München, 10. Feb (Reuters) - Der österreichisch-deutsche Sensor- und Chip-Konzern AMS-Osram läutet die nächste Sparrunde ein und will in den kommenden drei Jahren rund 2000 Stellen streichen. Die Hälfte davon betreffe Europa und dabei vor allem Deutschland, aber auch in Asien fielen Jobs weg, sagte Vorstandschef Aldo Kamper am Dienstag. Das angeschlagene Unternehmen aus Premstätten bei Graz beschäftigt weltweit rund 19.000 Mitarbeiter. "Wir müssen mehr tun, um dem wachsenden Preisdruck und den Kostensteigerungen zu begegnen", sagte Kamper. In Europa sollten künftig nur noch neue Produkte gefertigt werden, etablierte in Asien. "Dort können wir um bis zu 50 Prozent günstiger produzieren. Deutschland ist da nicht mehr wettbewerbsfähig."

AMS-Osram will mit dem "Simplify" genannten Sparprogramm die Kosten bis zum Jahr 2028 um weitere 200 Millionen Euro senken. Damit und mit dem in der vergangenen Woche angekündigten Verkauf eines Teils des Sensor-Geschäfts an Infineon "schärfen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und gewinnen die finanzielle Flexibilität zurück, gezielt in unser Wachstum zu investieren", sagte Kamper. Die traditionellen Autolampen sollen dabei die Investitionen in das neue Halbleiter-Kerngeschäft finanzieren. Das vorangegangene, 250 Millionen Euro schwere Sparprogramm ist gerade erst vorzeitig abgeschlossen worden.

Finanzvorstand Rainer Irle veranschlagt die Kosten für die neue Sparrunde auf rund 150 Millionen Euro, die dazu führen dürften, dass AMS-Osram auch in diesem Jahr nicht aus den roten Zahlen kommen wird. Dabei gehe es nicht nur um Abfindungen, sondern auch um die Kosten für die Verlagerung von Maschinen von Regensburg nach Malaysia und den Umbau der Fabrik dort. Das Werk in Regensburg soll eine ganze Produktfamilie verlieren. Allein in der ostbayerischen Stadt falle eine niedrige bis mittlere dreistellige Zahl an Stellen weg - insgesamt arbeiten dort 2700 Menschen. Das bereits verkündete Aus für das Werk Schwabmünchen bei Augsburg mit 270 Beschäftigten bis Ende 2027 und der Abbau von 100 Stellen in Herbrechtingen bei Ulm sind ebenfalls Teil der Kürzungen.

Im abgelaufenen Jahr schrumpfte der Umsatz von AMS-Osram vor allem wegen des schwächeren Dollar um drei Prozent auf 3,32 Milliarden Euro, das Chip-Kerngeschäft wuchs währungsbereinigt um sieben Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich um sechs Prozent auf 608 Millionen Euro, das entsprach einer Marge von 18,3 (Vorjahr: 16,8) Prozent. Dabei drückten höhere Preise für Gold, Silber und Seltene Erden auf das Ergebnis. Unter dem Strich stand ein - wenn auch deutlich niedrigerer - Verlust von 129 (minus 785) Millionen Euro.

Für das laufende Jahr rechnet AMS-Osram nach dem Verkauf von Firmenteilen an Infineon und die japanische Ushio mit einem moderaten Umsatzrückgang. Im ersten Quartal sei ein Umsatz zwischen 710 und 810 Millionen Euro zu erwarten, bei einer Marge von 13,5 bis 16,5 Prozent.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)