München, 15. Apr (Reuters) - Der angeschlagene Verpackungskonzern Gerresheimer hat von seinen Banken und Schuldschein-Gläubigern mehr Zeit für die Lösung seiner Bilanzierungsprobleme bekommen. Die Banken sowie 96 Prozent der Schuldschein-Gläubiger hätten die Frist für die Vorlage des testierten Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2024/25 (per Ende November) bis Ende September verlängert, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in Düsseldorf mit. Eine verspätete Vorlage der Bilanz gäbe den Gläubigern eigentlich das Recht, Kredite und Anleihen zu kündigen. Die Banken verzichten bis Ende August auch auf ihr Kündigungsrecht für den Fall, dass Gerresheimer höher verschuldet ist als nach den Kreditauflagen erlaubt.
Gerresheimer ringt mit seinen Abschlussprüfern seit Monaten um die richtige Bilanzierung. Die Finanzaufsicht BaFin hatte dem Unternehmen im Herbst Bilanzierungsfehler vorgeworfen. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüft zurzeit Geschäfte aus den Jahren 2024 und 2025 und ihre Verbuchung in der Bilanz. Das verzögert die Aufstellung des Jahresabschlusses voraussichtlich bis Juni. Wegen der Verspätung war Gerresheimer vor kurzem auch aus dem Kleinwerteindex SDax geflogen. Das Unternehmen selbst peile weiterhin eine Fertigstellung der Bilanz bis Ende Juni an, hieß es in der Mitteilung.
"Wir freuen uns sehr über die breite Unterstützung durch unsere Kreditgeber. So können wir die im Rahmen unserer Untersuchungen identifizierten Geschäftsvorgänge weiter transparent aufarbeiten und unseren Jahres- und Konzernabschluss 2025 finalisieren", erklärte Finanzvorstand Wolf Lehmann. "Wir haben mit dem Verkauf von Centor zudem eine klare Strategie, wie wir noch in diesem Jahr unsere Kapitalstruktur signifikant verbessern."
Gerresheimer hatte die Tochter Centor, die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA herstellt, im Februar zum Verkauf gestellt, um die Schuldenlast zu senken. Gerresheimer hatte die US-Firma vor elf Jahren für 725 Millionen Dollar gekauft. Die Investmentbank Morgan Stanley soll noch in diesem Jahr einen neuen Eigentümer finden. Es gebe eine zweistellige Zahl von Interessenten, teilte Gerresheimer mit. Das neue Geschäftsjahr habe sich im Konzern im Rahmen der Erwartungen entwickelt. "Die Auftragslage ist solide."
(Bericht von Alexander HübnerRedigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















