Zykliker gegen Defensivtitel – ein Klassiker mit überraschendem Ausgang
Es ist eines der Grundsatzduelle an den Börsen: zyklische versus defensive Aktien. Und in einem Jahr wie 2025, mit hoher Unsicherheit und erratischer Geldpolitik, hätten Letztere durchaus Argumente auf ihrer Seite gehabt. Nach dem 2. April – dem sogenannten „Liberation Day“, als Donald Trump neue gegenseitige Zölle in Kraft setzte – kam es zunächst zu einer Korrektur an den Märkten. In dieser Phase konnten defensive Werte kurzfristig outperformen.
Doch dieser Moment war nur von kurzer Dauer. Seitdem haben die Aktienmärkte – insbesondere in den USA – ihren Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Zykliker übernahmen erneut die Führungsrolle. Im relativen Vergleich zu defensiven Werten stehen zyklische Sektoren global derzeit auf einem Allzeithoch.

Quellen: Bank of America, Bloomberg
Zykliker dominiert von Finanzen und Tech
Laut MSCI-Klassifikation zählen acht Sektoren zu den Zyklikern: zyklischer Konsum, Finanzwerte, Industrie, Technologie, Immobilien, Kommunikationsdienste, Grundstoffe und Energie. Letztere wird allerdings auch defensiv eingestuft. Die vier defensiven Sektoren sind: Basiskonsumgüter, Versorger, Gesundheitswesen und Energie.
Die aktuelle Outperformance der Zykliker geht in erster Linie auf das Konto von zwei Branchen: Finanzwerte und Technologie.
Bankaktien profitieren von einem robusten Gewinnumfeld in einem anhaltend hoch verzinsten Marktumfeld. In Europa führt dies sogar zu einem Re-Rating – also einer Neubewertung der Aktien auf Basis höherer Bewertungsmultiplikatoren. Der STOXX 600 Banks-Index liegt 2025 bereits 39 % im Plus.
Die Technologiewerte wiederum werden weiterhin von den „Glorreichen Sieben“ angeführt, die stark vom KI-Boom profitieren. Nvidia hat in diesem Jahr 33 % zugelegt, Microsoft 27 % und Meta 33 %.
Defensive Sektoren unter Druck
Auf der anderen Seite stehen zwei klassische Defensivsektoren derzeit besonders unter Druck: Energie und Gesundheitswesen.
Die fallenden Energiepreise belasten die Aktienkurse im Energiesektor. Neben der allgemeinen Konjunkturskepsis wirken auch die Produktionssteigerungen der OPEC preisdämpfend – eine Doppelbelastung für die Branche.
Im Gesundheitssektor sorgt der politische Druck für Unsicherheit: Donald Trump fordert deutliche Senkungen bei den Medikamentenpreisen – ein direkter Angriff auf die Margen der Pharmaindustrie, zumal die USA der wichtigste Absatzmarkt sind.
Wie lange hält die Überlegenheit der Zykliker?
Blickt man auf die Jahresbilanz, ist die Sache klar: Zykliker haben deutlich besser abgeschnitten als Defensivtitel. Doch wie lange noch?
Am Montag signalisierten gleich mehrere Investmenthäuser – darunter Morgan Stanley, Deutsche Bank und Evercore – die Erwartung einer baldigen Korrektur des S&P 500. Genannt werden Rücksetzer von 10 bis 15 %. In einem solchen Umfeld könnten defensive Titel wieder an Attraktivität gewinnen und eine relative Stärke entwickeln – zumindest vorübergehend.
















