Wien, 04. Feb (Reuters) - Der österreichische Energiekonzern OMV stellt sich wegen der sinkenden Rohstoffpreise und geopolitischer Risiken auf ein schwieriges Jahr ein.
Das Jahr 2026 stehe "unter Druck", sagte Finanzvorstand Reinhard Florey am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresergebnisses. Sowohl beim Öl als auch beim Gas würden sinkende Preise prognostiziert, und das werde die Profitabilität belasten. Konkrete Prognosen für die Gewinnentwicklung innerhalb eines Jahres nennt das OMV-Management traditionell nicht. Mittelfristig will der Konzern den operativen Gewinn und den Cashflow kräftig steigern.
Die OMV rechnet 2026 mit einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von rund 65 Dollar je Barrel, nachdem dieser 2025 noch bei 69 Dollar gelegen hatte. Beim Gaspreis geht das Management von einem realisierten Durchschnittspreis von unter 30 Euro je Megawattstunde (MWh) aus, nach 30 Euro im Vorjahr. Den Referenzpreis am Handelsplatz Trading Hub Europe (THE) erwartet die OMV bei über 30 Euro gesehen (2025: 37 Euro). Ein Lichtblick ist der Cashflow: Dieser werde durch die geplante Fusion der Petrochemiefirmen Borealis und Borouge gestützt, erläuterte der Finanzchef. Die neue Gesellschaft solle eine Mindestdividende ausschütten, von der rund eine Milliarde Dollar an die OMV fließe.
Konzernchef Alfred Stern bezeichnete die Gründung der neuen Borouge Group International - einem künftig zu gleichen Teilen von OMV und Adnoc gehaltenen Polyolefinriesen - als wichtigste Entscheidung des vergangenen Jahres. Zwar gebe es weltweit große Kapazitäten, mittel- und langfristig sehe man aber hohes Wachstumspotenzial. Die Konsolidierung zu einem globalen Marktführer sei daher ein besonders wichtiger Schritt.
Die Fusion basiert auf einer Einigung mit dem arabischen Kernaktionär Adnoc aus dem Vorjahr über die Gründung eines neuen Konzerns mit einem Unternehmenswert von rund 60 Milliarden Dollar. Der Deal führt die Töchter Borealis und Borouge unter einem Dach zusammen und wird durch den Zukauf von Nova Chemicals ergänzt. Um eine gleichberechtigte Beteiligung zu ermöglichen, steuert OMV 1,6 Milliarden Euro an Eigenkapital bei. Der neue Konzern soll seinen Sitz in Österreich haben, die Erstnotiz ist in Abu Dhabi geplant, ein Zweitlisting in Wien bis Ende 2027.
Die Umsetzung des Zusammenschlusses liege im Plan, sagte OMV-Vorstand Martijn Arjen van Koten. Mit dem für das erste Quartal 2026 avisierten Abschluss der Transaktion solle auch das Vorstandsteam stehen. Adnoc werde den Vorsitz stellen, die OMV den Vizevorsitz.
GEWINNRÜCKGANG UND DIVIDENDENKÜRZUNG
Im abgelaufenen Geschäftsjahr bekam die OMV niedrigere Ölpreise und das Fehlen von Sondereffekten zu spüren. Das operative Ergebnis sank 2025 um zehn Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Die Aktionäre müssen sich auf eine geringere Ausschüttung einstellen: Die Dividende sinkt auf 4,40 Euro je Aktie von 4,75 Euro im Vorjahr. Im vierten Quartal verfehlte die OMV operativ die Erwartungen leicht, übertraf sie beim Nettogewinn jedoch. Der OMV-Chef zeigte sich zufrieden: "Wir haben erneut bewiesen, wie robust unser integriertes Geschäftsmodell ist", so der Manager. An der Wiener Börse legten die OMV-Aktien drei Prozent auf 51,8 Euro zu.
Im Bereich Energy brach das Ergebnis um 29 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro ein. Hier machte sich vor allem ein positiver Einmaleffekt aus einem Schiedsverfahren gegen Gazprom im Jahr davor bemerkbar, der das Vorjahresergebnis gestützt hatte. Dagegen legte die Sparte Fuels (Kraftstoffe) um 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Im Chemiegeschäft sprang das Ergebnis dank besserer Margen sogar um 71 Prozent auf 784 Millionen Euro.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




















