Gestern war der Tag, an dem das Weiße Haus den Kurs wechselte. Nach zuvor angedrohter massiver Eskalation stimmte Präsident Trump einem zweiwöchigen Waffenstillstandsrahmen mit dem Iran zu und verknüpfte diesen mit der Wiederöffnung der Straße von Hormus. Er erklärte, die militärischen Ziele der USA seien bereits erreicht, und die Gespräche über einen dauerhaften Frieden kämen voran. Zudem stellte er Verhandlungen über Zölle und Sanktionserleichterungen in Aussicht. Gleichzeitig warnte er, dass jedes Land, das den Iran mit militärischer Ausrüstung beliefere, mit sofortigen Strafzöllen von 50% auf Exporte in die USA belegt werde. Für eine einzige außenpolitische Kehrtwende ist das selbst nach heutigen Maßstäben ein bemerkenswert dichtes Maßnahmenpaket. Die US-Regierung betont, dass es keine Urananreicherung geben werde und zahlreiche Elemente ihres Plans bereits akzeptiert seien. Trump erklärte in sozialen Medien sogar, die USA würden mit dem Iran zusammenarbeiten, um nukleares Material „aufzuspüren und zu entfernen“.
Über Wochen hinweg bestand die zentrale Sorge darin, dass der Konflikt im Nahen Osten die Ölpreise weiter nach oben treiben, die Inflation erneut anheizen und der Federal Reserve das Leben zusätzlich erschweren könnte. Mit dem jüngsten Rückgang der Ölpreise beginnen Anleger nun, genau dieses Szenario auszupreisen.
Doch die Euphorie könnte verfrüht sein. Der Iran hat einen Zehn-Punkte-Friedensplan vorgelegt, veröffentlicht von der dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat nahestehenden Nachrichtenagentur Nour News. Die Bedingungen wirken aus US-Sicht wenig vorteilhaft: Sie umfassen unter anderem die Fortsetzung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus, die Anerkennung eines iranischen Urananreicherungsprogramms, die Aufhebung sämtlicher primärer Sanktionen, das Ende aller Resolutionen der Internationalen Atomenergiebehörde sowie Entschädigungszahlungen für Kriegsschäden. In der Summe würde der Iran damit mehrere strategische Vorteile behalten oder sogar ausbauen – schwerlich ein klarer politischer Erfolg für Trump.
Die Deutsche Bank verweist darauf, dass die Erleichterung der Investoren über eine mögliche Deeskalation nachvollziehbar sei, warnt jedoch zugleich, dass der entscheidende Test noch ausstehe: Führt diese Entwicklung tatsächlich zu einer nachhaltigen Entspannung? Hargreaves Lansdown formuliert es noch direkter: Solange der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nicht vollständig und ohne erneute iranische Störungen wiederhergestellt ist, dürften sich die Ölpreise kaum dauerhaft beruhigen. Genau diese Frage wird die kommende Woche dominieren: Handelt es sich um den Beginn einer echten Entspannung – oder lediglich um eine gut inszenierte Atempause?
Vorerst entscheiden sich die Märkte für Optimismus. Der Brent-Preis ist nach einem kurzfristigen Anstieg über 110 Dollar deutlich gefallen. Einige Analysten halten ein Jahresendniveau um 80 Dollar für möglich, sollte eine umfassendere Einigung zwischen den USA, Israel und dem Iran Bestand haben. Nebenwerte legen zu, Technologiewerte erholen sich, und zyklische Sektoren gewinnen an Dynamik. Gleichzeitig steigt auch der Goldpreis – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Marktteilnehmer vollständig überzeugt sind.
Unternehmensseitig meldet Shell, dass der Konflikt im Nahen Osten die Gasproduktion belastet hat, unter anderem durch geringere Liefermengen aus Katar. Starke Handelsgewinne im Ölgeschäft dürften einen Teil der Belastung kompensieren. Die Aktie gibt dennoch nach, da derzeit die fallenden Ölpreise stärker ins Gewicht fallen als die positiven Effekte aus dem Trading. Blue Owl wurde von Moody’s herabgestuft, nachdem Investoren größere Mittelabzüge beantragt hatten, dennoch legte die Aktie im vorbörslichen Handel zu – getragen von der insgesamt gestiegenen Risikobereitschaft. Levi Strauss profitiert von einer operativen Verbesserung und hob seine Prognose an. Weitere Hinweise darauf, ob Unternehmen die Lage als echten Wendepunkt oder nur als temporäre Entspannung bewerten, dürften die anstehenden Zahlen von Delta, RPM International und Constellation Brands liefern. Gleichzeitig richten sich die Blicke der Anleger auf das Protokoll der Fed-Sitzung im März sowie auf Äußerungen von Mary Daly und Christopher Waller.
Dax springt kräftig an – Zyklische Werte treiben Erholung voran
Der deutsche Aktienmarkt hat eine deutliche Gegenbewegung gezeigt. Der Dax schnellte um 5,3 % auf 24.128 Punkte nach oben. Vom Jahrestief Ende März bei rund 21.864 Punkten aus hat der Leitindex damit etwa zwei Drittel seiner Verluste im Zuge des Iran-Kriegs wieder aufgeholt.
Auch die Nebenwerte legten kräftig zu. Der MDax gewann 6,1 % auf 30.484 Zähler. Der EuroStoxx50 stieg ebenfalls um 5,3 % und folgte damit der starken Erholung an den europäischen Märkten.
Besonders gefragt waren konjunktursensible Werte. Im Dax legten Siemens, Infineon und Siemens Energy jeweils zwischen 11 % und 12 % zu. Die Kursgewinne spiegeln die gestiegene Risikobereitschaft der Anleger und die Hoffnung auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage wider.
Im SDax führten Salzgitter mit einem Plus von 17 % die Gewinnerliste an, auch wenn die Verluste seit Kriegsbeginn Ende Februar noch nicht vollständig ausgeglichen sind. Im MDax sprangen Redcare Pharmacy nach Vorlage von Geschäftszahlen um gut 14 % nach oben und überzeugten mit einem soliden Jahresauftakt.
























