Gedämpfte Zinshoffnungen

Obwohl die Entscheidung selbst keine Überraschung darstellte, enttäuschte Jerome Powell Anleger, die fest auf eine Zinssenkung im September gesetzt hatten: „Wir haben für September keine Entscheidung getroffen“, sagte der Fed-Präsident. Die Notenbank wolle zunächst weitere Daten abwarten – ohne sicher zu sein, dass die verbleibenden zwei Monate bis zur nächsten Sitzung ausreichend Klarheit bringen werden.

In der Folge sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September laut dem FedWatch-Tool der CME Group auf unter 50 %. Der US-Dollar legte gegenüber einem Währungskorb um 0,96 % zu und erreichte ein Zwei-Monats-Hoch. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen ebenfalls um mehrere Basispunkte. Die wichtigsten US-Aktienindizes kehrten im späten Handel ins Minus.

Trotzdem bezeichnet die Fed ihre Geldpolitik weiterhin als „moderat restriktiv“. Eine Einschätzung, die sie mit Verweis auf die makroökonomischen Rahmendaten begründet: „Die Inflation liegt leicht über dem Ziel, die maximale Beschäftigung ist erreicht.“

Interne Uneinigkeit, aber keine Krise

Bemerkenswert an dieser Sitzung: Zum ersten Mal seit 1993 haben zwei von sieben Gouverneuren gegen den Mehrheitsbeschluss votiert. Michelle Bowman, Vizevorsitzende für Bankenaufsicht, und Christopher Waller sprachen sich für eine sofortige Zinssenkung um 25 Basispunkte aus.

Powell bemühte sich, die Bedeutung der abweichenden Stimmen zu relativieren: „Was man von jedem erwartet – auch von einem Dissidenten –, ist eine klare Erklärung der Argumente. Und genau das haben wir heute bekommen. Ich denke also, dass dies eine ziemlich gute Sitzung für uns alle war.“ Hätte Powell das Amt eines Fußball-Nationaltrainers, würde er wohl sagen: „Die Stimmung in der Mannschaft ist gut.“

Quellen: Fed von St. Louis, Bank of America

Kalkulierte Opposition – auch mit Blick auf die Nachfolge

Bowman und Waller dürften ihre abweichende Haltung nicht nur aus wirtschaftlicher Überzeugung heraus vertreten. Inhaltlich sind beide stärker besorgt über den Abschwung der US-Wirtschaft als der übrige FOMC und argumentieren, dass die jüngsten Zollmaßnahmen nur ein temporärer Schock seien, der keine nachhaltige Inflationswelle auslösen werde – und somit eine sofortige Zinssenkung rechtfertige.

Taktisch könnten beide aber auch ihre Position in der Nachfolge-Debatte um Jerome Powell stärken wollen, indem sie sich mit der Linie des Weißen Hauses annähern.

Dort nämlich erhöht man seit Monaten den Druck: Präsident Trump kritisierte die hohen Zinsen als „kostspielig für die USA“. Powell stellte jedoch klar, dass die Fed zwar einen Doppelauftrag verfolge – Preisstabilität und maximale Beschäftigung –, die Finanzierungskosten der Regierung aber nicht zu ihrem Mandat gehörten.

Abwarten und beobachten

Die Notenbank will nun zunächst beobachten, wie sich die kürzlich verhängten Importzölle auf die Wirtschaftsdaten auswirken, bevor ein neuer geldpolitischer Schritt in Erwägung gezogen wird. Powell machte gestern deutlich, dass auch der September noch keine Klarheit bringen dürfte: „Wir haben gelernt, dass dieser Prozess wahrscheinlich langsamer verläuft als anfangs erwartet. Und wir glauben, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, bevor wir wirklich verstehen, wie sich das entwickeln wird.“