Die Saga um die Strafzölle nahm gestern eine neue Wendung: Das Weiße Haus veröffentlichte eine neue Liste mit Aufschlägen für Länder, die sich während der laufenden Verhandlungen als unkooperativ erwiesen haben. Die USA hatten für den 9. Juli eine Entscheidung angekündigt, mit einer klaren Entweder-oder-Strategie: Wer mit ausreichender Bereitschaft verhandelt, bekommt Vorzugszölle. Wer sich nur zum Schein beteiligt, zahlt Strafzölle. Da die Gespräche nicht schnell genug vorankamen, zog Washington seinen altbekannten Plan B: Die Ankündigung von Zöllen – mit Aufschub bis zum 1. August. Die Botschaft ist eindeutig: Es bleiben etwa drei Wochen, um eine Einigung zu erzielen.

Andernfalls? Ein Aufschlag von 25% auf Importe in die USA aus Japan, Südkorea, Malaysia, Tunesien und Kasachstan. 30% auf Exporte aus Südafrika und 36% aus Thailand und Kambodscha. Oder gar 40% auf Waren aus Laos und Myanmar. Insgesamt sind 14 Länder betroffen, mit Zollsätzen, die den am 2. April angekündigten sehr ähnlich sind. Die EU, die sich weiterhin in Verhandlungen befindet, blieb vorerst vom Zollhammer verschont. Vielleicht hat Brüssel guten Willen gezeigt? Oder haben sich die Europäer durch NATO-Zusagen etwas Zeit verschafft? Jedenfalls hält Politico es für möglich, dass die EU einen globalen Zuschlag von 10% dauerhaft machen könnte – mit Ausnahmen für bestimmte Branchen.

Bislang wurden nur zwei Abkommen unterzeichnet (mit dem Vereinigten Königreich und Vietnam), ein drittes (mit China) ist weitgehend umrissen. Sollte in den nächsten 48 Stunden kein Wunder geschehen, ist das Ziel von Peter Navarro – 90 Abkommen in 90 Tagen – ernsthaft in Gefahr.

Donald Trumps Ankündigungen, die gestern Nachmittag während der laufenden US-Handelssitzung gemacht wurden, fanden an der Wall Street wenig Anklang. Der S&P 500 und der Nasdaq 100 fielen um jeweils 0,8%, der Dow Jones verlor 0,9%. Die US-Börsen hatten zuletzt kaum Gründe zum Fallen gefunden – vielleicht war die Aussicht auf neue Zölle nun ein solcher. Wenige Stunden zuvor hatte Europa uneinheitlich geschlossen: Finanz-, Verteidigungs- und technologieorientierte Indizes wie der deutsche DAX, der italienische MIB und der französische CAC40 legten zu, während andere leicht nachgaben.

Trotz des Rückgangs bei Aktien geriet der US-Finanzmarkt nicht in Panik. Die Anleiherenditen zogen nur leicht an. Um die Gemütslage des Marktes zu verstehen, muss man weiterhin zwischen relativen und absoluten Maßstäben unterscheiden: Die verhandelten Zölle dürften unter den im April von Trump skizzierten liegen – relativ gesehen eine gute Nachricht. Absolut gesehen dürfte der Welthandel morgen jedoch stärker besteuert werden als heute. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass Preise davon unberührt bleiben.

Kurzfristig keimt heute Morgen dennoch leichter Optimismus in der Asien-Pazifik-Region. Warum? Weil Anleger darauf hoffen, dass sich die Geschichte wiederholt und es doch noch zu Einigungen kommt. Der japanische Nikkei steigt um 0,3%, Südkorea legt sogar um 1,8% zu. Vertreter beider Länder haben signalisiert, die Gespräche mit Blick auf eine Einigung bis zum 1. August fortsetzen zu wollen. In Hongkong geht es um 0,6% nach oben. Indien zeigt sich stabil, Australien gibt nach – nach einer geldpolitischen Überraschung. Die RBA beließ ihren Leitzins unverändert bei 3,85%, obwohl der Markt mit einer Senkung auf 3,60% gerechnet hatte. Die Entscheidung fiel mit 6 zu 3 Stimmen und verdeutlicht die nach wie vor bestehenden Inflationssorgen im Kontext des Handelskonflikts. Sie zeigt auch, dass es selbst unter Zentralbankern noch Raum für Unerwartetes gibt. Wie so oft stieg der australische Dollar daraufhin an.

Heute stehen nur wenige makroökonomische Daten auf dem Kalender, doch die Geopolitik bleibt in Bewegung. Donald Trump empfing Benjamin Netanjahu in Washington. Gleichzeitig versprach der US-Präsident neue Defensivwaffen für die Ukraine – nach ergebnislosen Gesprächen mit Wladimir Putin. Der französische Präsident Emmanuel Macron wird unterdessen drei Tage im Vereinigten Königreich verbringen, um die Beziehungen zwischen Paris und London zu vertiefen. In China prüft Peking eine Verdopplung der Quoten des Programms, das lokalen Investoren den Zugang zu ausländischen Anleihen über Hongkong ermöglicht – und erwägt zudem eine Öffnung für nicht-bankliche Finanzinstitute. Diese Maßnahme würde die Finanzströme über chinesische Märkte stärken – im Sinne der langfristigen Entwicklungsstrategie des Landes.

Die führenden Indikatoren für Europa sind leicht negativ: Trotz der starken Entwicklung an den asiatischen Börsen gibt es noch eine Lücke gegenüber der gestrigen US-Performance zu schließen.

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Wirtschaftliche Höhepunkte:

Auf der heutigen Agenda: die Leistungsbilanz und Handelsbilanz in Frankreich; die Arbeitslosenquote in der Schweiz. Die gesamte Agenda gibt es hier.

  • EUR / USD: 1,17 $
  • Gold: 3.333,81 $
  • Rohöl (Brent): 68,95 $
  • Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,39 %
  • BITCOIN: 108.221 $

In den Nachrichten:

  • Daimler Truck Holding: Kündigt ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von bis zu 2 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre an.
  • Zalando: Mitarbeiter streiken für bessere Löhne und Sozialleistungen.
  • BP plc: Ernennt Simon Henry zum nicht geschäftsführenden Direktor.
  • Banca Monte dei Paschi: Erhält kartellrechtliche Genehmigung für ihr Angebot für Mediobanca.
  • OMV: Erwartet für das zweite Quartal einen Gewinnanstieg von 141 Millionen US-Dollar durch die Fusion von Borouge und Borealis.
  • Novartis: Erhält von Swissmedic die Zulassung für die Malariamedikamente Coartem und Coartem Baby.
  • Carasent: Muss nach Senkung der Jahresprognose mit einem Kursrückgang von 5 bis 8 % rechnen.

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