Kennen Sie diesen ungeladenen Gast, der die Party einfach nicht verlassen will? Die australische Wirtschaft war im Jahr 2025 genau dieser Typ. Trotz eines Anstiegs der Reallöhne um 3,4% fühlten sich die Australier ärmer, da das reale BIP pro Kopf abstürzte. Zudem waren laut dem Finder Cost of Living Pressure Gauge offiziell 77% der Haushalte gestresst.
Als die Inflation im Dezember 2025 mit 3,8% heimlich ein Comeback feierte und die staatlichen Hilfen versiegten, sah sich Aussie Broadband, ein australischer Telekommunikations- und Internetdienstanbieter, zu einer strategischen Neuausrichtung in Richtung Premium-Marktsegmente und Infrastrukturakquisitionen veranlasst.
Ihre Wette: Schnelles Glasfaserinternet ist das Letzte, worauf Menschen in ihrem Budget verzichten. Und das Konzept ging auf. Aussie Broadband startete eine massive Einkaufstour. Den Anfang machte im August 2025 ein kraftvoller Sechsjahresvertrag zur Migration von 290.000 More- und Tangerine-Nutzern auf das eigene Netz ab dem zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026.
Kürzlich legten sie 115 Millionen AUD auf den Tisch, um das Telekommunikationsgeschäft von AGL samt 350.000 Diensten für einfache Energie-Bundles im Februar 2026 zu übernehmen und sicherten sich mit Nexgen zur Stärkung ihrer Margen im KMU-Segment 6.000 neue Anschlüsse.
Auf der Überholspur
Aussie Broadband steigerte die Gesamtzahl seiner Breitbandanschlüsse um über 39.000 auf beeindruckende 827.700 im ersten Halbjahr 2026. Seitdem das National Broadband Network (NBN) seine "Accelerate Great"-Initiative gestartet hat, sind nun 69% der Kunden auf 100-Mbit/s-Tarifen oder schneller, und satte 44% sind auf die exklusiven 500-Mbit/s+-Stufen umgestiegen.
Aussie Broadband hat nun offiziell einen Marktanteil von 8,86% am gesamten NBN-Markt erreicht, verglichen mit 7,6% im ersten Halbjahr 2025.
Hohe (Geschwindigkeits-)Gewinne
Aussie Broadband erzielte einen Umsatz von 637,8 Mio. AUD (plus 8,4%) und ein bereinigtes EBITDA von 74,7 Mio. AUD. Das "like-for-like"-Wachstum bei Umsatz und bereinigtem EBITDA sieht mit 13,5% bzw. 27,0% sogar noch besser aus, was beweist, dass das Unternehmen mit zunehmender Größe effizienter wird.
Obwohl das gemeldete NPAT nur 5,1 Mio. AUD betrug — hauptsächlich, weil durch den Verkauf des Digital Sense Hosting-Geschäfts im Februar 2026 ein Verlust von 14,8 Mio. AUD entstand — stieg das bereinigte NPAT tatsächlich um 40,9% auf 22,3 Mio. AUD. Insgesamt verfügt das Unternehmen nun über mehr als 827.700 Breitbandanschlüsse (ein Plus von 13,7%) und hielt eine sehr niedrige Netto-Verschuldungsquote von 0,9x.
Ec'static'-Signale
Aussie Broadband ist derzeit ein echter Hingucker an der ASX mit einem Aktienkurs von 4,92 AUD und einer Marktkapitalisierung von 1,46 Mrd. AUD (1,0 Mrd. USD). Auch wenn das KGV von 29,4 für 2026 hoch erscheint, liegt es unter dem Drei-Jahres-Durchschnitt von 34,4, was darauf hindeutet, dass der Markt die enorme Skalierung des Unternehmens allmählich einpreist.
Investoren, die vor einem Jahr auf Aussie Broadband gesetzt haben, konnten einen Kursanstieg von 22,4% verbuchen. Von 12 Analysten, die die Aktie beobachten, sprechen sich sieben für "Kaufen" aus. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von 6,0 AUD gibt es ein Aufwärtspotenzial von 20,2%.
Aktuell am Puffer
Der große 115-Millionen-AUD-AGL-Deal und die More/Tangerine-Migration sind Wetten auf "schnelles Wachstum". Sollten diese mehr als 350.000 neuen Nutzer nicht wie erwartet funktionieren, könnten die Gewinnmargen unter Druck geraten. Zudem droht eine "Preisschlacht" mit den drei Großen (Telstra, Optus, TPG), die über deutlich größere finanzielle Ressourcen verfügen, um preisbewusste Australier zu locken.
Mit dem Abschied von Buddy Telco setzt das Unternehmen zudem alles auf Premium-Kunden. Sollte die Inflation von 3,8% anhalten, könnten selbst diese zahlungskräftigen Kunden auf der Suche nach günstigeren Angeboten abwandern.



















