Die Strategie - sofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann - besteht darin, Maßnahmen und Ankündigungen zu vervielfachen, um ein reichliches Angebot an Öl und Gas zu sichern. Ich habe in dieser Kolumne bereits mehrfach darauf hingewiesen: In dieser Frage arbeitet die Zeit gegen die Vereinigten Staaten - und ebenso gegen Europa -, weil dadurch die wirtschaftlichen und finanziellen Gleichgewichte sowie die darauf aufgebauten Szenarien ins Wanken geraten. Im Mittelpunkt steht dabei die Möglichkeit der Zentralbanken, die Zinsen zu senken, um die Konjunktur zu stützen. Sollten die Ölpreise auf hohem Niveau verharren, warnen Ökonomen vor einer Art perfektem Sturm, der die Dynamik der Weltwirtschaft spürbar belasten würde.
Der Iran hat das sehr wohl verstanden und spielt seine wichtigste Karte konsequent aus. Das Land kann mit dem amerikanisch-israelischen Arsenal nicht mithalten, ist aber in der Lage, seine Gegner dort zu treffen, wo es weh tut: im Geldbeutel. Dazu setzt es Methoden ein, die man durchaus als eine Form wirtschaftlicher Guerillataktik bezeichnen kann. Bislang gelingt es dem Weißen Haus nicht, dieses Störpotenzial einzudämmen.
Genau deshalb verlieren die Aktienindizes nach ihrer bemerkenswerten Widerstandskraft nun an Schwung. Gestern gab die Wall Street um mehr als 1,5% nach. Der S&P 500, der Dow Jones und der Nasdaq 100 liegen damit im Jahr 2026 inzwischen mehr als 2% im Minus. Der Russell 2000, der die Nebenwerte abbildet und empfindlich auf Veränderungen der Leitzinsen reagiert, verzeichnete derweil die dritte Verlustsitzung in Folge. Seit dem 1. Januar steht er nun wieder bei null, nachdem er seit seinen Rekordständen von Ende Januar um 9% gefallen ist. Auch Europa gerät unter Druck und radiert seine Jahresgewinne schrittweise aus. Der breit gefasste Stoxx Europe 600 hat in fünf der vergangenen sechs Sitzungen nachgegeben und liegt 2026 nur noch 1,1% im Plus. Der deutsche Dax ist - wie die US-Indizes - auf Wochensicht ebenfalls in den negativen Bereich gerutscht.
Die Zukunft ist ihrem Wesen nach unvorhersehbar, doch die aktuellen Umstände machen sie noch unberechenbarer. Ein einzelnes Ereignis könnte die Spannungen auf der Ölangebotsseite durchaus entschärfen und die Stimmung drehen. Im Moment sprechen die Wahrscheinlichkeiten jedoch weiterhin für dauerhaft hohe Preise. Auf dem aktuellen Niveau der Woche markiert die Schwelle von 100 USD je Barrel Brent den Kipppunkt in der Risikowahrnehmung. Auch wenn Rohöl in den vergangenen Stunden leicht nachgegeben hat, liegt der Preis binnen einer Woche noch immer 21% höher - im laufenden Monat 39% und seit dem 1. Januar sogar 67%. In der Wirtschaft führt nahezu alles am Ende zurück zum Öl. Daran lässt sich ablesen, wie groß der Schock dieser explosiven Rally ist - und, um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, welche Herausforderungen sie sowohl für die Politik als auch für die Geldpolitik mit sich bringt. Je länger es andauert, desto schlimmer wird es.
Hinzu kommt die Nervosität des Marktes mit Blick auf Private Credit. Wenn Institute, die sonst gern mit schwindelerregenden Renditen werben, plötzlich einseitig die Spielregeln ändern und Anleger daran hindern, ihr Geld auf Verlangen abzuziehen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass das System unter außergewöhnlichem Druck steht. Normalerweise wäscht die Branche ihre schmutzige Wäsche intern, solange die Belastung noch beherrschbar bleibt. Auch hier gilt: Je länger es andauert, desto schlimmer wird es.
Abseits der üblichen makroökonomischen Pfade, wenn auch nicht unbedingt abseits schlechter Nachrichten, hat der große Anbieter von Multimedia-Designsoftware Adobe gestern Abend seine Zahlen vorgelegt - und der Markt nahm sie schlecht auf. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel fast 9%, weil die Anleger sehr wohl erkennen, dass künstliche Intelligenz das alte kreative Oligopol bedroht. Die Veröffentlichung landete klar in der Kategorie „KI wird Software töten“ und nicht in jener mit dem Tenor „Am Ende wird alles gut“.
