-Aktie kräftig zu, getragen von soliden Ergebnissen und einer bemerkenswerten Umsetzungskraft, die Anleger überzeugte. Zwischen Februar 2025 und April 2026 hat sich der Kurs mehr als vervierfacht.
Ein spektakulärer Anstieg, der jedoch keineswegs künstlich wirkt. Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2022 sind Umsatz und operatives Ergebnis stark gestiegen und erreichten 2025 Höchststände. Ein Zeichen dieser Erholung: Die operative Marge, 2023 noch negativ, liegt inzwischen bei 7,3 %. Diese Entwicklung spiegelt ein straffes Management wider, getragen von einer gelungenen operativen und strukturellen Transformation.
Zu diesen internen Faktoren kommt ein wieder günstigeres Marktumfeld für grüne Energien hinzu. Die Schwächephase nach Covid ist verdaut, und die unter Trump gestrichenen Projekte sind eingepreist. Der sprunghaft gestiegene Energiebedarf durch Rechenzentren und die Anforderungen an mehr Souveränität haben Alternativen zu fossilen Energieträgern wieder in den Vordergrund gerückt.
Ein robustes erstes Quartal
Die Ergebnisse des ersten Quartals bestätigten den Trend. Das EBITDA lag 15 % über den Erwartungen, der Auftragsbestand erreichte 17 Mrd. Euro und damit 11 % mehr als ein Jahr zuvor. Auch der Umsatz legte um 11 % zu. Bei der Rentabilität, früher der Schwachpunkt der Zahlen, verbesserte sich die EBITDA-Marge binnen Jahresfrist um 270 Basispunkte. Die Dynamik scheint nicht nachzulassen.
Das Management beschreibt das Marktumfeld als günstig, und die Geschäfte scheinen von der Krise im Nahen Osten bislang nicht betroffen zu sein. Die Analysten von Jefferies zeigen sich mit Blick auf 2026 zuversichtlich: „Die Diversifizierung der Bezugsquellen dürfte den Schock abfedern, und ein möglicher inflationärer Effekt dürfte für 2027 relevanter sein als für 2026.“
Welche Hebel bleiben?
Dennoch ist das Kurspotenzial der Aktie begrenzter als früher. Dabei geht es nicht darum, die finanzielle Gesundheit des Unternehmens infrage zu stellen. Vielmehr hat der Markt einen großen Teil der Wachstumskatalysatoren bereits eingepreist. Die Unternehmensführung schlug in der Analystenkonferenz einen vorsichtigen Ton an, was recht nachvollziehbare Gewinnmitnahmen auslöste.
Inzwischen hat die Restrukturierung Früchte getragen, und der Großteil der Erholung ist geschafft. Entsprechend werden die internen Wachstumshebel knapper. Die strategische Herausforderung verschiebt sich: Im Vordergrund steht nicht mehr die Wiederherstellung der Rentabilität, sondern die Steigerung des Absatzvolumens.
Nordex wird für 2026 mit einem KGV von 23,8 gehandelt und liegt damit nahe bei vergleichbaren Unternehmen wie dem dänischen Wettbewerber Vestas mit 23,2 und der indischen Inox Wind mit 25,8. Die Börsengeschichte hängt nun stärker von externen Faktoren ab als von internen Dynamiken, nachdem die Rationalisierung Wirkung gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist Nordex Teil des strukturellen Trends rund um Energie – und das ist derzeit nicht gerade eines der schwächsten Themen.



















