Der Markt folgt damit dem alten Börsensprichwort: „Buy the rumour“. Ob es in der kommenden Woche dann zum „Sell the news“ kommt, bleibt abzuwarten – doch bereits am heutigen Nachmittag bietet sich eine entscheidende Gelegenheit, diese 88%-Prognose zu präzisieren. Um 10:00 Uhr Ortszeit Washington wird die US-Regierung die PCE-Inflationsdaten für den September veröffentlichen – ursprünglich für den 31. Oktober geplant, jedoch durch den Regierungsstillstand verschoben. Zwar sind die Daten mittlerweile über zwei Monate alt, behalten aber große Relevanz, da in den vergangenen Wochen keine neuen Inflationszahlen erschienen sind und die Teuerung nach wie vor eines der größten Hindernisse für eine Zinssenkung darstellt.
Volkswirte rechnen mit einer jährlichen PCE-Inflation von 2,8%, nach 2,7% im August, was einem monatlichen Anstieg von 0,3% entspricht. Die Kerninflation, bei der besonders volatile Komponenten ausgeklammert werden, dürfte monatlich um 0,2% steigen. Bleibt der Preisauftrieb im Rahmen dieser Erwartungen, dürfte eine Zinssenkung in der kommenden Woche nahezu sicher sein. Ein wirklich problematisches Szenario wäre einzig ein stärker als erwarteter Anstieg in Richtung der 3%-Marke – in diesem Fall könnten die Märkte unter Druck geraten.
Sofern dies ausbleibt, dürfte der gemäßigt optimistische Ton, der den bisherigen Dezember geprägt hat, anhalten – zumal die makroökonomischen Risiken für das Jahr 2025 mit dem nahenden Jahresende an Bedeutung verlieren.
Wie bereits gestern angemerkt, setzen US-Investoren weiterhin auf die Zinssenkungsthese, indem sie auf Nebenwerte setzen. Eine Zahl bringt es auf den Punkt: Der Russell 2000 legte um 0,8% zu, während der Nasdaq 100 zum Handelsschluss um 0,1% nachgab. Der Russell 2000 markierte dabei sogar ein neues Schlussrekordhoch bei 2.531 Punkten. Ansonsten verlief das Marktgeschehen weitgehend richtungslos – mit Ausnahme von Meta Platforms, deren Aktie um 3,4% zulegte, nachdem unbestätigte Berichte über eine deutliche Zurückstufung der Metaverse-Ambitionen die Runde machten.
Mark Zuckerberg soll sich teilweise von seiner Vision eines Paralleluniversums verabschiedet und die entsprechenden Ausgaben um 30% gekürzt haben. Analysten vermuten, dass diese Mittel nun in das scheinbar bodenlose Fass der Künstlichen Intelligenz umgeleitet werden – statt weiterhin in das bereits 80 Milliarden Dollar teure Metaverse, das bislang kaum Ertrag gebracht hat.
KI bleibt ein starker Treiber für die Märkte, trotz wachsender Zweifel an der künftigen Rentabilität der enormen Investitionen. In gut informierten Kreisen kursieren bereits Spekulationen, dass „Künstliche Intelligenz“ zur „Person des Jahres“ 2026 des Time Magazine gekürt werden könnte. Die Entscheidung wird in der kommenden Woche erwartet. Auf der Wettplattform Polymarket liegt „AI“ aktuell mit 37% der Stimmen in Führung, vor Nvidia-CEO Jensen Huang (32%), selbst eine Schlüsselfigur der KI-Revolution.
Auf Platz drei liegt überraschend Papst Leo XIV. mit 10%, was angesichts fehlender nennenswerter öffentlicher Präsenz Rätsel aufgibt. Sam Altman, lange als Favorit gehandelt, ist mit nur noch 8% ins Hintertreffen geraten. In den Augen vieler Investoren wirkt er zunehmend erratisch, und die Zweifel an der dominanten Stellung von OpenAI im KI-Markt wachsen.
In den letzten Wochen hat Alphabet OpenAI systematisch überholt, während sich Anthropic von einem Nachzügler zu einem ernstzunehmenden Rivalen gewandelt hat. Die Finanzwelt ist nun fasziniert von Dario Amodei, CEO von Anthropic – eine Art Anti-Altman. Auf einer Veranstaltung der New York Times am Mittwoch übte Amodei offene Kritik an seinem Konkurrenten, den er als brillant, aber auch gefährlich beschreibt – sowohl für das eigene Unternehmen als auch für die Branche insgesamt. Altman neige dazu, „große Zahlen“ zu lieben und verfolge einen „YOLO“-Ansatz.
Rechnet man Open-Source-Herausforderer, chinesische Wettbewerber und weitere unvorhersehbare Faktoren hinzu, wird deutlich: Wer in diesem Sektor am Ende zu den Gewinnern zählen wird, ist weiterhin offen. Fest steht lediglich: KI bleibt im Zentrum des Investment-Geschehens.
Nach diesem Exkurs in die Welt der Künstlichen Intelligenz nun zurück zu den bodenständigeren Themen. Während die USA auf ihr Inflationsurteil warten, stand am Morgen die Zentralbank Indiens im Fokus. Wie erwartet senkte die Reserve Bank of India ihren Leitzins um einen Viertelpunkt und pumpte zusätzliche Liquidität in den Markt. Der anhaltende Handelskonflikt mit den USA beginnt erste Spuren zu hinterlassen, was einen expansiveren geldpolitischen Kurs rechtfertigt.
