Wien, 10. Mrz (Reuters) - Die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) steuert Insidern zufolge auf eine Übernahme der rumänischen Garanti-Bank zu. Die Chancen für einen erfolgreichen Deal stünden "ganz gut", sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen am Dienstag zur Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung werde "eher früher als später" erwartet. Die RBI würde durch den Zukauf ihren Marktanteil signifikant steigern und zur drittgrößten Bank in Rumänien aufsteigen. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, die RBI stehe kurz vor dem Abschluss des Deals und biete rund das 1,2-Fache des Buchwerts für die Tochter der spanischen BBVA. Auf Basis der Vorjahreszahlen entspräche dies einem Kaufpreis von etwa 550 Millionen Euro. Weder BBVA noch RBI wollten sich dazu äußern.
Ein Kaufpreis über dem Buchwert sei in dem aktuellen Umfeld unumgänglich, sagte einer der Insider. "Es ist aktuell ein Verkäufermarkt". Da es nur wenige Übernahmeziele gebe, treibe dies den Preis. Dennoch rechne sich der Deal für die RBI strategisch. Es wäre die erste signifikante Akquisition der Bank seit vielen Jahren. Dies markiere eine Wende: Nach der starken Fokussierung auf die Probleme in Russland rücke nun wieder das Wachstum in den Kernmärkten in den Mittelpunkt.
Die RBI steht wegen ihres Russland-Geschäfts seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine massiv unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) und US-Behörden drängten auf einen Rückzug aus dem Land. Die RBI ist das größte westliche Geldhaus in Russland und wickelt einen erheblichen Teil des Zahlungsverkehrs ab. Ein Verkauf der hochprofitablen russischen Tochter gestaltet sich jedoch aufgrund der Sanktionen und der russischen Gesetzgebung als äußerst schwierig. Der geplante Deal in Rumänien könnte Investoren signalisieren, dass die Bank trotz der Hängepartie im Osten handlungsfähig bleibt. "Es tut der Mannschaft gut, wenn man auch einmal positive Themen hat", fügte der Insider hinzu.
Hinter den Kulissen wurde dem Vernehmen nach bereits auf höchster Ebene diplomatische Arbeit geleistet, um den Weg für die Transaktion zu ebnen. So habe es ein persönliches Treffen eines hochrangigen Raiffeisen-Vertreters mit dem rumänischen Notenbankgouverneur Mugur Isarescu gegeben. Ziel sei es gewesen, vergangene "Verwerfungen" zwischen der RBI und der Aufsichtsbehörde auszuräumen, die im Zusammenhang mit früheren Vorstandsbestellungen entstanden waren. Es sei wichtig, ein konstruktives Verhältnis zu den Behörden zu pflegen, so der Insider.
Der rumänische Bankenmarkt gilt als stark fragmentiert, weshalb Institute in Osteuropa vermehrt Zukäufe anstreben. Marktführer ist die Banca Transilvania. Die Nummer zwei im Markt ist die ebenfalls österreichische Erste Group, die nach eigenen Angaben ebenfalls routinemäßig Möglichkeiten für organisches und anorganisches Wachstum in der Region prüft. RBI-Chef Johann Strobl hatte bereits auf der Bilanzpressekonferenz Ende Januar betont, die Bank sei offen für Zukäufe. Mit einer harten Kernkapitalquote von 15,5 Prozent verfüge das Institut über einen "Puffer für Akquisitionen", sagte Strobl. Zu Gerüchten über ein Interesse an der BBVA-Tochter wollte er sich damals zwar nicht äußern, bestätigte jedoch das generelle Interesse am Standort: "Wir haben in der Vergangenheit einige Märkte als höchstinteressant bewertet, dazu zählt sicherlich auch Rumänien."
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, Mitarbeit von Jesus Aguado. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
- von Alexandra Schwarz-Goerlich


















