Wette auf den „deutschen Stimulus“: Potenzial von bis zu 35 %

Trotz eines Kursrückgangs von 13 % innerhalb einer Woche bekräftigt die Deutsche Bank ihre Zuversicht in ihren vollständig auf Deutschland ausgerichteten Aktienkorb. Die Strategen gehen davon aus, dass das unerwartet angespannte internationale Umfeld die deutsche Regierung nicht bremsen, sondern im Gegenteil zu einer schnelleren Ausweitung der Fiskalpolitik bewegen könnte. Das zusätzliche Stimuluspotenzial wird auf rund 0,9 % des Bruttoinlandsprodukts geschätzt und dürfte zugleich den politischen Willen zur strategischen Autonomie stärken.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Bank ein Portfolio aus zehn industriellen und zyklischen Titeln, das auf dieses Szenario ausgerichtet ist und ein durchschnittliches Kurspotenzial von rund 35 % bieten soll. Angeführt wird die Auswahl vom Reiseveranstalter TUI mit einem geschätzten Aufwärtspotenzial von 68 %. Dahinter folgen Bauzulieferer wie Heidelberg mit rund 45 % sowie Technologiewerte wie der IT-Dienstleister Bechtle, dem ebenfalls etwa 45 % Kurspotenzial zugeschrieben wird.

Ergänzt wird die Liste durch Unternehmen aus den Bereichen Logistik und Energie, darunter der Gabelstaplerhersteller Kion mit einem erwarteten Aufwärtspotenzial von 38 % sowie Siemens Energy mit rund 15 %. Auch Volkswagen und Commerzbank gehören zu dieser Auswahl.

Software: „Der Höhepunkt der KI-Ängste ist überschritten“

Der zweite zentrale Punkt der Studie betrifft den Technologiesektor. Die Deutsche Bank hat ihre Einschätzung für europäische Softwarewerte von „Neutral“ auf „Übergewichten“ angehoben, nachdem der Sektor infolge der Sorgen über eine mögliche „Disruption durch künstliche Intelligenz“ sechs Monate lang unter Druck stand und in Europa um rund 23 % gefallen ist.

Nach Ansicht der Analysten ist das negative Narrativ inzwischen überzogen. „Die Fakten erzählen eine andere Geschichte“, heißt es in der Studie. Tatsächlich seien die Gewinne des Sektors im letzten Quartal um 29 % gestiegen.

Aus Sicht der Bank übersieht der Markt zwei wesentliche positive Effekte der KI: Zum einen sinken die Kosten für Softwareentwicklung drastisch, zum anderen verbessert die Integration generativer KI die Produkte selbst.

Da die Bewertungen inzwischen auf historisch niedrigen Niveaus im Vergleich zum Gesamtmarkt liegen, preise der Sektor derzeit keinerlei überdurchschnittliches Wachstum mehr ein. Diese Situation stellt nach Einschätzung der Deutschen Bank eine Marktanomalie dar, die Anleger jetzt nutzen sollten.

Die Karte der europäischen Resilienz

Mit der Anhebung der Empfehlung für den gesamten Technologiesektor von „Untergewichten“ auf „Neutral“ und der erneuten Betonung deutscher Zykliker setzt die Deutsche Bank auf die Widerstandsfähigkeit Europas.

Die Botschaft der Strategen ist klar: Der jüngste Kurseinbruch markiert ihrer Ansicht nach nicht den Beginn eines nachhaltigen Bärenmarktes, sondern vielmehr eine Gelegenheit für Investoren, sich wieder in Titeln zu positionieren, die in der Korrektur zu stark abgestraft wurden.