Der deutsche Medizintechnikhersteller Gerresheimer erwartet, dass eine umfassendere Untersuchung seiner Bilanzierungspraktiken die Ergebnisse für das Jahr 2025 beeinträchtigen wird. Das Unternehmen hat zudem den Verkauf seines US-Verpackungsgeschäfts Centor eingeleitet, um seine Kapitalstruktur zu verbessern.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte im September eine Überprüfung der Gerresheimer-Finanzberichte zum Stichtag 30. November 2024 angekündigt. Grund dafür waren Bedenken, dass das Unternehmen bei einigen Kundenverträgen Umsätze zu früh verbucht haben könnte.

Seitdem hat sich das Unternehmen von CEO Dietmar Siemssen getrennt, nachdem mehrere Gewinnwarnungen und ein starker Kursrückgang der Aktie erfolgt waren. Bernd Metzner war bereits einige Monate zuvor als CFO zurückgetreten.

Gerresheimer teilte am Dienstag mit, dass ein zweites Wirtschaftsprüfungsunternehmen beauftragt wurde, die Umsatzrealisierung und Bilanzierung für die Jahre 2024 und 2025 zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Prüfung werden laut Unternehmen Auswirkungen auf den Ausblick für 2025 haben.

"Nach den bisherigen Erkenntnissen deuten die vom Unternehmen eingeleiteten neuen Untersuchungen darauf hin, dass einzelne Mitarbeiter interne Richtlinien sowie Anforderungen der IFRS (International Financial Reporting Standards) verletzt haben", erklärte Gerresheimer.

Das Unternehmen verschob die Veröffentlichung seiner Ergebnisse, die ursprünglich für den 26. Februar geplant war, unter Verweis auf die laufende Untersuchung. Ein neuer Termin werde in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer festgelegt, hieß es.

Gerresheimer erwartet, dass der Umsatzrückgang im Jahr 2025 am oberen Ende der zuvor prognostizierten Spanne von minus 4 % bis minus 2 % liegen wird oder sich geringfügig besser entwickelt.

Außerdem senkte das Unternehmen seine Prognose für die EBITDA-Marge auf einen Bereich zwischen 16,5 % und 17,5 %, nach zuvor 18,5 % bis 19,0 %. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird nun voraussichtlich im hohen zweistelligen Prozentbereich rückläufig sein und könnte negativ werden.

Für das Jahr 2026 rechnet das Unternehmen mit Umsätzen von rund 2,3 Milliarden bis 2,4 Milliarden Euro (2,73 Milliarden bis 2,85 Milliarden US-Dollar).

Ein Verkauf des Geschäftsbereichs Formglas wird im Jahr 2026 nicht eingeleitet werden, fügte das Unternehmen hinzu.