Lange Zeit wurde die Bewertung des globalen Streaming-Pioniers nahezu ausschließlich durch das Wachstum seiner Abonnentenzahlen bestimmt. In den Jahren 2021 und 2022 stagnierte diese Zahl über vier Quartale hinweg bei 221 bis 223 Millionen – eine Zäsur nach vielen Jahren ungebremster Expansion. Die Folge: Der Börsenwert von Netflix brach innerhalb weniger Wochen um 75 % ein.
Seit diesem Tiefpunkt hat sich der Aktienkurs versechsfacht. Zunächst getragen von einer Wiederaufnahme des Wachstums – die Abonnentenzahl überschritt Anfang dieses Jahres die Marke von 300 Millionen –, später auch durch klare Signale an die Investoren zur Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Ausdruck dessen ist ein Free Cashflow von insgesamt sieben Milliarden US-Dollar in den Jahren 2023 und 2024.
Ein möglicher Kritikpunkt aus Sicht von MarketScreener betrifft die Kapitalallokation: Der gesamte freie Cashflow fließt derzeit in Aktienrückkäufe, obwohl die Bewertung des Unternehmens wieder auf einem hohen Niveau liegt. Ob diese Strategie langfristig aufgeht, bleibt abzuwarten.
Der Absturz im Jahr 2021 stellte sich im Nachhinein als idealer Einstiegszeitpunkt für Investoren heraus, die an eine der spektakulärsten Erfolgsstories des letzten Jahrzehnts geglaubt haben. Eine Einschätzung, die im Rückblick leicht fällt – selbst der erfahrene Investor Bill Ackman lag falsch und stieß seine Beteiligung genau am Tiefpunkt ab.
Mittlerweile beläuft sich die Marktkapitalisierung von Netflix auf 550 Milliarden US-Dollar – ein drastischer Kontrast zum Pessimismus vor vier Jahren. Diese Bewertung spiegelt eine fast euphorische Markterwartung wider. Analysten rechnen damit, dass der Free Cashflow bis in drei Jahren auf 14 Milliarden US-Dollar anwächst – das entspräche einem Bewertungsmultiplikator von knapp dem 40-Fachen dieses zukünftigen Gewinns.
Die Ergebnisse für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, die gestern veröffentlicht wurden, lieferten weiteres Futter für die Optimisten: Sie fielen auf ganzer Linie überzeugend aus. Bemerkenswert ist dabei, dass Netflix – offenbar aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernend – keine Angaben mehr zur Zahl seiner Abonnenten macht.
Siehe auch Netflix: Was für ein Blockbuster-Jahr und Netflix: Message angekommen.



















