Die Dokumente machen deutlich, dass wichtige indische Behörden strengere Beschränkungen für virtuelle digitale Vermögenswerte bevorzugen, obwohl die Regierung bislang keine Politik beschlossen hat, sie zu verbieten oder zu regulieren.
Indien lässt Kryptowährungen seit einem Gerichtsurteil im Jahr 2018 in einer Grauzone existieren, nachdem das Gericht Maßnahmen der Reserve Bank of India (RBI) aufgehoben hatte, die sie de facto verboten hatten.
Ein Gesetzentwurf aus dem Jahr 2021, der private Kryptowährungen verbieten sollte, wurde nie ins Parlament eingebracht, und ein Diskussionspapier dazu wurde wiederholt verschoben. Die Regierung hat die Umsetzung einer formellen Politik zu virtuellen Vermögenswerten verzögert und erklärt, jeder Plan müsse Innovation und Risikomanagement in Einklang bringen sowie die geldpolitische Souveränität und die Finanzstabilität schützen und Verbraucher vor Verlusten bewahren.
Im September unterstützte das indische Finanzministerium in internen Diskussionen nach Konsultationen mit der RBI eine begrenzte regulatorische Klarstellung für virtuelle Vermögenswerte und argumentierte, bestehende Steuervorschriften und andere Gesetze hätten geholfen, Risiken aus dieser Anlageklasse einzudämmen, berichtete Reuters.
Die jüngsten Dokumente signalisieren, dass zentrale Behörden besorgt über wachsende Risiken für die Finanzstabilität des Landes sind, da Kryptowährungen weiterhin ohne klare Regeln gehandelt werden.
Indiens Finanzministerium und die RBI reagierten nicht auf Anfragen von Reuters um Stellungnahme.
Kryptowährungen haben weltweit mehr Akzeptanz gewonnen, nachdem es in den USA zu politischen Änderungen kam, wo Gesetzgebung zur Unterstützung einer breiteren Nutzung von Stablecoins die Erwartungen einer stärkeren Verbreitung befeuert hat.
Während Länder wie Japan und Singapur zur Regulierung von Kryptowährungen übergegangen sind, hat China die Nutzung solcher Token untersagt.
Trotz der politischen Unklarheit in Indien gibt es in dem Land laut Schätzungen der Steuerbehörde knapp 39 Mio. Krypto-Trader, die Ende Mai digitale Vermögenswerte im Umfang von rund 2,1 Mrd. USD hielten.
'IN RICHTUNG EINES VERBOTS'
Die RBI, die wiederholt vor Krypto-Risiken gewarnt hat, bekräftigte, dass Maßnahmen, die "in Richtung eines Verbots" tendieren, angezeigt sein könnten.
Banken und Finanzinstitute sollten demnach daran gehindert werden, Krypto-Assets und privat emittierte Stablecoins zu halten, damit zu handeln oder sich ihnen auszusetzen, um Ansteckungsrisiken zu begrenzen, wie Dokumente aus Mai und Juni zeigen.
Derzeit ist es indischen Banken nicht untersagt, mit Kryptowährungen zu tun zu haben, doch große Kreditgeber meiden sie nach wiederholten Warnungen der RBI.
Die Neigung der Zentralbank gehe in Richtung eines Verbots, um Kryptowährungen außerhalb des regulierten Finanzsystems zu halten, sagte eine mit den Überlegungen der RBI vertraute Person und bat um Anonymität, da sie nicht befugt sei, mit den Medien zu sprechen.
Die RBI hat auch vor Stablecoins gewarnt.
Während Stablecoins, die durch ausländische Währungen gedeckt sind, eine Bedrohung für die inländische Souveränität darstellen, könnten rupiengedeckte Token die staatlichen Einnahmen aus der Ausgabe von Fiatgeld reduzieren und in Phasen von Marktstress Risiken für die Finanzstabilität bergen, so die RBI.
Die Zulassung von Stablecoins könnte zudem Krypto-Gewinne schwerer erkenn- und besteuerbar machen, weil die Notwendigkeit sinkt, Bestände in Fiatwährungen umzuwandeln. Indien besteuert Gewinne aus Kryptowährungen mit 30%.
FALSCHE ANGABEN ZU KRYPTOWINNEN Indiens Steuerbehörde hat den Dokumenten zufolge Fälle festgestellt, in denen Kryptowährungsbestände in Erklärungen nach dem Einkommensteuerrecht falsch angegeben wurden.
Die Ergebnisse der Behörde zeigen, dass weniger als ein Viertel der 645.000 Personen, die im Geschäftsjahr bis März 2023 Kryptowährungstransaktionen getätigt haben, diese in ihren Steuererklärungen angab.
Transaktionen über ausländische Börsen und private Wallets erschweren es, wirtschaftlich Berechtigte zu identifizieren und anschließend Steuern einzuziehen; während in Rupien denominierte Peer-to-Peer-Geschäfte es schwieriger machen, steuerpflichtige Einkünfte nachzuverfolgen, erklärte die Steuerbehörde.
Globale Krypto-Börsen wie Binance und Coinbase können in Indien tätig sein, nachdem sie sich bei einer Regierungsbehörde registriert haben.
Die Steuerbehörde warnte zudem, dass Preisschwankungen und das Fehlen einheitlicher Bewertungsstandards die Bewertung von Krypto-Assets für Steuerzwecke erschwerten.
Den Dokumenten zufolge prüft das Ministry of Corporate Affairs Rechnungslegungsstandards und weitere Leitlinien für virtuelle digitale Vermögenswerte.
(1 USD = 95,4625 indische Rupien) (Bericht von Nikunj Ohri und Sarita Chaganti Singh in Neu-Delhi sowie Jaspreet Kalra in Mumbai; Redaktion: Ira Dugal und Thomas Derpinghaus)


















