Das in New Jersey ansässige Unternehmen kauft Rechenleistung bei Nvidia ein und vermietet diese – in Partnerschaft mit Betreibern von Rechenzentren – an die großen Namen der KI-Branche. Zuletzt etwa an Meta im Rahmen eines Mega-Deals über 21 Milliarden Dollar. Auf diese Weise lagern die Kunden ihre kapitalintensiven Infrastrukturinvestitionen bequem aus.

Optimisten argumentieren, dass alle Beteiligten profitieren – ähnlich wie bei einem Transportunternehmen, das seine Fahrzeugflotte least, oder einer Hotelkette, die ihre Immobilien anmietet. Skeptiker hingegen weisen darauf hin, dass CoreWeave letztlich das Risiko trägt: Das Unternehmen muss technologische Vermögenswerte zu möglicherweise überhöhten Preisen erwerben, die rasch an Wert verlieren können.

Ungeachtet dessen reitet CoreWeave die Welle. 2022 lag der Umsatz noch bei lediglich 16 Millionen Dollar. 2025 überschritt er bereits die Marke von fünf Milliarden Dollar – und dürfte sich sowohl 2026 als auch 2027 jeweils erneut verdoppeln. Das Wachstum ist damit geradezu explosionsartig und steht in engem Zusammenhang mit dem Aufstieg des Chipentwicklers Nvidia.

In den vergangenen vier Jahren hat CoreWeave rund 22 Milliarden Dollar investiert. Zur Finanzierung nahm das Unternehmen 20 Milliarden Dollar an Schulden auf und gab zusätzlich Aktien im Volumen von drei Milliarden Dollar aus. Der Kapitalbedarf dürfte weiter massiv steigen: Für 2026 rechnen Analysten mit Investitionen, die sich gegenüber 2025 von 10 auf 30 Milliarden Dollar verdreifachen.

Diese spektakuläre Expansion geht jedoch mit einer angespannten Finanzstruktur einher. Die Gewinn- und Verlustrechnung ist tiefrot, die Nettoverschuldung liegt bereits beim mehr als Zehnfachen des EBITDA. Allein die Zinslast verschlang 2025 über ein Fünftel des Umsatzes.

Um die akute Finanzierungssituation zu entschärfen, beteiligte sich Nvidia im Januar mit zwei Milliarden Dollar an einer Kapitalerhöhung. Der Chipkonzern war bereits zuvor zweitgrößter Aktionär hinter dem Hedgefonds Magnetar Capital Partners. Die Transaktion nährte naturgemäß Diskussionen über mögliche Interessenkonflikte – denn es gilt als problematisch, wenn ein zentraler Lieferant zugleich maßgeblichen Einfluss auf seinen Abnehmer ausübt.

Eine belastbare Bewertung von CoreWeave ist kaum möglich. Das Unternehmen operiert in einem hybriden „Neocloud“-Modell, dessen Dynamik von zahlreichen Unwägbarkeiten geprägt ist. Die Mitglieder des Managements scheinen dennoch eine klare Vorstellung von der weiteren Entwicklung zu haben – sie haben zuletzt jedenfalls in größerem Umfang eigene Aktien verkauft.