Dass der weltweit größte Brauereikonzern wieder ein Volumenwachstum erzielt – worüber man sich allerdings noch nicht zu früh freuen sollte, wie wir Anfang der Woche in AB InBev bleibt mit Vorsicht zu geniessen geschrieben haben –, genügt derzeit, um den gesamten Sektor in Euphorie zu versetzen.
Wenn dagegen Campari, obwohl der Konzern auf einigen der wenigen derzeit angesagten Nischen des Spirituosensektors positioniert ist, den Markt mit seinen Quartalszahlen enttäuscht, leidet die gesamte Branche mit – wenn auch weniger stark als der italienische Konzern selbst, dessen Aktie an der Börse in Mailand zweistellig einbricht.
Vor 18 Monaten schrieben wir an gleicher Stelle, dass Campari und sein Ankeraktionär ein bemerkenswertes Gespür für Timing bewiesen hätten.
Wie bereits bei seinem Vorstoß in den Bourbon-Markt während der Subprime-Krise griff der Konzern erneut im richtigen Moment zu und übernahm Courvoisier mitten in der Krise des Cognac-Sektors. Gleichzeitig verschaffte sich Campari damit eine privilegierte Brückenkopfposition in den Vereinigten Staaten.
Hinzu kam die bemerkenswerte Transaktion der Familie Garavoglia: Im August 2023 – auf dem Höhepunkt der Bewertung – traf sie Vorkehrungen, um bis zur Hälfte ihrer Beteiligung zu verkaufen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Im September 2024 – am Tiefpunkt – kündigte sie dagegen an, erneut Kapital zu investieren.
Hoch verkaufen, tief kaufen: Campari und die Familie Garavoglia haben sich diese alte Börsenweisheit offensichtlich zu eigen gemacht.
Dennoch hat die Übernahme von Courvoisier bislang nur begrenzte Auswirkungen auf das Wachstum, da der Umsatz des italienischen Spirituosenkonzerns seit drei Jahren stagniert. Gleichzeitig liegt die Profitabilität weiterhin deutlich unter jener von Wettbewerbern wie Diageo, Pernod Ricard oder Brown-Forman – obwohl die Bilanzkennzahlen vergleichbar sind.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Campari in den vergangenen zehn Jahren sowohl seinen Umsatz als auch den Gewinn je Aktie verdoppeln konnte – eine Leistung, die keiner der drei genannten Wettbewerber erreicht hat.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Premiumbewertung des italienischen Konzerns nicht völlig unverdient: Campari wird derzeit mit dem 13-Fachen des EBITDA bewertet, gegenüber dem 12-Fachen bei Brown-Forman, dem 11-Fachen bei Diageo und dem 10-Fachen bei Pernod Ricard.



