Der weitere Handelsverlauf dürfte sich daher vor allem an den Schwankungen des Ölpreises orientieren - und damit an den geopolitischen Schlagzeilen. Auf der Makroseite stehen in den USA mehrere Daten an, insbesondere die PCE-Inflation für Januar. Die Zahlen wirken bereits etwas abgestanden und liegen zeitlich deutlich vor dem Iran-Konflikt, dürften aber dennoch kommentiert werden, zumal bis zur nächsten Fed-Sitzung weniger als eine Woche bleibt. Der Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 4,27% zeigt, dass der Markt den Einfluss des Ölpreisschubs auf die Inflation - und damit auf die Geldpolitik - sehr ernst nimmt. Die Erwartungen der Händler an Zinssenkungen der Fed im Jahr 2026 haben sich innerhalb eines Monats von zwei bis drei Schritten auf null bis einen verschoben.
Im asiatisch-pazifischen Raum half der moderate Rücksetzer beim Öl, die Verluste in der letzten Sitzung der Woche zu begrenzen. Japan liegt zwar noch 1,1% im Minus, Indien 1% und Südkorea 1,7%, doch die Märkte in Australien, Festlandchina und Hongkong geben lediglich um 0 bis 0,3% nach. Die westlichen Frühindikatoren pendeln derweil um die Nulllinie, mit einer leicht positiven Tendenz.
Wirtschaftliche Höhepunkte:
Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,15 $
- Gold: 5.090,88 $
- Rohöl (Brent): 101,62 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,27 %
- BITCOIN: 71.485,6 $
In den Nachrichten:
- Mercedes-Benz: Der Gewinn sank 2025 um fast die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro. Auch Umsatz und Absatz gingen zurück.
- Lufthansa: Ein Pilotenstreik führt zu massiven Flugausfällen. An den Drehkreuzen Frankfurt und München fallen Hunderte Flüge aus.
- RWE: Der Konzern will bis 2031 insgesamt 35 Milliarden Euro investieren, davon 17 Milliarden Euro in den USA, um die Stromerzeugung auszubauen.
- Zalando: Das Unternehmen legte für 2025 starke Jahreszahlen vor und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über 300 Millionen Euro an.
- Daimler Truck: Absatz, Umsatz und Gewinn gingen 2025 zurück. Wegen steigender Auftragseingänge in den USA bleibt der Konzern dennoch optimistisch.
- K+S: Für 2026 erwartet das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 600 bis 700 Millionen Euro. Rückenwind kommt von höheren Kalipreisen.
- RTL: 2025 sank der Umsatz. Für 2026 rechnet der Konzern mit einer leichten Verbesserung und hob die Dividende deutlich an.
- Brenntag: Das Unternehmen kündigte zusätzliche Einsparungen von bis zu 250 Millionen Euro bis 2027 an, um die Folgen des Iran-Kriegs abzufedern.
- BMW: Der Gewinn ging 2025 leicht zurück. Im Vergleich zur Konkurrenz hielt sich der Konzern jedoch besser und erhöht die Dividende.
- Thyssenkrupp: Der Konzern gerät unter Druck, weil Zweifel an einem möglichen Stahlgeschäft mit Jindal Steel wachsen.
- Deutsche Börse: Die Aktionäre von Allfunds haben der geplanten Übernahme im Wert von 5,3 Milliarden Euro zugestimmt.
- Grenke: Der Gewinn stieg 2025 leicht. Für 2026 erwartet das Unternehmen aber weiterhin eine hohe Schadenquote.
- Glencore: Konzernchef Gary Nagle hofft auf eine Wiederaufnahme der Fusionsgespräche mit Rio Tinto. Steigende Kohlepreise könnten dabei helfen, obwohl es zuletzt Streit über die Bewertung gab.
- Rio Tinto: Nach einem tödlichen Unfall mit einem Fremdfirmenmitarbeiter wurde der Betrieb in der Kennecott-Kupfermine im US-Bundesstaat Utah ausgesetzt.
- HSBC: Die Bank dürfte zu den ersten Empfängern einer Stablecoin-Lizenz in Hongkong gehören. Die Genehmigung könnte innerhalb von zwei Wochen erteilt werden.
- Standard Chartered: Auch die Bank gilt als eine der ersten Kandidatinnen für eine Stablecoin-Lizenz in Hongkong.
