Wien, 07. Jan (Reuters) - In Österreich hat sich der Preisauftrieb zum Jahresende abgeschwächt.

Der nach europäischen Kriterien berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) sank im Dezember im Jahresvergleich auf 3,9 Prozent, wie die Statistik Austria am Mittwoch auf Basis einer Schnellschätzung mitteilte. Damit lag die Rate erstmals seit Juli 2025 wieder unter der Marke von vier Prozent. Im November hatte sie noch bei 4,1 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise um 0,6 Prozent.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) nannte die Rate "weiterhin deutlich zu hoch". Die fehlende Inflationsbekämpfung der Vorgängerregierung habe eine schädliche Kettenreaktion ausgelöst und zu einer im internationalen Vergleich hohen Teuerung geführt. Die von der aktuellen Regierung gesetzten Schritte wie die Mietpreisbremse und Maßnahmen bei Lebensmitteln würden jedoch bald Wirkung zeigen. "Inflation hat eine Vielzahl von Ursachen. Daher gibt es nicht den einen Knopf, auf den man drücken kann, um die Inflation automatisch zu senken", sagte Marterbauer.

Der Minister kündigte zudem an, die Treibstoffpreise genau zu prüfen. "Auch wenn die Spritpreise im Dezember leicht gesunken sind, stimmt hier etwas nicht", kritisierte Marterbauer. Der starke Rückgang der Rohölpreise auf den Weltmärkten sei nicht bei den Autofahrern angekommen. "Hier ist etwas faul, und manche scheinen sich ein Körberlgeld zu verdienen." Ein besonderes Augenmerk sei zudem auf den Dienstleistungssektor wie Beherbergung und Gastronomie zu legen, wo die Preise überdurchschnittlich stiegen.

INFLATION DOPPELT SO HOCH WIE IN DEUTSCHLAND

Österreich zählt seit Längerem zu den Ländern mit der höchsten Inflation in der Euro-Zone. Grund dafür sind unter anderem die hohen Energiepreise. Die Teuerung in der Alpenrepublik ist fast doppelt so hoch wie beim wichtigsten Handelspartner und Nachbarland Deutschland. Die harmonisierte Rate lag dort im Dezember bei 2,0 Prozent. Auch im Durchschnitt des Währungsraums erreichte die Inflation im Dezember den Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Die höchsten Inflationsraten verzeichneten zuletzt die Slowakei und Estland mit Werten von jeweils 4,1 Prozent. An dritter Stelle liegt Österreich.

Der Statistik Austria zufolge wurde der Preisauftrieb in Österreich im Dezember vor allem durch die Energiepreise gedämpft. Sie verteuerten sich um neun Prozent nach 10,9 Prozent im November. Kräftigster Preistreiber war jedoch erneut der Dienstleistungsbereich mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent. Bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol verstärkte sich der Preisauftrieb hingegen mit einem Plus von 4,1 Prozent. Die sogenannte Kerninflation, die die Bereiche Dienstleistungen und Industriegüter umfasst, sank auf 3,2 Prozent von 3,4 Prozent im November.

Die Bundesregierung in Wien hat sich zum Ziel gesetzt, die Teuerung bis Ende 2026 auf zwei Prozent zu senken. Dafür sind Maßnahmen wie eine Mietpreisbremse oder eine vorübergehende Senkung der Elektrizitätsabgabe vorgesehen. Finanziert werden soll dies unter anderem mit 500 Millionen Euro aus Staatsbeteiligungen. Prognosen von Ökonomen zufolge wird die Inflation im laufenden Jahr auch ohne politische Maßnahmen spürbar zurückgehen. Die Österreichische Nationalbank (OeNB) erwartet, dass die Teuerung 2026 auf 2,4 Prozent sinken wird.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)