Bis vor Kurzem konnte man sich noch darüber beklagen, dass sich die Finanznachrichten nur um zwei Themen drehten: Halbleiter und die Straße von Hormus - oder eben die Straße von Hormus und Halbleiter. Daran hat sich seit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen den USA und Iran kaum etwas geändert. Die gute Nachricht lautet, dass der Krieg für die Finanzmärkte nicht mehr im Mittelpunkt steht und der Ölpreis wieder in etwa auf dem Niveau vor der Krise liegt. Die schlechte Nachricht ist, dass uns damit praktisch nur noch ein einziges Thema bleibt.
Am Montag legten die Aktienmärkte dank der Halbleiterwerte zu, nachdem diese Ende vergangener Woche ins Straucheln geraten waren. Am Dienstag gaben die Märkte wegen der Halbleiterbranche nach – ausgelöst durch den Geschäftsausblick von Samsung, den wir bereits gestern Morgen thematisiert haben. Sollte sich auch der Mittwoch wieder ausschließlich um dieses Thema drehen, drohe ich damit... egal.
Abseits der täglichen Kursschwankungen lässt sich beobachten, dass die Dynamik bei Halbleiterwerten seit Ende Juni nachlässt. Gleichzeitig rücken die „Magnificent Seven“ wieder stärker in den Fokus. Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft schlossen gestern allesamt im Plus, obwohl der Nasdaq fast 2 % verlor. Hätte man uns zu Jahresbeginn gesagt, dass Mega-Caps der sicherste Hafen innerhalb des Aktienmarktes sein würden, hätten wir das kaum geglaubt.
Dennoch bleiben Halbleiter die großen Gewinner des Jahres. Der SOX-Index hat seit dem 1. Januar um 82 % zugelegt. Die Hyperscaler dagegen verzeichneten einen deutlich holprigeren Verlauf. Der Roundhill Mag 7 Index liegt 2026 bislang lediglich auf der Nulllinie. Eine derart schwache Entwicklung ist für diese Unternehmen ungewöhnlich und hat einigen Marktteilnehmern bereits den Begriff „Lag7“ statt „Mag7“ entlockt. Im Juni wurde die Divergenz besonders deutlich: Während Microsoft 17 % verlor, gewann Micron 19 %.
In den vergangenen Monaten haben die Hyperscaler ihre Investitionspläne kontinuierlich nach oben geschraubt – und der Markt verliert allmählich die Geduld. Gleichzeitig haben Anleger erkannt, dass irgendjemand die Bruttomarge von 85 % bei Micron finanzieren muss. Das bedeutet letztlich höhere iPhone-Preise bei Apple und steigende Xbox-Preise bei Microsoft.
Auf der Konjunkturseite stehen heute keine wichtigen Veröffentlichungen an. Die Anleger warten auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung, das um 20:00 Uhr veröffentlicht wird, sowie auf die Quartalszahlen von Costco nach Börsenschluss in den USA.
Damit bleibt genügend Zeit, den zweiten Tag des NATO-Gipfels in der Türkei zu verfolgen. Gestern traf Donald Trump Präsident Recep Tayyip Erdogan und signalisierte, dass er einer Rückkehr der Türkei in das F-35-Kampfjetprogramm offen gegenübersteht. Weniger großzügig zeigte er sich gegenüber den Europäern, denen er weiterhin vorwirft, ihn während des Kriegs mit dem Iran nicht ausreichend unterstützt zu haben.
Zudem wurden zahlreiche Rüstungsaufträge bekannt gegeben, die die Kurse der betroffenen Unternehmen allerdings kaum bewegten. Verteidigungswerte – insbesondere in Europa – hatten im Vorfeld des Gipfels in Ankara bereits deutlich zugelegt. Im vergangenen Jahr hatten die NATO-Mitglieder in Den Haag vereinbart, ihre Verteidigungsausgaben auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. In diesem Jahr steht vor allem der Ausbau der Waffenproduktion im Mittelpunkt.
Außerdem im Fokus:
- Die USA haben die befristete Genehmigung für iranische Ölexporte aufgehoben und nach Angriffen auf mehrere Öltanker in der Straße von Hormus eine neue Angriffswelle gegen Ziele in Iran durchgeführt. Die Revolutionsgarden reagierten heute Morgen mit Angriffen auf US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait.
- In Frankreich kündigte Marine Le Pen gestern Abend ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl an. Nach der Bestätigung ihrer Verurteilung in zweiter Instanz will sie den Kassationsgerichtshof anrufen.
- Nigel Farage hat sein Mandat als Abgeordneter niedergelegt und damit eine Nachwahl in seinem Wahlkreis ausgelöst.
Wirtschaftliche Höhepunkte:
Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,142
- Gold: 4.128,41
- Rohöl (Brent): 76,5
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,55 %
- BITCOIN: 62.557,6
In den Nachrichten:
- Rheinmetall: 900 Stellen im Bereich Marinesysteme werden vorerst nicht besetzt, nachdem ein Auftrag aus Deutschland verloren ging.
- BASF: Das Geschäft in China entwickelt sich sehr stark, während das Stammwerk Kosten senken muss.
- Kion: Die Aktie fällt dank positiver Analystenkommentare weniger stark als der MDax.
