CCL ist die stille Legende hinter zahlreichen Marken und verantwortlich für Etiketten auf Shampooflaschen bis hin zu Autoreifen. Dieses in Toronto ansässige Kraftpaket ist nicht ohne Grund der weltweit größte Etikettenhersteller. Durch die Beherrschung des „klebrigen“ Geschäfts hat das Unternehmen ein gigantisches Imperium im Wert von 14,5 Milliarden Kanadischen Dollar aufgebaut.

Abgesehen von den globalen Unsicherheiten muss sich CCL Industries auch mit dem Einkaufsverhalten der Verbraucher auseinandersetzen. Die US-Wirtschaft steuert zwar auf ein Wachstum von 4,4% zu, aber es gibt einen Haken: Konsumenten bevorzugen „Erlebnisse“ (wie Reisen und Konzerte) gegenüber physischen Produkten. Das ist eine schlechte Nachricht für CCL Industries. Die Folge? Das Unternehmen steht unter echtem Druck, die Margen zu halten, während sich die weltweiten Ausgaben verlagern.

Einkaufsbummel für neue Geschäfte

Die Strategie von CCL Industries besteht darin, durch Zukäufe dem schleppenden Weltmarkt einen Schritt voraus zu sein. Der neueste Coup? Zu den jüngsten Übernahmen gehört der niederländische Weltmarktführer ALT Technologies, um den lukrativen Markt für Fahrzeugsicherheit zu dominieren. Übrigens: ALT meldete einen Jahresumsatz von 67 Millionen US-Dollar mit einer soliden bereinigten EBITDA-Marge von 11,3% im Geschäftsjahr 25.

Und das ist nicht alles. Im Oktober 2025 gab CCL Industries 19 Millionen US-Dollar aus, um die Idesco Holding Corporation (und deren Tochtergesellschaft IDSecurityonline.com), einen New Yorker Spezialisten für Sicherheitsausweise und Identifikation, zu übernehmen. Die Hoffnung: Diese beiden neuen Unternehmen sollen so schnell wie möglich Gewinne beisteuern.

Die Zollfalle

Der Schritt ist nachvollziehbar, denn das Kerngeschäft musste sich zuletzt gegen Zölle und saisonale Spitzen behaupten. CCL Industries erzielte einen Umsatzsprung von 6,3% und erreichte im dritten Quartal 25 einen Wert von 1,96 Milliarden CAD, gestützt von 3,7% organischem Wachstum und einem positiven Währungseffekt von 2,5%. Das ist auch ein leichter Anstieg gegenüber den 1,93 Milliarden CAD aus dem zweiten Quartal 25. Auf der Gewinnseite verbuchte das Unternehmen 210,8 Millionen CAD. Das sind zwar solide 10% mehr als im Vorjahr, aber ein leichter Rückgang von 1,1% gegenüber den 213,1 Millionen CAD aus dem Vorquartal.

Das Kerngeschäft CCL steuerte im dritten Quartal 25 dank organischen Wachstums 1,26 Milliarden CAD bei. Ein weiteres Segment, Checkpoint, behauptete sich mit einem Umsatzanstieg auf 255,3 Millionen CAD, musste sich jedoch gegen US-Zölle auf aus China importierte Bekleidungsetiketten zur Wehr setzen.

Unterdessen blieben die Umsätze im Avery-Segment mit 279,3 Millionen CAD nahezu unverändert, was auf unerwartete Zölle auf Ringordner während der Hochsaison zum Schulbeginn sowie auf einen insgesamt schwachen Markt für Bürobedarf zurückzuführen ist.

Schicht für Schicht

Die Bemühungen des Unternehmens lassen Investoren auf das große Ganze blicken. Im vergangenen Jahr stieg der Aktienkurs um rund 15,6%. Aktuell notiert die Aktie bei 83,46 CAD, nachdem sie Ende Januar 2026 ein Allzeithoch von 89,16 CAD erreicht hatte. Zum Vergleich: In den letzten 12 Monaten schwankte der Kurs zwischen einem 52-Wochen-Tief von 64,93 CAD und dem genannten Rekordhoch.

Analysten setzen das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel auf 98,00 CAD, was einem Aufwärtspotenzial von 17% gegenüber dem aktuellen Niveau (83,46 CAD) entspricht. Von zehn Analysten, die die Aktie beobachten, geben neun eine klare Kaufempfehlung ab – ein fast einstimmiges „Buy“.

Makroökonomische Kopfschmerzen

Angesichts des volatilen globalen Umfelds wird dieser Optimismus mit Vorsicht betrachtet, denn das Management warnt vor erheblichen Risiken. An erster Stelle steht das Thema „Handelskrieg“. Plötzliche US-Zölle auf Produkte wie Ringordner haben direkt die Margen des Avery-Segments belastet. Da CCL Industries weltweit aktiv ist, steht das Unternehmen ständig im Fadenkreuz von Handelskonflikten, insbesondere zwischen den USA und China. Jede plötzliche Eskalation oder ein Handelsstopp ist eine unmittelbare Belastung für die Lieferkette.

Das zweite Problem betrifft das Konsumverhalten: Selbst bei einem US-BIP-Wachstum von 4,4% geben die Menschen ihr Geld lieber für Reisen und Konzerte aus als für die physischen Produkte, die Etiketten benötigen. Bleibt dieser Trend bestehen, dürfte die Nachfrage nach Etiketten in Nordamerika und Europa weiter verhalten bleiben.