Zwei aktuelle Veröffentlichungen – der Bericht „State of Crypto 2025“ von Andreessen Horowitz (A16z) und das Memo „Ideas We’re Excited For in 2026“ von Coinbase Ventures – bieten einen Überblick darüber, wohin sich die Branche entwickelt. Beide Berichte zeichnen ein stimmiges Bild: Die Zukunft der Kryptowelt liegt in Real-World Assets (RWAs), dezentraler Finanzinfrastruktur und datenschutzorientierten Innovationen.

Schwellenländer als Wachstumstreiber der realen Kryptonutzung

Laut A16z gibt es derzeit weltweit 40 bis 70 Millionen aktive Krypto-Nutzer – rund 10 Millionen mehr als im Vorjahr. Zwar ist das nur ein Bruchteil der geschätzten 716 Millionen Menschen, die irgendeine Form von Kryptowährung besitzen (ein Anstieg von 16 % im Jahresvergleich), doch die Lücke zwischen „Besitz“ und „aktiver Nutzung“ beginnt sich zu schließen.

Vor allem in Schwellenländern nimmt die tatsächliche Nutzung deutlich zu. Mobile Wallets – ein guter Indikator für On-Chain-Aktivität – boomen insbesondere in Nigeria, Indien, Kolumbien und Argentinien. Dort hat sich die Wallet-Nutzung in den letzten drei Jahren versechzehnfacht – eine direkte Reaktion auf die massive Abwertung der Landeswährung.

Diese Diskrepanz zwischen passiven Haltern und aktiven Nutzern ist eine der größten Chancen der Branche: Millionen von Menschen besitzen Krypto, aber haben bislang kaum Anreize, es im Alltag zu verwenden.

Stablecoins und RWAs

Ein erheblicher Teil der realen Aktivität läuft inzwischen über Stablecoins – Kryptowährungen, die an klassische Währungen wie den US-Dollar gekoppelt sind. Während sie zunächst vor allem im Krypto-Trading genutzt wurden, haben sie sich heute als ultraschnelle, günstige und globale Transfermöglichkeit etabliert. Transaktionen lassen sich in weniger als einer Sekunde für weniger als einen Cent abwickeln.

Das Transaktionsvolumen ist beachtlich: Stablecoins verarbeiteten im vergangenen Jahr über 46 Billionen US-Dollar, ein Anstieg um 106 %. Selbst nach Bereinigung um technische Volumen lag der reale Wert bei rund 9 Billionen US-Dollar – mehr als das Fünffache von PayPal und über der Hälfte des Volumens von Visa.

Die Stablecoin-Geldmenge überschreitet mittlerweile 300 Milliarden US-Dollar, wobei die Emittenten mehr als 150 Milliarden US-Dollar in US-Staatsanleihen halten. Damit gehören sie zu den 20 größten Gläubigern amerikanischer Staatsschulden – noch vor Ländern wie Saudi-Arabien, Südkorea, Israel oder Deutschland.

Bemerkenswert: Die Aktivität rund um Stablecoins ist weitgehend unabhängig von der generellen Handelsdynamik am Kryptomarkt – ein Beleg für ihren konkreten Nutzen.

Auf dieser Grundlage wächst nun ein neues Segment: Real-World Assets (RWAs). Technisch gesehen zählen Stablecoins bereits zu den RWAs. Doch seit zwei Jahren entstehen immer mehr tokenisierte Abbildungen traditioneller Vermögenswerte wie Staatsanleihen, Geldmarktfonds, Immobilien und Privatkredite – sie schlagen eine direkte Brücke zwischen Kryptomärkten und klassischer Finanzwelt. Der Markt für tokenisierte RWAs beläuft sich derzeit auf etwa 30 Milliarden US-Dollar – fast viermal so viel wie noch vor zwei Jahren.



Für Coinbase Ventures liegt der nächste Entwicklungsschritt in der Schaffung sogenannter Perpetuals auf RWAs – also ewiger Derivatkontrakte, die sich auf reale Vermögenswerte beziehen. Diese ermöglichen synthetische Marktzugänge auf praktisch jede Art von Asset.

DeFi-Infrastruktur und der Aufstieg des Datenschutzes

Die dezentrale Finanzwelt hat sich vom Experiment zur funktionierenden Infrastruktur gewandelt. Inzwischen wird fast ein Fünftel des Kassamarktvolumens auf dezentralen Börsen (DEXs) abgewickelt. Der Handel mit ewigen Futures (Perpetuals) hat sich im vergangenen Jahr fast verachtfacht. Plattformen wie Hyperliquid verarbeiten inzwischen Handelsvolumen in Billionenhöhe und erzielen annualisierte Umsätze von über einer Milliarde US-Dollar – vergleichbar mit etablierten zentralisierten Börsen.

Coinbase Ventures richtet den Fokus verstärkt auf den Ausbau der DEX-Infrastruktur – insbesondere im Hinblick auf die Interoperabilität von Perpetual-Märkten und spezialisierte Market-Maker-Protokolle.

Parallel dazu wird das Thema Datenschutz, einst an den Rand gedrängt, zunehmend zum zentralen Element für den Mainstream. Das Interesse an „Crypto Privacy“ bei Google-Suchanfragen steigt stark, und datenschutzorientierte Coins gewinnen rasant an Marktkapitalisierung. Zcash zum Beispiel stieg von 680 Millionen auf 8,5 Milliarden US-Dollar.

Die Ethereum Foundation hat ein eigenes Datenschutzteam gegründet, und Paxos arbeitet an einem regulatorisch konformen Stablecoin mit Privacy-Funktionen namens USAD. Selbst die Aufsichtsbehörden zeigen neue Offenheit: Im März hob das US-Finanzamt OFAC seine umstrittenen Sanktionen gegen das dezentrale Protokoll Tornado Cash auf.

A16z erwartet eine weitere Beschleunigung dieses Trends. Auch Coinbase Ventures zählt Privacy-Innovationen zu seinen wichtigsten Investitionsthemen für 2026.

Krypto im Umbruch: Von der Spekulation zur Infrastruktur

Beide Berichte zeichnen das Bild einer Branche im strukturellen Wandel: Der Fokus verlagert sich von spekulativen Preisbewegungen hin zu einer technologischen Infrastruktur, die still und leise den globalen Geldverkehr neu definiert.