- Hugo Boss: Die Marke gewinnt an Sichtbarkeit, nachdem ein Hemd von US-Trainer Pochettino viral ging.
- Aroundtown: Das Unternehmen begibt eine vorrangige Anleihe über 850 Mio. EUR und kündigt ein Rückkaufangebot an.
- Commerzbank: UniCredit will die Ergebnisse ihres öffentlichen Angebots bekannt geben und hält inzwischen fast 60% der Anteile.
- GSK: Das Unternehmen hat mit einer Tochtergesellschaft von Sino Biopharmaceutical eine Vermarktungsvereinbarung für Atemwegstherapien geschlossen.
- HSBC: Die Bank überprüft ihr Privatkundengeschäft und ihre Unternehmensfinanzierung in der Türkei, um sich stärker auf das internationale Geschäft zu konzentrieren.
- AstraZeneca: Das Unternehmen hat in China eine exklusive Lizenzvereinbarung für eine experimentelle COPD-Behandlung geschlossen. Die erste Zahlung beträgt 200 Mio. USD.
- Santander: Die Bank hat laut FT ihren leitenden Banker in China abgelöst und kürzt Mitarbeiterleistungen in Asien.
- Energy Resources of Australia: Ein Aktionär ficht die Zwangsübernahme durch Rio Tinto vor Gericht an.
- Zurich Insurance: Die Europäische Kommission hat die Übernahme von Beazley genehmigt.
- TechnipFMC: Das Unternehmen hat mehrere Offshore-Aufträge von Equinor für Projekte in Norwegen erhalten.
- OpenAI: Das Unternehmen kündigt für Donnerstag den öffentlichen Start seines neuen KI-Modells GPT-5.6 an.
- Netflix: Das Unternehmen schließt Vereinbarungen mit Medienunternehmen, um deren Videos zu streamen.
- T-Mobile US: Das Unternehmen ernennt einen neuen Leiter seiner Enterprise-Sparte.
- BlackRock: Das Unternehmen und Stonepeak prüfen die Übernahme eines brasilianischen Hafens im Wert von 5 Mrd. USD.
- Prologis: Das Unternehmen und NBIM Nerva haben von der Europäischen Kommission grünes Licht für den Erwerb einer Logistikimmobilie in Deutschland erhalten.
- Lockheed Martin: Das Unternehmen hat Aufträge des US-Verteidigungsministeriums im Wert von 607,4 Mio. USD erhalten.
- Enterprise Products Partners: Das Unternehmen erhöht seine Quartalsausschüttung von 0,55 USD auf 0,56 USD je Anteil. Die Auszahlung ist für den 14. August geplant.
- SK Hynix: Der Börsengang an der Nasdaq war mehrfach überzeichnet.
- BHP: Beschäftigte haben für Streiks am 16. und 18. Juli an Standorten in Westaustralien gestimmt, darunter Port Hedland.
- Die wichtigsten Ergebnisveröffentlichungen des Tages: Costco Wholesale, Unite, Pennon.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Aurubis AG: Morgan Stanley bestätigt Equal Weight und senkt das Kursziel von 181 EUR auf 177 EUR.
- Kuros Biosciences AG: Berenberg nimmt die Coverage mit Buy und einem Kursziel von 32 CHF auf.
- Dormakaba Holding AG: Research Partners AG bestätigt Buy und senkt das Kursziel von 78 CHF auf 69 CHF.
- Adidas: Rothschild & Co Redburn bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 210 EUR auf 235 EUR.
- Scout24 SE: Berenberg bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 100 EUR auf 140 EUR.
- Galderma Group AG: RBC Capital bestätigt Sector Perform und erhöht das Kursziel von 155 CHF auf 175 CHF.
- Salzgitter AG: BNP Paribas bestätigt Outperform und erhöht das Kursziel von 64 EUR auf 79 EUR.
- SAP SE: Oddo BHF bestätigt Outperform und senkt das Kursziel von 208 EUR auf 200 EUR.
- Swiss Prime Site AG: Bank Vontobel AG bestätigt Hold und senkt das Kursziel von 143 CHF auf 142 CHF.
- UBS Group AG: Bank Vontobel AG bestätigt Hold und erhöht das Kursziel von 36 CHF auf 38,50 CHF.
- Lufthansa: Barclays bestätigt Underweight und erhöht das Kursziel von 6,80 EUR auf 7,75 EUR.
- TUI AG: Barclays bestätigt Overweight und erhöht das Kursziel von 9 EUR auf 10 EUR.
- Logitech International SA: Morgan Stanley bestätigt Underweight und senkt das Kursziel von 89 USD auf 88 USD.
- RWE AG: UBS bestätigt Buy und erhöht das Kursziel von 65 EUR auf 66 EUR.
- flatexDEGIRO AG: Barclays bestätigt Overweight und erhöht das Kursziel von 41 EUR auf 42 EUR.
- DHL Group: Barclays bestätigt Overweight und erhöht das Kursziel von 59 EUR auf 62 EUR.
- Burkhalter Holding AG: UBS bestätigt Neutral und erhöht das Kursziel von 133 CHF auf 140 CHF.


















