Frankfurt, 05. Mai (Reuters) - Nach einer Reihe überraschend starker Konzernbilanzen haben die großen Börsen am Dienstag ins Plus gedreht. Anhaltende Sorgen über die Lage im Nahen Osten grenzten die Gewinne jedoch ein. Der Dax notierte zum Handelsschluss 1,7 Prozent höher bei 24.401 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann 1,8 Prozent auf 5869 Zähler. "Solange die Unternehmen Geld verdienen, sorgt das für gute Stimmung", resümierte Fiona Cincotta, Chefanalystin beim Broker City Index.

Gefragt nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen waren unter anderem die Aktien von Anheuser-Busch InBev, Hugo Boss, Rheinmetall und UniCredit. Für Gesprächsstoff sorgte auch das Übernahmeangebot von UniCredit für die Commerzbank. Die Aktien des Frankfurter Geldhauses gewannen daraufhin 4,5 Prozent auf 35,55 Euro und lagen damit deutlich über dem rechnerischen Angebotspreis der UniCredit-Offerte von knapp 33 Euro. Aus den Depots flogen hingegen die Papiere von Fresenius Medical Care und Fraport nach der Veröffentlichung von Geschäftszahlen.

WAFFENRUHE IN GEFAHR

Die wichtigsten US-Indizes legten nach überraschend starken Firmenzahlen leicht zu. "Da keine Anzeichen für eine Verlangsamung in Sicht sind, werden die Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) wahrscheinlich weiterhin die Hauptlast des Gewinnwachstums im S&P 500 tragen, angeführt vom Technologie-Sektor", sagte Jeff Buchbinder, Chefstratege bei LPL Financial. Nun warten Anleger auf die Zahlen des Nvidia-Konkurrenten AMD, die nach US-Börsenschluss veröffentlicht werden.

Im Fokus steht zudem nach wie vor die Geopolitik. Die brüchige Waffenruhe am Golf gerät nach neuen Gefechten zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle über die Straße von Hormus in Gefahr. Die Führung in Teheran warnte am Dienstag, sie habe mit ihren Bemühungen zur Festigung ihrer Macht über die strategisch wichtige Wasserstraße "noch nicht einmal begonnen". US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, der laufende US-Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen sei vorübergehend und die seit vier Wochen geltende Waffenruhe nicht beendet. "Wir sind nicht auf einen Kampf aus", sagte er vor Journalisten in Washington. "Im Moment hält die Waffenruhe sicherlich, aber wir werden das sehr, sehr genau beobachten."

BITCOIN ÜBER 81.000 DOLLAR

Sorgen über mögliche Engpässe trieben die Ölpreise am Montag um rund drei und fünf Prozent nach oben. Am Dienstag gaben die Preise um 3,4 und vier Prozent nach. "Dass das von Maersk betriebene Schiff erfolgreich unter Eskorte auslaufen konnte, hat die unmittelbaren Sorgen vor Lieferkettenstörungen gedämpft", sagte Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade. Dies zeige, dass sichere Durchfahrten durch die Straße von Hormus in begrenztem Umfang möglich seien. Allerdings sei es nach wie vor ein einmaliges Ereignis und keine vollständige Wiederöffnung, fügte er hinzu.

Deutsche Unternehmen spüren die Folgen des Iran-Krieges vor allem bei ihren Aktivitäten im Nahen Osten. "Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung hat sich zerschlagen", sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, unter Verweis auf eine neue Umfrage. Am stärksten betroffen sind deutsche Unternehmen, die in der Golfregion aktiv sind. Hier sei die Bewertung der aktuellen Geschäftslage regelrecht eingebrochen.

Trotz der Spannungen im Nahen Osten griffen Anleger erneut beim Bitcoin zu. Die umsatzstärkste Kryptowährung verteuerte sich um 1,9 Prozent auf 81.424 Dollar. Im vergangenen Monat hat sie um rund 20 Prozent zugelegt. "Die aktuelle Bewegung wird vor allem durch ein gestiegenes institutionelles Interesse, Zuflüsse in Bitcoin-ETFs sowie marktmechanische Effekte getragen, nicht primär durch kurzfristige Spekulation", erläuterte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.

(Bericht von Sanne Schimanski. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)