- Helios Towers: Das Unternehmen meldete besser als erwartete Jahreszahlen und kündigte erstmals eine Dividende an. Die Aktie geriet dennoch wegen der Ölpreisschwankungen und der geopolitischen Spannungen unter Druck.
- Informa: Der Konzern legte starke Ergebnisse für 2025 vor, übertraf die Erwartungen und weitete das Aktienrückkaufprogramm aus. Der Ausblick für 2026 wurde trotz der Spannungen am Golf bestätigt.
- Energean: Das Unternehmen übernimmt Chevrons Ölbeteiligungen in Angola für 260 Millionen Dollar. Damit steigt der Konzern in Westafrika ein und setzt seine Wachstumsstrategie fort.
- Chevron: Der US-Konzern verkauft seine Ölbeteiligungen in Angola für 260 Millionen Dollar an Energean.
- BE Semiconductor: Laut Reuters gibt es Übernahmeinteresse von Lam Research und Applied Materials. Das Unternehmen hat Morgan Stanley mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt.
- Lam Research: Der Konzern soll Interesse an einer Übernahme von BE Semiconductor haben.
- Applied Materials: Auch dieser Konzern soll Interesse an einer Übernahme von BE Semiconductor haben.
- Morgan Stanley: Die Bank soll BE Semiconductor bei möglichen Übernahmegesprächen beraten.
- Ferretti: Der unabhängige Verwaltungsrat empfiehlt den Aktionären, das Angebot von KKCG Maritime abzulehnen.
- Repsol: Das Unternehmen hat mit Venezuela neue Ölvereinbarungen geschlossen.
- Adobe: Die Aktie fiel nachbörslich um 7,8% nach Vorlage der Zahlen und der Ankündigung des Rückzugs des Vorstandschefs.
- Meta: Der Start des neuen KI-Modells wurde laut der New York Times wegen Zweifeln an der Leistungsfähigkeit verschoben.
- Bytedance: Laut dem Wall Street Journal erhält das Unternehmen Zugang zu den neuesten KI-Chips von Nvidia.
- Nvidia: Die neuesten KI-Chips des Konzerns sollen Bytedance zur Verfügung stehen.
- Amazon: Laut Bloomberg will der Konzern seine jährliche Prime-Day-Aktion von Juli auf Juni vorziehen.
- Tesla: Laut Bloomberg wandelt das Unternehmen seine Beteiligung an xAI vor dem Börsengang in eine Beteiligung an SpaceX um.
- xAI: Die Beteiligung von Tesla an dem Unternehmen soll vor dem Börsengang in eine Beteiligung an SpaceX umgewandelt werden.
- SpaceX: Tesla soll vor dem Börsengang eine Beteiligung an dem Raumfahrtunternehmen erhalten.
- PayPay: Die Aktie sprang nach dem Börsengang um 14% nach oben.
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Analystenempfehlungen:
- Beiersdorf: Rothschild & Co Redburn hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 130 EUR auf 110 EUR.
- Rwe Ag: Goldman Sachs hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 60 auf 63 EUR.
- Allianz Se: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 459 EUR auf 504 EUR.
- Hannover Re: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 312 auf 330 EUR.
- Klöckner & Co Se: Landesbank Baden-Wuerttemberg hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 11 auf 11,20 EUR.
- Ströer Se & Co. Kgaa: Landesbank Baden-Wuerttemberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und senkt das Kursziel von 57 EUR auf 45 EUR.
- Bmw Ag: Bernstein hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 115 auf 108 EUR.
- Fraport Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 71 EUR auf 74 EUR.
- Zalando Se: Bernstein stuft von Unterperformance auf Marktperformance mit einem von 23 EUR auf 25 EUR erhöhten Kursziel.
- Fresenius Se & Co. Kgaa: JP Morgan hält an seiner Übergewichten-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 53,60 EUR auf 56,60 EUR.
- Porsche Ag: CICC hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 60 auf 50 EUR.
- Lufthansa: Citi hält an einer neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 8,30 auf 8,10 EUR.
- Sika Ag: Rothschild & Co Redburn hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von CHF 194 auf CHF 189.
- Geberit Ag: Oddo BHF hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von CHF 680 auf CHF 640.
- Swiss Life Holding Ag: Mediobanca hält an einer neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von CHF 842 auf CHF 840.
- Huber+Suhner Ag: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von CHF 172 auf CHF 200.





















