Chery beabsichtigt, seine Fahrzeugproduktion in Europa durch Partnerschaften mit anderen Automobilherstellern auszuweiten, um bestehende Werke zu nutzen. Dies erklärten hochrangige Führungskräfte des chinesischen Autobauers auf einer Veranstaltung in Paris.

"Das Unternehmen sucht nach weiteren Produktionskapazitäten in Europa", sagte Lionel French Keogh, Chief Commercial Officer für Frankreich bei Chery Automobile, gegenüber Reuters am Rande eines Launch-Events für die Marken Omoda und Jaecoo, das am späten Freitag in Frankreich stattfand.

Chery-Chef Yin Tongyue erklärte vor Journalisten, dass das Unternehmen die Nutzung vorhandener Kapazitäten massiven Investitionen in neue Montagewerke vorziehe.

"Diese Prozesse erfordern Zeit und Engagement, vor allem aber den Aufbau der richtigen lokalen Partnerschaften", so Yin. "Ich hoffe sehr, dass wir in den kommenden Monaten Neuigkeiten mit Ihnen teilen können."

Yin lehnte es ab, sich dazu zu äussern, mit welchen Automobilherstellern Gespräche geführt werden oder wie viele Länder in Betracht gezogen werden. Er bestätigte jedoch, dass Frankreich auf der Liste der potenziellen Standorte stehe.

Wie der chinesische Rivale BYD verzeichnet auch Chery seit dem Verkaufsstart in Europa im Jahr 2023 ein rasantes Wachstum. Im vergangenen Jahr stiegen die europäischen Absatzzahlen laut Daten der Automobilberatung Dataforce fast um das Sechsfache auf 120.147 Fahrzeuge, verglichen mit 17.035 im Jahr 2024.

Eine Vielzahl chinesischer Marken ist bereits in Europa präsent, weitere planen ihren Markteintritt auf dem Kontinent. Chery, Chinas grösster Autoexporteur, hat bereits über ein Joint Venture mit Ebro in ein ehemaliges Nissan-Montagewerk in Barcelona investiert. Der Autobauer strebt an, in diesem Werk bis 2029 eine Jahresproduktion von 200.000 Einheiten zu erreichen.

Dies werde jedoch nicht ausreichen, um die Nachfrage nach den Fahrzeugen des Unternehmens zu decken, sich an die EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge anzupassen oder die europäischen Anforderungen an die lokale Wertschöpfung zu erfüllen, so die Führungskräfte.

Frankreich ist einer der letzten grossen europäischen Automärkte, in denen Chery seine Modelle Jaecoo und Omoda einführt. Das Unternehmen wird im vierten Quartal zudem ein Modell seiner Kernmarke Chery auf den Markt bringen und könnte bis Ende des Jahres auch ein kleines Elektro-SUV in Frankreich einführen, hiess es weiter.

Der Automobilhersteller gab kürzlich bekannt, dass er seine Marke Lepas in Europa einführen wird.

Im vergangenen Jahr stieg der weltweite Absatz von Chery um fast 7% auf 2,8 Millionen Fahrzeuge. Auf die Auslandsmärkte ausserhalb Chinas entfielen dabei mehr als 47% des Absatzes. (Berichterstattung durch Gilles Guillaume; Redaktion durch Keith Weir)