China baut seinen diplomatischen Einfluss aus, während die Regierung von Präsident Donald Trump die internationale Präsenz der Vereinigten Staaten zurückfährt. Das geht aus einem Bericht der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats hervor, der am Montag veröffentlicht wurde.

Der Bericht, der auf monatelangen Recherchen und Dienstreisen von Mitarbeitern basiert, erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Trump-Regierung massive Kürzungen im US-Außenministerium vornimmt. Bereits ab Freitag sollen mehr als 1.350 in den USA ansässige Mitarbeiter entlassen werden - Teil eines Gesamtabbaus von fast 3.000 Stellen im Inland.

Darüber hinaus hat die Regierung Milliardensummen an Auslandshilfe gestrichen und damit faktisch die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) lahmgelegt, die bislang den Großteil der humanitären und Entwicklungsprogramme der USA weltweit finanzierte. Dies führte zur Entlassung von Tausenden Mitarbeitern und Auftragnehmern sowie zur Streichung von mehr als 80% der Programme.

Kritiker warnen, die Kürzungen würden Washingtons Fähigkeit untergraben, US-Interessen im Ausland zu verteidigen und zu fördern. Eine im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass der Abbau von USAID und seiner Programme bis 2030 zu mehr als 14 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen könnte.

,,Nur wenige Tage nach dem Amtsantritt der Trump-Regierung und dem Beginn des Rückzugs aus internationalen Verpflichtungen bezeichnete China die Vereinigten Staaten bereits als unzuverlässigen Partner", sagte Senatorin Jeanne Shaheen, ranghöchstes demokratisches Mitglied des Ausschusses, bei einer Telefonkonferenz zu dem Bericht.

,,Während wir uns zurückziehen, bauen sie ihren Einfluss aus", betonte Shaheen weiter.

Die Trump-Regierung argumentiert, ihre Maßnahmen dienten dazu, die Außenpolitik mit Trumps ,,America First"-Agenda in Einklang zu bringen und die Bundesbürokratie zu verkleinern. Zudem solle ineffiziente Ausgaben reduziert werden, wie Regierungsvertreter betonen.

Trump selbst hatte erklärt, die USA würden im internationalen Vergleich einen unverhältnismäßig großen Anteil an der Auslandshilfe tragen und fordere, dass andere Länder mehr Verantwortung übernehmen.

Der 91-seitige Bericht der Demokraten listet zahlreiche Beispiele auf - von Medienarbeit über Gesundheitsprogramme bis hin zu Entwicklungsprojekten -, bei denen China seinen Einfluss ausbaut.

So dokumentiert der Bericht dutzende Fälle, in denen China eingesprungen ist, nachdem die USA internationale Programme gestrichen oder reduziert hatten - etwa bei der Finanzierung von Impfstoffen, Nahrungsmittelhilfe oder Infrastrukturprojekten.

Beispielsweise spendete China im März in Uganda zwei Millionen US-Dollar in Form von Reis, nachdem die USA dort Nahrungsmittelhilfsprogramme eingestellt hatten. Im Mai, nachdem die USA ein 37-Millionen-Dollar-Programm gegen HIV/AIDS in Sambia beendet hatten, erklärte China, das afrikanische Land im Kampf gegen HIV/AIDS unterstützen zu wollen - unter anderem durch die Spende von 500.000 Schnelltest-Kits und die Planung weiterer Treffen zur Fortsetzung der Partnerschaft.

In Südostasien reiste Chinas Präsident Xi Jinping laut Bericht zu Gesprächen mit den Staatschefs von Vietnam, Kambodscha und Malaysia. Die Reise führte zu einem Abkommen über Eisenbahnverbindungen mit Vietnam, zu 37 Kooperationsabkommen mit Kambodscha in Bereichen wie Energie, Bildung und Infrastruktur sowie zu technischen und industriellen Partnerschaften mit Malaysia.

Und in Lateinamerika richtete China im Mai das ,,China-Lateinamerika-Karibik-Forum" aus und kündigte eine Kreditlinie von 9 Milliarden US-Dollar sowie zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur der Region an.