Die großen Tech-Konzerne investieren so viel wie nie zuvor in Künstliche Intelligenz (KI) - doch die Renditen steigen ebenfalls, und Anleger greifen beherzt zu.
KI spielte im zweiten Quartal (April bis Juni) eine immer größere Rolle als Wachstumstreiber in Bereichen wie Internetsuche, digitaler Werbung und Cloud Computing. Das beflügelte die Umsätze der Technologiegiganten Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet.
Im Vertrauen darauf, dass dieser Trend anhält, erhöhen Microsoft, Alphabet und Amazon ihre Ausgaben, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, die ihre Möglichkeiten zur Bedienung der stark gestiegenen KI-Nachfrage bislang begrenzt haben - und das, obwohl sie bereits seit mehreren Quartalen Milliarden investieren.
Die aktuellen Ergebnisse liefern laut Investoren und Analysten das bislang deutlichste Zeichen dafür, dass KI sich als zentraler Wachstumsmotor etabliert - auch wenn die Monetarisierung noch ganz am Anfang steht.
Die optimistischen Kommentare unterstreichen, wie die enorme Nachfrage nach der neuen Technologie die Tech-Giganten gegen wirtschaftliche Unsicherheiten, etwa ausgelöst durch Zölle, abschirmt, die andere Branchen ausbremsen.
,,Während Unternehmen wie Alphabet und Meta mit Hochdruck daran arbeiten, das KI-Versprechen einzulösen, sind die Investitionen in Sachanlagen schockierend hoch - und werden es auf absehbare Zeit auch bleiben", sagt Debra Aho Williamson, Gründerin und Chefanalystin von Sonata Insights.
Doch solange die Kerngeschäfte stark bleiben, ,,verschafft das den Firmen mehr Zeit bei den Investoren und stärkt das Vertrauen, dass sich die Milliarden für Infrastruktur, Talente und andere technologiebezogene Ausgaben lohnen werden", so Williamson weiter.
Die Microsoft-Aktie legte am Donnerstag um 4 Prozent zu, womit der Windows-Hersteller einen Börsenwert von 4 Billionen US-Dollar erreichte - ein Meilenstein, den zuvor nur der Chipriese Nvidia erreicht hatte.
Meta stieg sogar noch stärker: plus 11,3 Prozent, was den Börsenwert um rund 200 Milliarden auf etwa 1,75 Billionen US-Dollar anwachsen ließ. Amazon fiel nachbörslich um 7 Prozent, nachdem die Aktie im regulären Handel noch um 1,7 Prozent gestiegen war - enttäuschende Cloud-Ergebnisse sorgten für Ernüchterung.
Alle Unternehmen stehen unter intensiver Beobachtung der Investoren wegen ihrer explodierenden Investitionen, die vor den jüngsten Quartalszahlen für dieses Jahr auf insgesamt 330 Milliarden US-Dollar geschätzt wurden.
Und noch bis vor wenigen Tagen hinkten die Aktien der ,,Magnificent Seven" dem S&P 500 in der Jahresperformance hinterher.
ZWEIFEL VERSTUMMEN
Microsoft kündigte am Mittwoch an, im laufenden Quartal einen Rekordwert von 30 Milliarden Dollar zu investieren - nach besser als erwarteten Umsätzen und einer Prognose für das Cloudgeschäft Azure, die über den Schätzungen lag und die steigenden Erträge aus den massiven KI-Investitionen unterstreicht.
Diese Prognose könnte Microsoft im kommenden Jahr zum Ausgaben-Spitzenreiter machen. Zuvor hatte Alphabet, die Google-Mutter, die Umsatzerwartungen übertroffen und ihre Investitionsprognose für das Jahr um 10 Milliarden auf 85 Milliarden Dollar angehoben.
Erstmals veröffentlichte Microsoft auch konkrete Zahlen zu Azure-Umsätzen und Nutzerzahlen der Copilot-KI-Tools, deren Akzeptanz Investoren lange Sorgen bereitet hatte.
Demnach erzielte Azure im letzten Geschäftsjahr mehr als 75 Milliarden Dollar Umsatz, während die Copilot-Tools über 100 Millionen Nutzer verzeichnen. Insgesamt nutzen rund 800 Millionen Kunden KI-Lösungen innerhalb von Microsofts umfangreicher Softwarelandschaft.
,,Das ist ein Ergebnis, das alle Zweifel an der Nachfrage nach Cloud oder KI rasch verstummen lässt", sagt Josh Gilbert, Marktanalyst bei eToro. ,,Microsoft rechtfertigt seine Ausgaben mehr als genug."
Amazon wiederum kündigte an, im zweiten Halbjahr ähnlich viel zu investieren wie im zweiten Quartal, als die Ausgaben bei 31,4 Milliarden Dollar lagen. Das deutet auf etwa 118 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr hin - Analysten hatten mit rund 100 Milliarden gerechnet.
Auch andere KI-Unternehmen gewinnen rasch Nutzer.
Alphabet teilte vergangene Woche mit, dass die KI-Assistenten-App Gemini monatlich mehr als 450 Millionen aktive Nutzer hat. OpenAIs ChatGPT, das als Auslöser des Generative-AI-Booms gilt, kommt auf etwa 500 Millionen wöchentliche Nutzer.
Meta hob unterdessen die untere Spanne seiner Investitionsprognose für das Jahr um 2 Milliarden auf 66 bis 72 Milliarden Dollar an. Zudem teilte das Unternehmen mit, dass die Bemühungen, im immer härter werdenden KI-Wettlauf des Silicon Valley aufzuholen, das Kostenwachstum 2026 über das Niveau von 2025 treiben werden.
Besser als erwartetes Umsatzwachstum im zweiten Quartal und eine optimistische Prognose für das laufende Quartal gaben den Investoren dennoch die Zuversicht, dass das starke Werbegeschäft des Social-Media-Riesen die enormen Ausgaben stemmen kann.
,,Die Big Boys sind zurück", sagt Brian Mulberry, Portfoliomanager bei Zacks Investment Management, das Anteile an allen drei großen US-Cloud-Anbietern hält. ,,Das beweist einfach, dass die ,Magnificent Seven' aktuell tatsächlich noch immer großartig sind."



















