Die Ökonomen der DZ Bank sehen mit Blick auf den Nahen Osten drei Szenarien für Krieg, Wirtschaft und Finanzmärkte. Der Konflikt habe sich mittlerweile in der gesamten Region ausgebreitet. Der Ausgang sei weiterhin ungewiss, was am Finanzmarkt zu volatilen Reaktionen geführt habe.

In einem ersten Szenario, für das die Experten mit 60 Prozent die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit sehen, kommt es auf kurze Sicht zu einer Deeskalation. In Szenario 2 beenden die USA die Kampfhandlungen, Spannungen im Nahen Osten dauern aber dennoch an (30% Wahrscheinlichkeit). In Szenario 3, ihrem Risiko-/Stress-Szenario, eskaliert die Lage weiter und die Straße von Hormus bleibt bis auf Weiteres gesperrt (10%)

Im ersten Szenario dürften auf Sicht von drei Monaten die Ölpreise Richtung 65/60 Dollar fallen, die Prognosen für das Wachstum blieben unverändert und die Inflation dürfte sich temporär im März und April erhöhen. Danach dürfte sie zu niedrigeren Raten zurückkehren. Seitens der EZB wäre dann eine erste Zinserhöhung Mitte 2027 zu erwarten, von der US-Notenbank dürften im laufenden Jahr zwei Senkungen kommen.

Im 30-Prozent-Szenario der DZ-Experten bleiben die Ölpreise dauerhaft bei 80 Dollar je Barrel erhöht, das Wachstum dürfte dadurch leicht schwächer ausfallen - je 10 Dollar beim Ölpreis 0,1 Prozentpunkt über den Prognosehorizont. Die Jahresrate 2027 dürfte aber wieder höher als die 2026 sein. Für die Inflation veranschlagt die DZ ebenfalls pro 10 Dollar mehr beim Ölpreis einen Aufschlag von 0,1 Prozentpunkt. Dazu dürfte die Inflation in der Eurozone auch 2027 höher bleiben, u.a. aufgrund von Zweitrundeneffekten. Auch in den USA dürfte die Inflation 2026 höher ausfallen. In diesem Fall dürfte die EZB die erste Zinserhöhung nach vorne ziehen, aber vorsichtig agieren. Von der US-Notenbank dürfte dann im laufenden Jahr nur eine Zinssenkung zu erwarten sein.

Im Krisen-Szenario bleibt der Ölpreis dauerhaft hoch bei 110 Dollar, mit noch deutlich höheren Spitzenpreisen. In der Folge komme es dann zu einer Stagflation bis hin zu rezessiven Tendenzen. Auf globaler Ebene sei mit einem deutlichen Inflationsschub zu rechnen, Zweitrundeneffekte dürften sich auch auf die Inflation 2027 auswirken. Die Zentralbanken wären in dieser Situation gezwungen, auf rapide steigende Inflation und Inflationserwartungen zu reagieren. Die EZB dürfte mehrmals die Zinsen anheben, und die Fed geplante Zinssenkungen absagen.

Mit Blick auf die Aktienmärkte bedeutet das für die Analysten, dass sie im ersten Szenario ihre Kursziele zu Jahresmitte und Jahresende 2026 bestätigen. Mithin sehen sie den S&P-500 dann weiter bei 7.600 bzw. 8.000 Punkten, den DAX bei 26.500 bzw. 27.500 Punkten.

Im zweiten Szenario trauen die DZ-Analysten dem S&P-500 erst für das Jahresende 7.600 Punkte zu, dem DAX die 26.500 Punkte ebenfalls erst zum Jahresende.

Im ungünstigsten Fall (Szenario 3) erwarten sie im Vergleich zum Basisszenario, dass die Aktienindizes zwischen 10 und 15 Prozent schlechter abschneiden. Zum Jahresende dürfte der S&P-500 somit bei 6.900 Punkten liegen, der DAX bei rund 24.000.

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DJG/gos/cln


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March 10, 2026 08:24 ET (12:24 GMT)