Olaplex ist auf hochpreisige Haarpflegeprodukte spezialisiert, mit einer Premium-Produktpalette zwischen 30 und 60 Euro. Advent ist seit 2019 Hauptaktionär und brachte das Unternehmen im September 2021 an die Börse.

Oddo BHF weist jedoch darauf hin, dass Anleger aufgrund des rechtlichen und reputativen Risikos des Unternehmens sehr vorsichtig bleiben dürften. Die Analysten erinnern daran, dass der Kurs der Olaplex-Aktie seit dem Börsengang von 24,50 US-Dollar auf 1,25 US-Dollar am 5. Januar gefallen war – bevor er angesichts der Übernahmegerüchte durch Henkel sprunghaft anstieg. Hintergrund sind laufende Gerichtsverfahren.

Im Jahr 2023 wurde eine Sammelklage gegen Olaplex eingereicht. Klägerinnen werfen dem Unternehmen vor, dass bestimmte Produkte erhebliche Haarschäden verursachen würden. Zudem soll die Verwendung von Lilial, einem umstrittenen Duftstoff, im Raum stehen. Lilial wurde 2022 in der Europäischen Union als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und verboten.

Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe und verweist auf unabhängige Labortests, die belegen sollen, dass die Produkte sicher seien und keinen Haarausfall verursachten. Dennoch konnte weder der Absatz noch der Aktienkurs wieder nachhaltig zulegen.

Oddo BHF sieht dennoch strategisches Potenzial: „Die Übernahme eines Haarpflegeanbieters – insbesondere im Premiumsegment und in Nordamerika – wäre aus unserer Sicht grundsätzlich positiv, da sie Henkels operative Präsenz im Konsumentengeschäft stärkt.“ Entscheidend sei jedoch die Bewertung der rechtlichen und vor allem reputationsbezogenen Risiken. Die Experten stufen Henkel weiterhin mit Neutral ein, bei einem Kursziel von 73 Euro.

Ähnlich äußert sich Bernstein Research: Die Analysten bleiben bei ihrer Market Perform-Einschätzung für die Henkel-Aktie, mit einem Kursziel von 70 Euro. Sie erinnern daran, dass Henkel in den letzten Jahren anhaltende Marktanteilsverluste hinnehmen musste, was sich negativ auf das organische Wachstum auswirkte. In solchen Phasen sei es nicht unüblich, dass Unternehmen nach Übernahmezielen Ausschau halten. Dass Henkel ausgerechnet ein angeschlagenes Unternehmen wie Olaplex in den Fokus nehme, sei jedoch aus ihrer Sicht fragwürdig. Bevor man sich auf M&A-Aktivitäten konzentriere, solle der Konzern zunächst seine internen Probleme lösen, so das Fazit von Bernstein.