Die gestrige Nintendo-Direct-Präsentation hat die Erwartungen vieler Anleger gedämpft. Zwar liegen die Verkaufszahlen der neuen Switch 2 auf einem hohen Niveau, doch sie blieben hinter den Hoffnungen des Marktes zurück. Gleichzeitig belasten steigende Speicherpreise die Margen, während das angekündigte Spieleangebot weniger umfangreich ausfällt als von vielen Investoren erwartet.
In den vergangenen Jahren hatte sich rund um Nintendo eine optimistische Investmentthese entwickelt. Der Konzern verfügt über eine außergewöhnlich solide Bilanz mit rund 15 Mrd. US-Dollar überschüssiger Liquidität, ein einzigartiges Portfolio an geistigem Eigentum und wird mit einem Unternehmenswert von rund 40 Mrd. US-Dollar bewertet. In den vergangenen fünf Geschäftsjahren erwirtschaftete Nintendo durchschnittlich rund 3 Mrd. US-Dollar Gewinn pro Jahr.
Diese Durchschnittswerte werden allerdings durch das Übergangsjahr 2025 belastet, als die erste Generation der Switch schrittweise auslief und der Markt auf die Nachfolgerin wartete. Doch selbst unter Berücksichtigung dieses Sondereffekts bleibt ein Problem bestehen: Inflationsbereinigt hat Nintendo in den vergangenen fünf Jahren praktisch kein Wachstum erzielt, während die Gewinne sogar zurückgegangen sind.
Die Switch bleibt der zentrale Wachstumstreiber
Der überwiegende Teil der Umsätze stammt weiterhin aus dem Switch-Ökosystem und den dazugehörigen Spielen. Der Start der ersten Switch war zweifellos ein großer Erfolg. Er beendete eine lange Phase rückläufiger Umsätze und ließ den Konzernumsatz bis 2021 auf rund 16 Mrd. US-Dollar steigen.
Doch letztlich holte der klassische Konsolenzyklus Nintendo wieder ein. Ausgerechnet ein Unternehmen, das sich mit seiner Plattformstrategie unabhängiger von diesen Zyklen machen wollte, steht nun unter Druck, den Erfolg der ersten Switch mit der Switch 2 zu wiederholen – oder sogar zu übertreffen.
Die Dimensionen sind erheblich: Zwischen 2017 und 2021 verdreifachte sich der Umsatz dank der ersten Switch nahezu. Zwischen 2021 und 2025 halbierte er sich dagegen wieder. Für Nintendo können sich die wirtschaftlichen Perspektiven innerhalb weniger Jahre drastisch verändern – trotz starker Marken wie Zelda, Super Mario oder Pokémon.
Neue Konkurrenz verändert die Branche
Hinzu kommt ein weiterer struktureller Trend. Mobile Games gewinnen weiter an Bedeutung, während unabhängige Entwicklerstudios mit vergleichsweise kleinen Teams regelmäßig Überraschungserfolge landen. Diese Titel übertreffen nicht selten etablierte Blockbuster-Franchises, deren Entwicklungskosten inzwischen häufig in die Dutzende oder sogar Hunderte Mio. US-Dollar gehen.
In einer Spieleindustrie, die durch digitale Vertriebswege und künftig auch durch künstliche Intelligenz immer offener und wettbewerbsintensiver wird, verändert sich die Wahrnehmung von Nintendos traditionellem Geschäftsmodell. Die stark abgeschottete Welt exklusiver Marken und Plattformen galt lange als nahezu uneinnehmbare Festung. Heute sehen viele Investoren darin zunehmend eine Festung, die von allen Seiten unter Druck gerät.
Die Zukunft der Aktie hängt daher mehr denn je vom Erfolg der Switch 2 ab. Gelingt es Nintendo, den Konsolenzyklus erneut zu seinen Gunsten zu nutzen, könnte der Konzern an frühere Wachstumsphasen anknüpfen. Bleibt die Dynamik hinter den hohen Erwartungen zurück, dürfte die Diskussion über die strukturellen Grenzen des Geschäftsmodells weiter an Bedeutung gewinnen.



