Im Gegensatz dazu gewinnen in Japan die Erwartungen an eine Zinserhöhung in zwei Wochen an Gewicht.
In der Asien-Pazifik-Region gab Japan die gestrigen Gewinne mit einem Rückgang um 1,2% wieder ab. Die Börsen in Festlandchina und Hongkong konnten hingegen zulegen, ebenso wie Südkorea, wo eine Reihe von Anreizinstrumenten neue Begeisterung für Aktien entfacht hat. Der KOSPI liegt seit Jahresbeginn 68% im Plus und ist damit der wachstumsstärkste unter den großen Weltindizes. Auch Indien und Australien verzeichneten leichte Kursgewinne.
In Europa deutet sich zum Handelsstart ein unklarer Verlauf mit leicht positiver Tendenz an.
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Wirtschaftliche Höhepunkte:
Auf der heutigen Agenda: die Haushaltsausgaben in Japan und die Fabrikbestellungen in Deutschland; In Kanada, die Stundenlohnsatz für festangestellte Mitarbeiter im Jahresvergleich; In den Vereinigten Staaten, die Veränderungen der nicht-landwirtschaftlichen Gehaltsabrechnungen, die Arbeitslosenquote, die Bestellungen langlebiger Güter, die Fabrikbestellungen und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan. Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,17 $
- Gold: 4.229,64 $
- Rohöl (Brent): 63,22 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,1 %
- BITCOIN: 92.464,9 $
In den Nachrichten:
- Deutsche Bank: Die Ratingagentur Scope Ratings hat das Emittentenrating auf A angehoben, Ausblick stabil.
- Schott Pharma: Die Aktie fiel nachbörslich wegen gesenkter Gewinn- und Umsatzwachstumsprognosen für 2026.
- Bayern munich: Hat laut Financial Times Verhandlungen über den Verkauf einer Beteiligung an der Private-Equity-Gesellschaft Eqt geführt.
- Volkswagen: Die EU hat eine teilweise Überprüfung der Zölle auf das in China gefertigte Elektrofahrzeug Cupra Tavascan eingeleitet.
- Ferrovial: Der CEO zeigt sich optimistisch für das Wachstum der US-Flughäfen, mit Schwerpunkt auf dem Ausbau des JFK-Terminals.
- Swiss Re: Das Unternehmen strebt bis 2026 einen Nettogewinn von 4,5 Milliarden US-Dollar an und plant eine Dividendenerhöhung sowie Aktienrückkäufe.
- Boliden: Plant, die Investitionsausgaben bis 2026 auf 15 Milliarden schwedische Kronen zu senken.
- Visa: Verlegt seinen europäischen Hauptsitz nach Canary Wharf in London.
- Derichebourg: Meldet für das Geschäftsjahr 2024/2025 einen Anstieg des Nettogewinns um 63%, getragen durch Beiträge der Elior Group.
- OVH Group: Gibt einen sekundären ABB-Blockverkauf über 30 Millionen Euro bekannt.
- Toscana Aeroporti: Verzeichnet im November über 600.000 Passagiere, ein Plus von 10,4% gegenüber dem Vorjahr.
- Galderma: Erhält die EU-Zulassung für Sculptra zur Anwendung an weiteren Körperregionen.
- Netflix: Führt Gespräche über die Übernahme von Warner Bros. Discovery mit einem Angebot von 28 US-Dollar je Aktie.
- Google: Baut seine KI-Fähigkeiten und Partnerschaften aus und sieht sich zugleich einer EU-Kartellstrafe sowie Sicherheitsuntersuchungen zu Waymo gegenüber.
- Meta: Reduziert Investitionen ins Metaverse und passt die Strategie angesichts stabiler US-Aktienmärkte an.
- Chevron: Investiert 2 Milliarden AUD in die dritte Ausbauphase des Gorgon-Erdgasprojekts.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Hugo Boss Ag: Landesbank Baden-Wuerttemberg stuft von kaufen auf halten mit einem von 48 EUR auf 38 EUR reduzierten Kursziel.
- Hensoldt Ag: Cantor Fitzgerald hält an seiner Übergewichten-Empfehlung fest und senkt das Kursziel von EUR 114 auf EUR 105.
- Aurubis Ag: Landesbank Baden-Wuerttemberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 130 auf 144 EUR.
- Vienna Insurance Group Ag: Oddo BHF hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 48 EUR auf 54 EUR.
- Voestalpine Ag: Citi hält an einer neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 27 auf 40 EUR.
- Salzgitter Ag: Citi hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 25 EUR auf 38 EUR.
- Thyssenkrupp Nucera Ag & Co. Kgaa: Citi hält an seiner Kaufempfehlung fest und senkt das Kursziel von 16 EUR auf 13 EUR.
- Heidelberg Materials Ag: BNP Paribas hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 220 auf 260 EUR.
- Mony Group Plc: Morgan Stanley stuft von Übergewichtung auf Marktgewichtung mit einem von 275 GBX auf 220 GBX reduzierten Kursziel.
- Persimmon Plc: Investec hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 1400 GBX auf 1570 GBX.



















